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Firas Abou Fakher von Mashrou’ Leila: «Als Musiker nimmt man Risiken auf sich»
Aus Kontext vom 04.03.2020.
abspielen. Laufzeit 16:21 Minuten.
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Indie-Band aus dem Libanon Mashrou’ Leila singen gegen Repression an

Die libanesische Band Mashrou’ Leila ist gesellschaftskritisch und politisch. Und damit vielen ein Dorn im Auge.

«Sag mir, dass ich dich befriedige, wie er dich befriedigte. Und Küsse dich dazu bringen, über mich zu fantasieren. Mein Herz klopft an deiner Tür und du schnürst mir die Kehle ab.»

Mit solchen homoerotischen Texten wie im Lied «Ala Babu», Link öffnet in einem neuen Fenster («An seiner Tür») brechen Mashrou’ Leila Tabus. Hamed Sinno ist Sänger der libanesischen Indie-Band und offen schwul. In arabischen Ländern, wo Homosexualität noch immer diffamiert wird, ist das etwas Besonderes.

Kultband der arabischen LGBT-Szene

Mashrou’ Leila setzen sich für sexuelle Freiheit und eine Vielfalt der Geschlechter ein. Sie singen in libanesischer Mundart gegen Gewalt an Frauen, über Religion, Terror und Korruption, vom Wunsch im Libanon eine neue Gesellschaft aufzubauen. Sie sind also hoch politisch.

Hamed Sinno auf der Bühne
Legende: Gesellschaftskritische Texte, offen schwul: Hamed Sinno und seine Band Mashrou' Leila ecken in der arabischen Welt an. imago images / PA Images

Damit ecken sie an: «Wir sagen sehr deutlich, woran wir glauben, und wir entschuldigen uns nicht dafür», sagt Firas Abou Fakher, Keyboarder und Gitarrist von Mashrou’ Leila. «Das führt zu Problemen. Manche Menschen haben Angst, dass die Macht der Musik Dinge verändern könnte.» Musik habe die Kraft, Menschen zusammenzubringen – um Gutes oder Schlechtes zu tun.

Der Regierung ein Dorn im Auge

Mashrou’ Leila können nicht mit staatlicher Unterstützung rechnen, mit Geld aus Kulturfonds oder Sponsoring. Das ist Musikern vorbehalten, welche die vermeintliche nationale Identität hochhalten. Sich im Libanon einen Weg zu bahnen, einem Land, das keine Infrastruktur für unabhängige Bands hat, sei ein ständiger Kampf, erklärt Firas Abou Fakher.

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Aus dem Archiv: Mashrou' Leila – Die junge Stimme aus Beirut
Aus Politbox vom 03.06.2015.
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Ihre Konzerte werden in vielen arabischen Ländern verboten. Angriffe auf die Band haben in den letzten Jahren zugenommen, Mashrou’ Leila mussten sich selbst zensieren, erhielten Morddrohungen.

Im September 2017 wurden in Kairo mehrere Besucher verhaftet, weil sie bei einem Konzert der Band Regenbogenfahnen geschwenkt hatten. «Es fühlt sich furchtbar an, dass Leute ins Gefängnis kamen, nur weil sie dein Konzert besucht haben. Das ist beängstigend und einfach nur traurig», zeigt sich Firas Abou Fakher nachdenklich.

Weltweit ein Publikumsmagnet

Doch ganz egal wer versucht, ihnen Steine in den Weg zu legen: Die Musiker sind nicht nur in ihrer Heimat Superstars, sie sind international erfolgreich. Über 500’000 Fans haben Mashrou’ Leila auf Facebook. Wo sie auftreten, sind ihre Konzerte ausverkauft. Im Publikum singt und tanzt eine junge, multinationale Fangemeinde, die oftmals kein Arabisch versteht. Denn die Themen von Mashrou’ Leila sind universell.

Trotzdem: «Manchmal willst du, dass die Leute verstehen, was du singst», sagt Firas Abou Fakher. Darum haben sie angefangen, auch Lieder auf Englisch zu schreiben. «Cavalry», Link öffnet in einem neuen Fenster etwa ist ein Statement gegen die repressiven Systeme der Welt.

Es gehe darum, dass man sich nicht abbringen lässt, den Machthabern die Wahrheit entgegenzurufen, schreibt die Band auf Instagram. Firas Abou Fakher ergänzt: «Kunst und freie Meinungsäusserung sind immer provokativ. Aber es ist mein Recht, die Meinung anderer Menschen herauszufordern. Dieses Recht müssen wir uns bewahren.»

Zur Band

«Mashrou’ Leila» heisst so viel wie «nächtliches Projekt». Gefunden haben sich die Bandmitglieder 2008 in Beirut an der Uni: Hamed Sinno, Haig Papazian, Carl Gerges, Ibrahim Badr und Firas Abou Fakher treffen sich zu nächtlichen Jamsessions (daher der Name) und entwickeln einen ganz eigenen Stil.

Firas Abou Fakher: «Es gab wenig arabische Musik, mit der wir uns als junge Erwachsene identifizieren konnten. Wir wollten innovative arabische Musik machen. Mit Texten über Dinge, die wir erleben und erfahren, aber über die man hier nicht spricht.»

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