Dauerbrenner Das «Klassiktelefon» präsentiert die fünf heimlichen Hits

Das «Klassiktelefon» erfüllt seit 20 Jahren Musikwünsche. Ob zu Geburts- und Hochzeitstagen, als tönende Grüsse für Freunde oder einfach nur so. Die Palette der Musikfarben ist erstaunlich bunt. Die fünf am häufigsten gewünschten Stücke hat die Redaktion jetzt zusammengestellt.

Joachim Salau links und Eva Oertle mit einem alten Telefonhörer vor dem Eingang des Gare du Nord in Basel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sie erfüllen seit 20 Jahren Klassikwünsche: Eva Oertle und Joachim Salau. SRF/Claudia Herzog

Seit 20 Jahren erfüllt das «Klassiktelefon» Musikwünsche und die beschränken sich keineswegs auf die typischen Hits wie «Hallelujah-Chor», «Arie der Königin der Nacht», «Morgenstimmung» oder «Moldau».

Die Redaktion hat mal nachgezählt und die fünf meist gespielten Musikstücke zusammengestellt, die nicht in gängigen Charts auftauchen: die heimlichen Hits im «Klassiktelefon».

1. Johann Sebastian Bach: «Erbarme dich, mein Gott»

Diese arabische Version der berühmten «Erbarme-Dich»-Arie aus Johann Sebastian Bachs «Matthäus-Passion» entstand in Zusammenarbeit von Sarband mit der Sängerin Fadia El-Hage.

Das Ensemble mit seinem Leiter Vladimir Ivanoff und die libanesische Sängerin sind spezialisiert auf die Kombination klassischer westlicher Musik mit der des Nahen Ostens.

2009 wurde die über einstündige «Arabische Passion» nach Johann Sebastian Bach aufgenommen, aber es ist vor allem diese Arie daraus, die Gott und Allah gleichermassen um Gnade bittet, die das Publikum zu bewegen scheint. Seit den Konflikten in und um Syrien wird sie besonders oft gewünscht.

Die «Arabische Passion» ist auf Youtube zu finden.

2. George Frederick Kiallmark: «Scottish Melody»

Weder von Mozart, Beethoven, Chopin noch Liszt. Dieses oft gewünschte Stück stammt nicht von einem der grossen Klavierkomponisten. George Frederick Kiallmark war Theatermusiker in London und gesuchter Lehrer für Geige, Harfe und Klavier.

Seine melodiösen, musikalisch und technisch nicht allzu anspruchsvollen Kompositionen verkauften sich wie die sprichwörtlichen warmen Weggli.

Die «Scottish Melody» tauchte zunächst im Morgenprogramm von SRF 2 Kultur auf und eroberte dann schnell auch das «Klassiktelefon».

3. Astor Piazzolla: «Libertango»

Aus einer ganz anderen musikalischen Ecke stammt dieses Stück. «Libertango» ist eine Wortschöpfung aus «Libertad» und «Tango» und meint den Bruch, den Astor Piazzolla vollzog, als er seinen Weg vom klassischen Tango zum Tango Nuevo ging.

Tango ist eine Randfarbe im Repertoire der Sendung, aber gerade Piazzollas Komposition wurde inzwischen von vielen Interpretinnen und Interpreten der Klassik gespielt und aufgenommen. Von Yo-Yo Ma über das Quatuor Ébène bis zu den Swiss Clarinet Players. Das zeigt, dass «Libertango» ganz selbstverständlich seinen Platz im «Klassiktelefon» hat.

4. Karl Jenkins: «The Armed Man»

Diese Messe des walisischen Komponisten Karl Jenkins ist ein Antikriegsstück. Sie wurde im Auftrag des nationalen britischen Museums für Waffen und Rüstungen zu den Millenium-Feierlichkeiten komponiert und ist den Opfern des Kosovokriegs gewidmet.

«The Armed Man» schildert die wachsende Bedrohung durch Krieg und endet mit der Hoffnung auf Frieden.

Besonders beeindruckend im oft gewünschten «Benedictus» ist, wenn der Chor nach fünf meditativen Minuten sein «Hosanna in excelsis» singt, von bombastischem Schlagzeug begleitet.

Karl Jenkins war in den 1970er-Jahren Mitglied der Jazzrock-Gruppe «Soft Machine» und späterer Gründer des Musikprojekts «Adiemus». Seine an Pop, Jazz und ethnischer Musik geschulten Chorgesänge machen die Werke vor allem bei jungen Chören beliebt. «The Armed Man» wurde vom «National Youth Choir of Great Britain» uraufgeführt und ist inzwischen im Repertoire vieler Jugendchöre.

5. Sulkhan Tsintsadze: «Miniaturen für Streichquartett – Suliko»

Spitzenreiter unter den heimlichen Hits des «Klassiktelefons» ist dieses unscheinbare Stück. Dass es einst das Lieblingslied von Stalin gewesen sein soll und überhaupt zu Sowjetzeiten eine Berühmtheit, dürfte da keine Rolle spielen.

Es ist wohl eher die schwerelose Anmut, die so anziehend aufs Publikum wirkt. Zum «Klassiktelefon»-Hit wurde es erst in den letzten Jahren in der Aufnahme der Geigerin Lisa Batiashvili mit Kammerorchester.

«Suliko» (Seele) ist ein Liebeslied aus ihrer Heimat Georgien. Der Komponist Sulkhan Tsintsadze nahm es in seine Miniaturen für Streichquartett auf, von wo es den Weg ins Zugabenrepertoire der Geigerin fand. Weil es so eingängig und populär ist, taucht es aber auch bei vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern, nicht nur der Klassik, auf.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Klassiktelefon, 3.11.2017, 13.00 Uhr

Die erwähnten Musikstücke sind auf CD erschienen:

Johann Sebastian Bach: «Matthäus-Passion. Erbarme dich, mein Gott»
Fadia El-Hage (Alt);Sarband; Leitung: Vladimir Ivanoff
«The Arabian Passion according to J.S. Bach»

George Frederick Kiallmark: «Scottish melody».
«Essentially Scottish. Piano music from Scotland»; Ronald Brautigam, Klavier

Astor Piazzolla; «Libertango»
Swiss Clarinet Players: «Harlem Nocturne»

Karl Jenkins: «The Armed Man - A Mass for Peace»
The National Youth Choir of Great Britain; London Philharmonic Orchestra
Karl Jenkins: «The Armed Man. A Mass For Peace»

Sulkhan Tsintsadze: «Miniaturen für Streichquartett – Suliko»
Lisa Batiashvili (Violine); Georgisches Kammerorchester
Beethoven: «Violin Concerto»; Tsintsadze: «Miniatures»

Sendung zu diesem Artikel