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Pepe Lienhard wird 80 «Es muss swingen – man muss es körperlich spüren»

Pepe Lienhard stand mit Stars wie Quincy Jones, Sammy Davis Jr. und Frank Sinatra auf der Bühne. Fast 40 Jahre lang begleitete der Aargauer mit seiner Big Band auch Udo Jürgens auf dessen Tourneen. Jetzt wird der Big-Band-Biggie 80 Jahre alt. Das grosse Geburtstagsgespräch – über Pünktlichkeit, Perfektion und das Glück des Probens.

Pepe Lienhard

Bandleader und Saxophonist

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Pepe Lienhard, Schweizer Big-Band-Legende aus dem Aargau, stellte bereits in der Schulzeit die Band «The College Stompers» auf die Beine. Nach Abbruch eines Jurastudiums gründete Lienhard 1969 ein Profi-Sextett. Seit 1980 gibt es seine Big Band, das «Pepe Lienhard Orchester». Lienhard spielte unter anderem mit Sammy Davis jr., Frank Sinatra und begleitete 37 Jahre lang Udo Jürgens auf Tournee.

SRF: Sie sehen nicht aus wie 80. Ist es der Jazz oder der Swing, der Sie jung hält?

Pepe Lienhard: Die Musik an sich. Sie war immer der rote Faden in meinem Leben. Ich freue mich nach wie vor auf jedes Konzert und besonders auf die Zusammenarbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern.

Dieser Austausch wirkt wie ein Jungbrunnen. Aber ich mache mir nichts vor: Jung bin ich nicht mehr. Ich bin 80 – und gut erhalten.

Eine Bigband zu führen gilt heute fast als Anachronismus. Was ist daran die grösste Herausforderung?

Darüber habe ich mir nie viele Gedanken gemacht – es war einfach mein Traum. Schon als Student hatte ich eine Amateur-Big-Band. Heute ist es fast ein Glücksfall, mit so einer Formation unterwegs zu sein.

Wenn man die Musik nur korrekt herunterspielt, ist es keine Big-Band-Musik.

Vielleicht sind wir auch eine Gegenbewegung zu gewissen Entwicklungen in der Musik. Bei uns stehen viele Musiker gemeinsam auf der Bühne und machen echte Musik. Diese Faszination spürt das Publikum noch immer.

Stichwort Sehnsucht nach dem Echten?

Wir bekommen oft Rückmeldungen in diese Richtung. Ich sage immer: Wir spielen mit Händen und Füssen, so wie früher. Aber wir müssen uns nicht verbiegen oder Trends hinterherlaufen. Wir machen einfach das, was wir lieben.

Wenn man Sie Ihre Big Band dirigieren sieht, wirkt das alles sehr lässig. Worauf kommt es wirklich an?

Duke Ellington hat gesagt: «Don’t think it – swing it.» Genau darum geht es: Es muss swingen – man muss es körperlich spüren. Wenn man die Musik nur korrekt herunterspielt, ist es keine Big-Band-Musik.

Quincy Jones spielt in Ihrer Geschichte eine besondere Rolle.

Er war mein grosses Idol. Mit 15 habe ich ihn erstmals live erlebt, mit einer unglaublichen Band. Das war ein Schlüsselmoment: Da wusste ich, das will ich einmal machen.

Sie standen 37 Jahre lang mit Udo Jürgens auf der Bühne. Wie hat er Sie geprägt?

Am Anfang konnten wir vor Respekt kaum atmen. Udo hatte einen enormen Respekt vor dem Publikum und eine unglaubliche Disziplin. In 37 Jahren kam er kein einziges Mal zu spät zum Soundcheck.

Zwei Männer auf der Bühne – der eine singt, der andere spielt Saxophon.
Legende: Brüder im Geiste: Pepe Lienhard (rechts) im Februar 1997 – hier während eines Konzertes in Zürich – an der Seite von Udo Jürgens, den er 37 Jahre lang auf der Bühne begleitete. Keystone / STR

Seine Haltung war klar: Wer ein Ticket kauft, verdient das Beste. Diese Einstellung hat die ganze Band geprägt.

Disziplin und Pünktlichkeit gelten als typisch schweizerische Tugenden. Welche Rolle spielen sie im internationalen Musikgeschäft?

Pünktlichkeit und Verlässlichkeit gehören einfach dazu. Das Publikum darf erwarten, dass alles funktioniert – und dass man vorbereitet ist.

Sie waren kürzlich mit einem Konzert auf Tour, bei dem Udo Jürgens auf einer Leinwand zu sehen ist. Wie merkwürdig war es, mit einem verstorbenen Freund zu spielen?

Es hatte etwas Unwirkliches. Aber sobald wir gespielt haben, ging es nur noch um die Musik.

Bald geht’s wieder auf Tournee. Was ist für Sie der aufregendste Moment dabei?

Ganz klar die Proben. Zuhause stellt man sich vieles vor: Wer spielt welches Solo, wie entwickeln sich die Arrangements, wie klingen die Stimmen zusammen?

Wenn die Band dann zum ersten Mal losspielt, ist das ein besonderer Moment. Sobald wir aber vor dem Publikum stehen, habe ich Vertrauen. Dann weiss ich: Die Musik trägt.

Das Gespräch führte Barbara B. Peter.

(Dieses Interview ist ein Auszug aus der Sendung «Kulturplatz Talk». Fragen und Antworten wurden gekürzt und redigiert.)

Radio SRF 2 Kultur, Kulturplatz Talk, 23.03.2026, 09:03 Uhr. ; 

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