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Clubs in der Innerschweiz «No Time To Lose»: das pulsierende Nachtleben auf dem Land

Wer Discos und Nachtleben automatisch mit Städten verbindet, täuscht sich mächtig: Auf dem Land und in Kleinstädten gibt es eine grosse Tradition an Musik- und Tanzlokalen. Eine neue Ausstellung in Stans zeigt Hotspots des Innerschweizer Musikvergnügens in den letzten 150 Jahren.

Bis nach Los Angeles und Tokio schafften es Songs von Musikschaffenden aus Nidwalden: «On My Way In L.A.» von Phil Carmen oder «Mexicana Hotel» von Why Blood. Sie zeugen von einer lebendigen Musikkultur in den 1980er-Jahren im Innerschweizer Kanton.

Kulturlokale wie das Chäslager in Stans entstanden, Bands gründeten sich, und Musikliebhaberinnen und -liebhaber kamen auch von ausserhalb nach Nidwalden, um Konzerte zu besuchen. Im Hotel Eintracht in Wolfenschiessen versammelte sich gar die Zürcher Punkszene.

Oral History über Musikkultur

Von Geschichten wie diesen erzählt die aktuelle Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» im Salzmagazin des Nidwaldner Museums; sie wirft das Scheinwerferlicht auf Musik- und Tanzlokale im Kanton und in der Umgebung.

Hierfür besuchte das Kurationsteam Catherine Huth und Joel Wehrle Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in ihrem Zuhause, wo ihnen Fotos von ausgelassenen Festen und bunte Plakate ihrer Lieblingsbands gezeigt wurden.

Eckbar mit Regalen voller Flaschen und schwarz dekorierter Theke
Legende: Eine nachgebaute Bar aus der Disco «Happy Day» in Wolfenschiessen: «Das Happy Day ist auch deshalb speziell, weil hier alle Schichten und Gruppen zusammengefunden haben», sagt Catherine Huth. Nidwaldner Museum Stans/Christian Hartmann

«Wir bekamen viele Anrufe von Einheimischen, die in ihrem Keller alte Erinnerungen hervorkramten und davon erzählen wollten – so kamen wir an Wissen, das in keinem Archiv zugänglich ist», so Historiker Joel Wehrle.

Auf dem Weg zur Partykultur

Party machen war lange jedoch nicht selbstverständlich. Gesetzliche Regelungen und moralische Vorbehalte der katholischen Kirche reglementierten Tanz und Musik bis ins 20. Jahrhundert.

«Um die Jahrhundertwende waren auch in Nidwalden Tanzen und öffentliches Musizieren nur an wenigen Tagen im Jahr erlaubt», sagt Joel Wehrle und ergänzt: «Doch so strikt hat man dies nicht immer eingehalten.» Vor allem nicht in der Volksmusik: «Stubeten fanden im Privaten und in Wirtshäusern ab und zu statt.»

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» im Salzmagazin des Nidwaldner Museums ist bis zum 1. November 2026 geöffnet.

Umso reizvoller wurde es, als sich in der Zwischenkriegszeit die sogenannten «Dancings» etablierten, bei denen zu Swing von internationalen Jazzbands getanzt wurde. Jazzgrössen wie Coleman Hawkins kamen in die Tourismusdestination Engelberg, um im Club «Dancing Matter» zu spielen, einem damaligen Hotspot der Schweizer Jazzszene.

Retro-Tanzparty-Fototapete in gemütlichem Raum mit Möbeln.
Legende: «Dancings» in den 1920er-Jahren: Eng beieinander und leicht verschwitzt wurde zur Jazzmusik getanzt. Ausstellungsansicht der Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos». Nidwaldner Museum Stans, 2026. Foto: Christian Hartmann.

Die jungen Menschen mussten sich ihre Musik- und Tanzräume zuerst erobern, auch in Nidwalden. «Nach der Lockerung des Tanzgesetzes 1964, respektive 1971, entstanden viele Lokale in Nidwalden, die zu Treffpunkten für die lokale Bevölkerung, aber auch für Gäste aus Städten wurden», so Historiker Joel Wehrle.

Ein Sinnbild dafür sind die Stanser Musiktage, die Mitte der 1990er-Jahre aus einer Jazzreihe hervorgingen und bis heute bestehen: Sie finden in diesen Tagen zum 30. Mal statt. Ganz verschiedene Generationen werden da auch dieses Jahr wieder das Tanzbein schwingen – ohne Sperrstunde.

30. Stanser Musiktage

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Die Stanser Musiktage feiern ihre 30. Ausgabe mit dem Jubiläumsmotto «Zwischen Kontinuität & Veränderung». Internationale Musikgrössen und einheimische Perlen aus «World Music», Jazz und Volksmusik bespielen vom 15. bis 19. ApriI die vielfältigen Lokale im Herzen des Kantons Nidwalden.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 16.4.2026, 12:03 Uhr; herb

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