Macht und Musik: Der Soundtrack zum US-Wahlkampf

Kalkulierte Taktik, Verbreitung der Wahlversprechen oder totaler Fehlgriff: Die Musik spielte im US-amerikanischen Wahlkampf schon immer eine wichtige Rolle. Kurioses und Wissenswertes aus fast 230 Jahren «Campaign Music».

Campaign Music

    • 1.
      Ronald Reagan (1982) & Donald Trump (2016): «Born in the U.S.A.»

      «Born in the U.S.A» ist der wohl grösste Fehlgriff in der Geschichte der «Campaign Songs». Der Republikaner Ronald Reagan braucht ihn 1984 für seinen Wahlkampf. Dabei lässt er sich aber vom Titel täuschen. Der Song ist nicht patriotisch, wie der Refrain andeutet, sondern eine Kritik am Vietnamkrieg. Trotz des grossen Medienwirbels damals: 2016 nutzte auch Donald Trump diesen Song. Als Spitze gegen seinen Konkurrenten Ted Cruz, dem er vorwirft, dass dieser als in Kanada Geborener gar nicht Präsident werden darf. Diese Botschaft verstärkte er mit dem Song.

    • 2.
      Barack Obama (2008): «Crush on Obama»

      Jeder User kann heute auf Youtube oder andere Musikplattformen seinen ganz persönlichen «Campaign Song» über seinen Lieblingskandidaten hochladen. 2008 bekommt Barack Obama die Macht von Youtube zu spüren. Eine Anhängerin räkelt sich in einem Video mal im knappen Bikini, mal im Minirock vor der Kamera und haucht dabei: «I got a Crush on Obama» («Ich habe mich in Obama verknallt»). Der sexuell zweideutige Inhalt war ganz und gar nicht im Sinne von Obamas Kampagne, aber etwas dagegen unternehmen konnte sie nicht. Der Song ging viral und wurde bis heute fast 30 Millionen Mal angeklickt. Geschadet hat es ihm jedenfalls nicht.

    • 3.
      Bill Clinton (1992): «Don't Stop Thinking About Tomorrow»

      Die Rezession ist vorüber, und Präsidentschaftskandidat Bill Clinton will die Menschen für die Zukunft ermutigen. Doch bei der Wahl dieses Songs gibt es noch eine taktische Überlegung: Der Song wurde 1977 veröffentlicht, also 15 Jahre bevor ihn Clinton einsetzt. In den 1970er-Jahren war «Don't Stop Thinking About Tomorrow» sehr beliebt bei den jungen Menschen und 1992 waren diese «Baby Boomers» im mittleren Alter und ihre Wahlbeteiligung sehr hoch. Mit diesem Song konnte sich Clinton bei dieser Wählerschaft Gehör verschaffen.

    • 4.
      John F. Kenney (1960): «Kennedy»

      Nicht weniger als 26 mal erklingt der Name «Kennedy» in diesem zweiminütigen Song von 1960. Die leichtfüssige Melodie und der Name des Kandidaten setzen sich im Gehirn fest. Aber nicht nur das: Der Song nimmt den Kritikern den Wind aus den Segeln, die sagen, John F. Kennedy sei zu jung, um Präsident zu werden. Denn im Text heisst es: Kennedy sei reif genug für das Amt, aber auch jung genug, um etwas Neues zu versuchen.

    • 5.
      Calvin Coolidge (1924): «Keep Cool and Keep Coolidge»

      Calvin Coolidge kandidiert 1924 für das Präsidentenamt. Bekannt ist er für sein ruhiges Auftreten. Diese Charaktereigenschaft und die Anlehnung an seinen Nachnamen fliessen in den Slogan der Kampagne ein, der zugleich auch der Titel des «Campaign Song» ist: «Keep Cool and Keep Coolidge» («Ruhe bewahren und Coolidge behalten»).

    • 6.
      Franklin D. Roosevelt (1932): «Happy Days Are Here Again»

      1929 beginnt in den USA die Wirtschaftskrise, die Great Depression. Im Wahlkampf rückt die Musik in den Hintergrund, denn feiern in einer Krisenzeiten ist nicht angebracht. Eine Ausnahme aber gibt es: Der Song «Happy Days Are Here Again», den Franklin D. Roosevelt 1932 in seinem Wahlkampf nutzt. Mit diesem optimistischen Song ist Roosevelt der erste Kandidat, der einen schon bestehenden Popsong Wort für Wort und Note für Note übernimmt. Eine Strategie, die heute Gang und Gäbe ist.

    • 7.
      William H. Harrison (1840): «Tippecanoe and Tylor Too»

      Dieser Song startet 1840 die so genannte «Singing Campaign». Auf eine irische Volksmelodie kommt ein neuer Text über den Kandidaten William H. Harrison. Dank der bekannten Melodie bleiben Namen und Anliegen als Ohrwürmer in den Köpfen der Wählerschaft hängen und werden so im ganzen Land verbreitet und nachgesungen. Zudem erreicht die politische Botschaft in Liedform auch die Menschen, die nicht lesen können.

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