Darum sollte man Bob Dylan hören

Bob Dylan – ein lebender Mythos. Kaum ein Musiker wird so verehrt, kopiert und interpretiert. Er gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Redaktor Eric Facon erklärt warum Dylan so erfolgreich ist und welche Platten man kennen sollte – ein Schnellkurs für Dylan-Einsteiger.

Bob Dylan vor dem Mikrofon Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bob Dylan in Rotterdam (1978). flickr/Chris Hakkens

Wieso ist der Mann so erfolgreich – er kann gar nicht singen.

Eric Facon: Wenn Erfolg auf Gesangskünsten basieren würde, hätten Milli Vanilli keine Platte verkauft – sie haben ja nicht mal gesungen auf ihren eigenen Platten. Ernsthaft: Die grössten Sänger der Rock- und Popgeschichte besitzen selten grosse Singstimmen. Dylans Stimme ist zerschlissen, aber das hat je nach Songinhalt grosse Wirkung. Und, er ist ein Meister der Phrasierung und der Interpretation – wie man auf seinem neusten, Frank Sinatra gewidmeten Album «Shadows in the Night» hören kann.

Ich kann «Blowin‘ in the wind» nicht mehr hören. Ist der Song wirklich so schlecht?

Das eine hat natürlich mit dem andern nichts zu tun: «Blowin‘ in the wind» hört man tatsächlich an jedem Lagerfeuer, aber das kann man Bob Dylan nicht vorwerfen. Auch für andere Cover-Versionen trägt er keinerlei Verantwortung. Den Song darf man aber durchaus als Folk-Klassiker stehen lassen.

Welches Album muss ich denn kennen von ihm?

Nicht jedes. Man kann als Neueinsteiger einige aus den 80er-Jahren getrost auslassen. Da hatte ihn – wie er selbst sagt – die Inspiration verlassen.

Haben müsste man eine Auswahl aus diesen fünf: The Freewheelin‘ Bob Dylan ('63), Bringing it all back home ('65), Blonde on blonde ('66), Oh mercy ('89), Love and theft (2001). Und dazu noch: The Bootleg Series Vol. 8: Tell tale signs. Und auch das neue Sinatra gewidmete Album. Und, und, und.

Er heisst ja eigentlich Robert Allen Zimmermann, wie kam er er zum Künstlernamen Bob Dylan?

Dylan versteckt sich gerne. Auch um den Erwartungen des Publikums auszuweichen. Manchmal versteckt er seine Songs vor dem Publikum, indem er sie komplett neu arrangiert dargibt. Manchmal versteckt er sogar seine Stimme. Vielleicht stand der walisische Dichter Dylan Thomas Pate?

Dylans Konzertauftritte stehen unter dem Motto «Never Ending Tour» – will er nie aufhören?

Es sieht so aus, als möchte er ständig auf Achse bleiben. Man hört immer wieder – und nicht nur von ihm – dass Musiker sich nutzlos vorkommen, wenn sie zuhause untätig herumsitzen, denn da gibt es nur den Alltag. Dylan sagt von sich selbst, er sei ein «Song & Dance Man» – als solches muss er vor sein Publikum. So ist er seit dem 7. Juni 1988 fast ununterbrochen unterwegs. Seither hat er mit seiner Band weit mehr als 2500 Konzerte gespielt – unter anderem auch im Vatikan.

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