Wenn Sofiane Pamart die Bühne betritt, wirkt er zunächst teilnahmslos und distanziert. Er trägt eine Sonnenbrille, macht keine Ansagen und lächelt kaum. In seiner extravaganten Kleidung setzt er sich ans Klavier und beginnt zu spielen.
Was musikalisch folgt, ist jedoch erstaunlich zugänglich. Pamart verbindet klassische Elemente mit kurzen, pop-inspirierten Kompositionen. Mit den eingängigen Stücken weicht allmählich auch seine ernste, fast unterkühlte Miene.
Alles durchdacht
Der Gegensatz zwischen seinem kühlen Auftreten und der eingängigen Musik entfaltet seine Wirkung – das Publikum scheint wie gebannt, nimmt jeden Ton und jede kleine Regung auf.
Seine Musik folgt oft einem wiederkehrenden Muster: Viele Stücke stehen in Moll und transportieren Melancholie, Verlorenheit und Weltschmerz. Als Gegenpol setzt Pamart gerne eine einprägsame, sich wiederholende Melodie, die nach Hoffnung und Aufbruch klingt. Diese Kombination trifft viele Menschen direkt ins Herz.
Meisterliches Handwerk
Dass der heute 35‑jährige Sofiane Pamart sein Handwerk beherrscht, steht ausser Frage. Sechzehn Jahre lang erhielt er Klavier- und Musikunterricht am nationalen Konservatorium seiner Heimatstadt Lille. Parallel dazu studierte er Musikwissenschaften, später auch Recht, Wirtschaft und Management – mit Schwerpunkt auf Audiovisuellem und Livemusik.
Gut möglich also, dass hinter seiner erfolgreichen Karriere weit mehr steckt als Talent allein – vielleicht sogar ein durchdachter Masterplan.
Erfolgsrezept: Musikalische Wohlfühlzone
Geopolitische Unruhen, mediale Dauerbeschallung und zunehmende gesellschaftliche Isolation belasten viele. Die Musik von Sofiane Pamart – und die Neoklassik generell – wirkt dagegen wie Balsam: eine beruhigende Klangwelt, in der Nostalgie und Emotionen Platz haben. Nichts irritiert, alles ist vorhersehbar und lädt zum Abschalten ein.
Sofiane Pamart gehört derzeit zu den erfolgreichsten Klassikkünstlern überhaupt. Auf Spotify erzielt er monatlich fast 2.5 Millionen Streams. Er füllt weltweit grosse Konzerthallen, und für das Frühjahr 2027 ist sogar ein Auftritt im riesigen Stade de France in Paris geplant.
Sein Publikum ist aussergewöhnlich vielfältig – darunter viele junge Menschen, die man sonst kaum in traditionellen Konzertsälen der Hochkultur antrifft.
Musik, die polarisiert
Ob man Sofiane Pamarts Musik mag, hängt stark von der eigenen Hörgewohnheit ab. Wer aktiv zuhört, Überraschungen sucht oder musikalische Herausforderungen erwartet, könnte seine Stücke als zu seicht empfinden.
Doch alle, die sich treiben lassen möchten und nach einem Soundtrack für den Alltag suchen, der zur eigenen Gefühlslage passt, werden bei ihm fündig. Vielleicht öffnet seine Musik manchen sogar die Tür zur klassischen Musik – die ja bekanntlich noch viel mehr zu bieten hat.