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Neue Kategorie bei den Grammy Awards 2023: Gamemusik schafft es in die Hochkultur
Aus Kultur-Aktualität vom 23.11.2022.
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Grammys 2023 Endlich gibt es auch einen Grammy für die beste Videospielmusik

Die Grammy Awards zählen zu den wichtigsten internationalen Musikpreisen. Nun wurden die Nominierten für 2023 bekanntgegeben. Überraschung: Es gibt erstmals eine eigene Kategorie für die beste Videospielmusik.

Computerspiel-Soundtracks sind längst keine piepsenden Synthesizer-Midis mehr, wie man sie aus Tetris oder Pac-Man kennt. Spiele, bei denen dasselbe Stück die ganze Zeit in Endlosschleife lief.

«Wenn einem das nicht gefallen hat und man über das Level nicht hinauskam, konnte diese Musik wahnsinnig nerven», sagt Olav Lervik. Er ist Dozent für Komposition für Film, Theater und Medien und Sounddesign am Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) der Zürcher Hochschule der Künste.

Mann mit Krawatte spielt ein Videospiel in Pixelgrafik auf altem Röhrenfernseher
Legende: Damals war die Musik noch einfacher: Shigeru Miyamoto, der Erfinder von Mario, spielt 1992 «Super Mario World» auf der Spielekonsole SNES. Getty Images/©Ralf-Finn Hestoft/CORBIS

Seit den 1980er-Jahren hat sich die Technik aber stetig weiterentwickelt. Videospiele sind heute interaktiv und dramaturgisch aufgebaut. Darum sind auch die Anforderungen an Videogame-Musik gestiegen.

«Es geht darum, etwas zu komponieren, das jederzeit umschwenken kann. Etwa, wenn plötzlich ein Gegner kommt oder ein Rätsel zu lösen ist oder man etwas geschafft hat». Videospielmusik sei ein Feld, das sich immer noch wahnsinnig spannend entwickle, so Lervik.

Von der Konsole in den Konzertsaal

Heute kommen Soundtracks für Videospiele aus allen Genres und werden genauso aufwändig produziert wie Filmmusik. Es gibt Studiengänge an Hochschulen und Orchester spielen Game-Musik im klassischen Konzertsaal.

Ein Orchester spielt vor einer Leinwandprojektion von «The Legend of Zelda»
Legende: Nichts mit Kinderzimmer: Das English National Ballet Orchestra spielt am 26. November 2006 in London Musik aus dem Videospiel «The Legend of Zelda». Getty Images/Gareth Cattermole

Videospielmusik sei nicht nur Mainstream geworden, sondern auch eine Kunstform, erklärt Lervik: «Es gibt die AAA-Games, diese riesigen 120-Spielstunden-Spiele, die sehr zugänglich sind. Aber es gibt auch eine sehr lebendige Indie-Game-Szene, die immer wieder neue, spannende Spielkonzepte und Ästhetiken ausprobiert. Teilweise schaut sie dabei in den Bereich der Kunst hinein.»

Eine Kunst, die äusserst lukrativ ist. Etwa 180 Milliarden US-Dollar soll die Gaming-Branche laut dem Marktforschungsinstitut Newzoo dieses Jahr einnehmen, mehr als die Kino- und Musikindustrie zusammen.

Das Genre boomt

Für Lervik ist der neue Grammy für den besten Videospielsoundtrack darum längst überfällig. «Wieso sollte es keinen Grammy für Gamemusik geben, wenn es einen Grammy für andere Sachen gibt? Wir haben so viele tolle Komponistinnen und Komponisten, die Gamemusik schreiben. Das Genre verzeichnet enormen Zuwachs.»

Zwar gibt es «The Game Awards», die europäischen «Game Audio Awards» und einige andere Preise für Videospiele. Aber für Musikerinnen und Musiker bleibt der Grammy die begehrteste Auszeichnung. Das ist auch bei Game-Musik so.

Kürt die neue Grammy-Kategorie Soundtracks von gestern?

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«Aliens: Fireteam Elite», «Assassin’s Creed Valhalla: Dawn of Ragnarök», «Call of Duty: Vanguard», «Marvel’s Guardians of the Galaxy» und «Old World». So heissen die fünf Anwärter auf den neuen Videospielmusik-Grammy. In der Community hat diese Liste für Unmut gesorgt. Denn die meisten dieser Spiele wurden bereits 2021 veröffentlicht.

Anders als bei «The Game Awards», bei denen die Teilnahmefrist jeweils im November endet, fand die Nominierungsphase bei den Grammy Awards von Oktober 2021 bis September 2022 statt. Viele grosse Spieletitel erscheinen aber erst ab Oktober und ihre Soundtracks noch später, denn die im Spiel zu hörende Musik und die Soundtracks erfordern in der Regel individuelle Verträge. Bei den Grammy Awards wurde jedoch nur das Veröffentlichungsdatum der Soundtracks berücksichtigt und nicht das des Spiels.

Das bedeutet, dass «The Game Awards» noch dieses Jahr im Dezember aktuellere Musikstücke küren werden als die Grammys in einer brandneuen Kategorie im Februar nächsten Jahres. Peinlich.

Für Videospiele komponierte Musik kann bereits seit 2011 in anderen Kategorien für die begehrten Preise nominiert werden. Aber eine eigene, offizielle Kategorie sorge endlich für mehr Sichtbarkeit von Komponistinnen und Komponisten von Videospielmusik, ist Lervik überzeugt.

«Das ist eine Ermutigung, eine Anerkennung und auch Werbung. Für die Person, die diesen Preis gewinnt, kann das ein ziemlicher Karriereschub sein. Und für die Branche gibt es ein bisschen mehr Spotlight.»

Zeichnung: Ein Mann wird gekrönt
Legende: Das Strategiespiel «Old World» wurde ebenfalls für einen Grammy nominiert. Mohawk Games

Das können die Komponistinnen und Komponisten gut gebrauchen. Unter den Nominierten sind Games wie «Assassin’s Creed Valhalla: Dawn of Ragnarök», «Call Of Duty: Vanguard» oder «Old World».

Die Musik dazu haben Stephanie Economou, Bear McCreary und Christopher Tin geschrieben. Komponistinnen und Komponisten, die in der Szene gefeiert werden, der breiten Masse aber zumindest bislang wenig bekannt waren.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 23.11.2022, 08:06;

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