Unterhaltsame Wissenschaft? Dr. Pop macht's möglich. Der promovierte Musikwissenschaftler und Kabarettist verbindet Forschung mit Comedy. Auf der Bühne, im Radio, Fernsehen und in den sozialen Medien erreicht er ein grosses Publikum. Mit «Macht Musik!» ist im April 2026 sein zweites Buch erschienen. Er verknüpft darin kuriose Anekdoten aus der Musikwelt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlichen Erinnerungen.
Musik macht uns klüger, gesünder und sozialer – so lautet die These von Dr. Pop. Um das zu zeigen, führt uns der Autor auf 336 Seiten durch ein Menschenleben: von den ersten Klängen im Mutterleib bis ins hohe Alter. Die Musikbeispiele lassen sich beim Lesen gleich nachhören. Eine eigene Playlist zum Buch ist von Dr. Pop kuratiert und bietet zugleich die Gelegenheit, den eigenen Musikgeschmack zu erweitern.
Welthit mit Panne
Darauf findet sich zum Beispiel «Roxanne» von The Police. Am Anfang sind ein schiefer Klavierton und ein Lachen zu hören. Dr. Pop weiss: Sting hat sich im Studio versehentlich auf ein Klavier gesetzt. Er nahm es offensichtlich mit Humor, das Missgeschick hat es auf die Single geschafft.
Das Buch ist gespickt mit solchen Geschichten. Billie Eilish baut einen Zahnarztbohrer und eine Fussgängerampel in ihre Songs ein. Der klassische Geiger Joshua Bell spielt unerkannt auf einer Stradivari in einer Metrostation. Jazzer Keith Jarrett nimmt auf einem kaputten Klavier das legendäre «Köln Concert» auf. Neben den unterhaltsamen Anekdoten verfolgt das Buch ein überraschend politisches Anliegen.
Dr. Pop kritisiert, dass ausgerechnet Musikunterricht an deutschen Schulen am häufigsten ausfällt – ein Skandal für ein Land, das Bach, Beethoven und Kraftwerk hervorgebracht hat. Das Buch ist ein Plädoyer dafür, Musik nicht als Nebensache abzutun: Sie verändert, wie wir fühlen, lernen und leben.
Hilft Klavierunterricht beim Einparken?
Dr. Pop verweist auf Studien, nach denen an Schulen mit intensivem Musikunterricht weniger Mobbing vorkommt. Andere Untersuchungen zeigen, dass Musik Schmerzen nach Operationen lindern und Konzertbesuche Stress abbauen können.
Erstaunlich ist eine Studie über ältere Menschen, die zum ersten Mal Klavier lernen. Sie verbessern damit nicht nur ihre musikalischen Fähigkeiten, sondern auch ihr räumliches Vorstellungsvermögen. Dr. Pop übersetzt das augenzwinkernd: Wer Klavier lernt, parkt danach auch besser rückwärts ein. Ein Instrument zu lernen, lohnt sich also in jedem Alter.
Dr. Pop geht selbst mit gutem Beispiel voran. Mit über 40 Jahren versucht er, Shakuhachi zu lernen, eine japanische Bambusflöte. Wochenlang kommt kaum mehr als Luft aus dem Instrument. Für den ersten Ton braucht es, wie er schreibt, eine «lockere, aber präzise Lippenspannung». Als es schliesslich gelingt, wird das Erfolgserlebnis mit einem Ausstoss von Glücksgefühlen belohnt.
Dieser Moment bringt das Buch auf den Punkt. «Macht Musik!» ist weniger ein klassisches Sachbuch als eine Einladung, Musik im eigenen Leben wieder mehr Platz zu geben. Mit der passenden Playlist im Hintergrund wird daraus eine unterhaltsame Sommerlektüre. Und wer das Buch zuklappt, hört den einen oder anderen Lieblingssong danach vielleicht mit etwas anderen Ohren.