«Stadt und Land mitenand»: So lautete das Motto des 32. eidgenössischen Jodlerfests in Basel. Der Grossanlass zog am vergangenen Wochenende 12'000 aktive Jodler, Alphornbläserinnen und Fahnenschwinger in die Rheinstadt. Darüber hinaus: fast 200'000 Besucherinnen und Besucher.
Auf den ersten Blick mag das Jodlerfest in der Stadt überraschen. Doch das hat Tradition: Bereits das erste Schweizer Jodlerfest fand 1924 in Basel statt.
Ein Brauchtum zwischen Wurzeln und Weitblick
Rund 100 Jahre später zeigt sich so deutlich wie noch nie, dass sich der Jodel in einem Spannungsfeld befindet. Ende 2025 nahm die Unesco den Schweizer Jodel in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Oder Anfang Juni: Das Bundesamt für Kultur vergab den Grand Prix Musik 2026 an Nadja Räss. Es ist der erste Grand Prix Musik, der an eine Musikerin aus der Volksmusik geht. Die Begründung der Jury: Nadja Räss sei eine Jodlerin und Kulturvermittlerin mit Wurzeln und Weitblick.
Trachtenpflicht und strenge Liederauswahl
Das eidgenössische Jodlerfest in Basel pflegt in diesem Verhältnis besonders die Wurzeln. Organisiert wird das Fest jeweils vom eidgenössischen Jodlerverband. 1910 gegründet, mit dem Ziel, den Schweizer Jodel abzuheben vom ausserschweizerischen – primär vom Tiroler Jodel. Dafür brauchte es Mittel und Wege.
Zu diesen Mitteln gehören die Jodlerwettbewerbe am Eidgenössischen. Für das Wettjodeln gibt es ein genaues Regelwerk: Es sieht beispielsweise vor, dass Jodlerinnen und Jodler in Tracht auftreten müssen – sonst droht die Disqualifikation. Die am Wettbewerb vorgetragenen Jodellieder müssen zudem angemeldet werden. «Nicht angemessene Jodellieder» können vom Gesamtobmann Jodelgesang abgelehnt werden, heisst es in den Bestimmungen für die Wettvorträge.
«Der Jodel verändert sich und das muss er auch»
«Es geht bei den strengen Regeln darum, die Tradition zu bewahren», sagt Godi Studer. Er kommt aus dem Entlebuch, leitet einen Jodlerchor und ist seit rund 20 Jahren als Juror bei Jodlerfesten tätig. Doch das Stillstehen sei keine Option, sagt Studer weiter.
«Der Jodel verändert sich und muss sich auch verändern, um auf den gesellschaftlichen Wandel einzugehen», sagt Studer. Schlussendlich ist die Jodel-Tradition tief in der Gesellschaft verankert.
Verschiedene Szenen und Stimmen
Der Jodel ist auch Feld für den freien künstlerischen Ausdruck. Simone Felber macht Jodel aus einer solchen Perspektive. Sie ist klassisch ausgebildete Sängerin und Jodlerin. Für sie ist klar: «Wenn ich auf der Bühne meine eigenen Stücke jodle, dann ist das etwas anderes, als wenn ich beim Jodlerfest an einem Wettsingen teilnehmen würde.»
Es sei für sie wichtig, dass Reibungsflächen entstehen können: «Es gibt immer neue Stimmen, die sich mit der Tradition auseinandersetzen und sie damit weitertragen.» So verändere sich eine Tradition stetig.
Jodel ist Gemeinschaft
Jodel ist eine lebendige Tradition. Das bedeutet, dass es unterschiedliche Szenen gibt, die sich unterschiedlich mit dem Jodel auseinandersetzen. So ist Jodeln mehr als Musik.
Es ist Gemeinschaft. Gemeinschaft, die sich am vergangenen Wochenende in Basel zeigte, als aus den verschiedenen Gassen und von den Rheinbrücken in Basel Jodelmusik klang.