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Israel präsentiert überarbeiteten Song «Hurricane»
Aus Kultur-Aktualität vom 11.03.2024. Bild: Reuters
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Nach abgelehnter Liedversion Beendet «Hurricane» den Wirbel um Israels ESC-Beitrag?

Worum geht's? Über den israelischen Beitrag zum diesjährigen Eurovision Song Contest gab es in den vergangenen Wochen viele Kontroversen – ohne dass das Lied offiziell je zu hören war. Die EBU, die European Broadcasting Union, die den Musikwettbewerb ausrichtet, hatte das israelische Lied zunächst abgelehnt – mit der Begründung, es sei zu politisch. Denn laut Reglement sind politische Aussagen beim ESC nicht erlaubt. Es folgte ein Hin- und her, ehe am Freitag bekannt wurde: Israel darf mit einer überarbeiteten Version des Liedes teilnehmen. Am Sonntag wurde «Hurricane» offiziell im israelischen Fernsehen vorgestellt.

Warum wurde das Originallied erst abgelehnt? Ursprünglich hiess der israelische Songbeitrag «October Rain» – ein Titel, in dem das Massaker der Hamas vom 7. Oktober nachhallt. In der Ursprungsversion gab es zwar keine Propagandaparolen oder expliziten Verweise auf das Massaker der Hamas am 7. Oktober oder den Gaza-Krieg, trotzdem wurde im Nachhinein viel angepasst. Die Melodie ist hingegen in beiden Versionen gleich. «Hurricane» ist eine moderne, international klingende typische ESC-Pop-Ballade, performt von der 20-jährigen Sängerin Eden Golan.

Was genau wurde geändert? Es gab Änderungen in fast der Hälfte der 30 Textzeilen: Die ursprüngliche Version begann mit «Those that write history. Stand with me», also «Geschichtsschreiber, steht mir bei». Daraus wurde ein kryptisches «Lighter of my Symphony, Play with me». An anderer Stelle wurde ein «we» in ein «me» umgewandelt – es sollte scheinbar keine Zweifel geben, dass der Song eine persönliche Krise einer jungen Frau beschreibt und nicht jene eines Volkes. Geändert wurde ausserdem die Zeile «Hours and hours and flowers». Denn: «Blumen» gelten als Codewort der israelischen Armee für gefallene israelische Soldaten. Aus «flowers» wurde ein holpriges «powers».

Gab es Vorgaben für die Anpassungen? Ob die EBU die zu ändernden Textpassagen konkret aufgelistet hat, ist nicht offiziell bekannt. Wahrscheinlich ist, dass das Autorenduo Keren Peles und Avi Ohayon zusammen mit dem israelischen Rundfunk alles geändert hat, was politisch gelesen werden konnte. Sie standen unter Druck, dass der Song durchkommt. Israels Teilnahme am ESC war zu einer Staatangelegenheit geworden: In einer Zeit, in der Gegner versuchten, Israel auszuschliessen und zu boykottieren, müsse das Land seine Stimme erheben, hatte unter anderem der israelische Staatspräsident Izchak Herzog für die Teilnahme am ESC plädiert.

Wie gängig sind Textänderungen beim ESC? In der Geschichte des ESC gab es immer mal wieder Textänderungen bei politischen Songs. Dass ein Liedtext so stark umgeschrieben wird, wie der israelische in diesem Jahr, ist allerdings eher ungewöhnlich. 2005 mussten beim ukrainischen Beitrag Verse ersetzt werden, in denen der Name des damaligen Präsidentschaftskandidaten Viktor Yushenko vorkam. Andere Länder haben ihre Teilnahme abgesagt, weil sie den Text nicht ändern wollten, wie zum Beispiel Georgien im Jahr 2009.

Viele Textänderungen beim ESC 2024

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2024 ist insgesamt ein ESC-Jahr der Textänderungen. Die Gründe sind verschieden: Norwegen muss den Text ändern, weil er aus einem Volkslied stammt und nur Originaltexte antreten dürfen. Estlands Song enthält einen Markennnamen, der laut EBU-Reglement nicht erlaubt ist. Und sowohl beim deutschen, als auch beim spanischen Beitrag mussten Schimpfwörter ersetzt werden.

Diese Regelungen sind jedoch viel konkreter als der Passus, der besagt, dass «Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur» während des Contests untersagt sind.

Ist der neue Israel-Beitrag nun entpolitisiert? «Hurricane» ist höchstens auf einer formellen Ebene entpolitisiert: Neue Reime wie «Powers» statt «Flowers» – die sprachlich und inhaltlich wenig Sinn ergeben – erinnern stark an die Ursprungsversion. Diese schwingt beim Hören immer noch mit. Und: Die Kontroversen der vergangenen Wochen und der politische Kontext haben sich längst in das Lied eingeschrieben.

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Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 11.03.2024, 08:15 Uhr.;

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