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Musikstreaming: Daten sind Gold wert
Aus Kulturplatz vom 29.05.2019.
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Datenbroker Spotify Musik ist bloss das Schmiermittel

Ein neues Buch zeigt, wie Spotify mit unseren Daten handelt. Das Unternehmen wollte die Publikation verhindern.

Es ist noch nicht lange her, da fanden das viele normal: mit Facebook bei Spotify einloggen und alle Freunde konnten sehen, welche Musik die andern hörten. Und das hiess, zu vermuten, was sie taten, fühlten oder wählten.

Eine Playlist für das Fitnessstudio: Ja, der Urs will abnehmen. Oha, die Anna, ein Schmusetape zum Kuscheln – am Nachmittag!

Spotify-App auf dem Handy, daneben Kopfhörer.
Legende: Spotify – ein Schlaraffenland für Musikliebhaber. Und gleichzeitig deren Spion. Keystone / HAYOUNG JEON

Die User sind vorsichtiger geworden. Auch Spotify scheut heute Shitstorms. Der Streamingriese gehört globalen Investoren und versteuert in Luxemburg. Die Gründer waren schwedisch.

Das Streamingportal gehört zu den ganz Grossen im Markt: 217 Millionen User weltweit verraten Namen, Geschlecht, Alter. 100 Millionen haben ein Abo abgeschlossen, der Rest nimmt Werbung in Kauf. Aber zahlen tun wir alle: mit unseren Daten.

Forscherteam hackt den Algorithmus

Auch wenn wir die Details noch immer nicht kennen, wissen wir dank einem bahnbrechenden Buch von fünf Forscherinnen und Forschern etwas mehr.

Es heisst «Spotify Teardown» und nimmt die Firma auseinander, wie es der Originaltitel nahelegt (eine deutsche Übersetzung gibt es nicht).

Das Buch blickt in die Firmengeschichte, zeigt den Wandel des Businessmodells, erklärt die Technologie. Und spielt damit. In mehreren Fällen führt «Spotify Teardown» die Technologie mit ihren eigenen Mitteln hinters Licht.

Was treibt die Streams nach oben?

Die Forscherinnen und Forscher programmierten Bots, die beweisen, dass die Anzahl der Streams manipuliert werden kann. Und sie erfanden Künstler und Bands. Die fiktive Gruppe Fru Kost versammelte auf dem Album etwa Frühstücksgeräusche.

Mit solchen Tricks wollten sie herausfinden, was Spotify als Musik bewertet. Und wie man als Künstler die Streams nach oben treibt.

Zweifelhafte Nutzungsbedingungen

Spotify schickte dem Autorenteam die Anwälte vorbei. Kurz vor dem Börsengang im letzten Jahr fürchtete die Firma schlechte Presse. Der schwedische Staat, der das Forschungsprojekt mit einer Million Euro förderte, solle sofort den Geldhahn zudrehen.

Buchhinweis

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Maria Eriksson, Rasmus Fleischer, Anna Johansson, Pelle Snickars, Patrick Vonderau: «Spotify Teardown – Inside the Black Box of Streaming Music», 2019, MIT Press.

Denn das Forscherteam habe gegen die Nutzungsbedingungen verstossen. Was aber, wenn diese Endlostexte, die niemand versteht, selbst gegen Grundrechte verstossen? So beurteilte das der Staat und wies die Forderung ab. Das Buch konnte erscheinen.

Spotify, der Datenbroker

Darin stellt das schwedische Forscherteam klar, dass Spotify in erster Linie ein Datenbroker ist, in zweiter Linie eine Technologiefirma. Musik ist bloss das Schmiermittel.

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Hier spielt die Musik!
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Dabei verkauft Spotify unsere Daten auch an Firmen, die mit Geheimdiensten Geschäfte machen. Daten darüber, wie wir auf dem Telefon wischen und wie wir uns im realen Leben bewegen.

Diese Bewegungsprotokolle seien aber nicht personalisiert, es steht nicht «Urs» oder «Anna» drauf. Heisst es im Buch.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Spotify und YouTube sind die Totengräber der Musikkultur. Aber wen interessiert das schon, Hauptsache man hat unlimitierten, freien Zugang zu allem was je produziert wurde, und kann konsumieren ohne Ende, und ohne drüber nachzudenken. Wir 'Herdentiere' versinken im Überfluss der Beliebigkeiten... (typisch auch hier, wir diskutieren über die Grammatik dieses Artikels, um vom Thema abzulenken...)
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  • Kommentar von Georg Schneider  (Merguez)
    Bezahlen tun wir alle? Nein. Ich habe kein Spotify, kein Facebook, Twitter, Instagram und Co. Bin übrigens U30 und habe - man glaubt es ob meiner Social Media Abstinenz kaum - ein sehr gut funktionierendes, diverses Sozialleben.
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    1. Antwort von Luc Müller  (lm2ml)
      So wie ich das sehe benutzen Sie jedoch eine Suchmaschine und werden in Ihrem Alltag so oder so das Internet benutzen. Dadurch hat Google so oder so Daten von Ihnen. Also bezahlen wir doch alle es ist heute nicht möglich das Internet nicht zu nutzen.
    2. Antwort von Tobi Hartmann  (Tobias Hartmann)
      Find ich gut. Leider muss ich beruflich mit diesen Entwicklungen schritt halten. Ich würde mich auch viel lieber aus all dem Mist ausklinken.
  • Kommentar von Markus Hausammann  (Markus Hausammann)
    Immer noch Fehler. Jetzt lass ich mich dann anstellen, das ist ja echt nicht gerade Qualitätsjournalismus.

    "versteuert in Luxembourg" : wohl nicht ganz korrektes Deutsch.
    "Schwedisch waren die Gründer." : Poetisch, aber sicher nicht gewollt.
    "217 Millionen User weltweit verraten Namen, Geschlecht, Alter." : verraten wem? unschöne maschinelle Übersetzung, wohl von einem Konstrukt mit "reveal".
    etc. etc. etc.
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