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Vorwürfe der sexuellen Belästigung am Opernhaus Zürich
Aus Kulturplatz vom 07.04.2021.
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Vorwürfe sexueller Belästigung Das Opernhaus nimmt Stellung zum «Fall Fichtenholz»

Betroffen sind, so beteiligte Personen, junge Sänger, die dem Ex-Direktor Michael Fichtenholz direkt unterstellt waren.

Ende Januar wurde publik, dass Operndirektor Michael Fichtenholz das Opernhaus Zürich überraschend vor Vertragsende verlässt. SRF-Recherchen zeigen nun, dass dahinter Vorwürfe der sexuellen Belästigung stehen. Betroffen sind, so beteiligte Personen, junge Sänger, die Fichtenholz direkt unterstellt waren.

«Er tätschelte ihren Po und sagte anzügliche Dinge»

Für H.C. (Name der Redaktion bekannt) war die Anstellung am Opernhaus Zürich ein Glücksfall. Das änderte sich abrupt, so H.C., als der direkte Vorgesetzte Michael Fichtenholz seine Macht gegenüber jungen Berufs-Kollegen auszunützen begonnen habe.

«An Partys setzte er sich sehr nahe zu den jungen Männern, manchmal auf ihre Knie. Er sagte anzügliche, sexuell motivierte Dinge zu ihnen. Er betatschte meine jungen Kollegen unangemessen, tätschelte ihnen den Po, als er sich unbeobachtet fühlte.» Auch anzügliche Text-Nachrichten seien von Fichtenholz an Untergebene verschickt worden.

Die Grenzen zwischen Beruf und Privatem sei zunehmend verwischt worden. Wer seine Partys besuchte, sei von Fichtenholz beruflich gefördert worden. Wer ihn zurückgewiesen hätte, wurde dagegen weniger gefördert.

Stillschweigen vereinbart

H.C. attestiert dem Opernhaus grundsätzlich ein korrektes Vorgehen im Fall. Nachdem die Vorfälle von den Betroffenen gemeldet worden waren, sei eine Untersuchung durch eine externe Fachstelle eingeleitet worden. Fichtenholz kündigte daraufhin und für das Opernhaus schien der Fall erledigt.

«Wir wurden informiert, dass Fichtenholz das Haus verlässt. In der Mitteilung stand jedoch kein Wort über die Umstände des Abgangs. Wir sind doch durch dieses Verfahren gegangen, um weitere Kolleginnen und Kollegen vor ihm zu schützen.»

Der kaufmännische Direktor Christian Berner nimmt Stellung: «Für eine fristlose Entlassung gab es keine Gründe. Es stand nur eine ordentliche Kündigung im Raum. Wir hatten uns gut überlegt, ob wir eine Freistellung vornehmen sollten, haben uns dann jedoch dagegen entschieden.»

Verwaltungsrätin Jacqueline Fehr prüft «Fair Practice»-Richtlinien

Ähnlich äussert sich Opernhaus-Verwaltungsrätin und Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr gegenüber SRF: «Der Name der Person ist in der Szene beschädigt, man weiss davon.» Den Wunsch der Opfer nach Stillschweigen habe man respektieren müssen.

Fehr prüft nun, ob in Zürich – nach niederländischem Vorbild – eine Art «Fair Practice Code», Link öffnet in einem neuen Fenster zur Anwendung kommen soll. In den Niederlanden ist die Verpflichtung zu fairen Arbeitsbedingungen ein Kriterium für das Anrecht auf Fördergelder geworden. Das Opernhaus Zürich erhält vom Kanton jährlich rund 80 Millionen Franken Subventionen.

Für H.C. hinterlässt das Geschehene tiefe Spuren. Das Glück, in Zürich arbeiten zu dürfen, hat sich ins Gegenteil verkehrt: «Es fühlt sich unfair an und es isoliert einen.»

Auf mehrere Anfragen zur Stellungnahme hat Operndirektor Michael Fichtenholz nicht reagiert.

Radio SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 31.3.2021, 17:30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Theater und Oper sind körperlich, sinnlich. Macht, Leidenschaft, Sex sind dominante Themen. Die Hemmschwelle für Körperkontakt ist niedrig, Kontrollmechanismen gegen Missbrauch gibt es kaum. Grenzüberschreitungen geschehen von oben wie von unten. Man wirft sich Kollegen, Untergebenen und Vorgesetzten an den Körper - aus der Energie einer geprobten Szene, aus einer Laune, aus der Lösung der Spannung nach einer Premiere oder Aufführung - oder um etwas zu erreichen.
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    1. Antwort von Ringo Noki  (Rinok)
      ... und das ist keineswegs nur in Zürich so, und Domingo ist keineswegs ein Einzelfall!
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Zitat: "Kontrollmechanismen gegen Missbrauch gibt es kaum."

      Dann sollte man sie schleunigst einführen. (!)

      Eigentlich peinlich, dass solche Machtmissbräuche ausgerechnet in der "Künstlerszene" geschahen (sozusagen doch der Hochburg des Gutdenkens...)

      Interessant wäre der Aufschrei im Blätterwald jedoch, wenn der Skandal nicht in einem (mehrheitlich) klassisch linken Milieu geschehen wäre, sondern in irgendeiner Muotathaler Kleinbauernvereinigung. Oder gar bei der SVP.
    3. Antwort von Captain Obvious  (Captain Obvious)
      Passiert so etwas in EY, schreit die Presselandschaft monatelang auf. Aber im Opernhaus gehören diese Grenzüberschreitungen anscheinend dazu. Ev. braucht es noch ein bisschen mehr als die CHF 80 Mio jährlich. Man könnte die wilde Zürcher Oper z. B. in einem teuren Sondersetting mit vielen Gesprächen mit allen Beteiligten zähmen. Dies wäre endlich mal eine sinnvolle Verwendung von Steuergeldern!
    4. Antwort von Ringo Noki  (Rinok)
      Naja, Maria Müller, das Opernhaus Zürich als "klassisch linkes Milieu" zu bezeichnen, ist eine sehr interessante Sicht.
      Auf der Bühne werden Machtmissbrauch, Skandal, Verführung, Niedertracht und auch Gutdenken physisch und möglichst glaubhaft dargestellt. Dabei kommt man sich sehr nahe. Nicht allen gelingt es immer gleich gut, von einem Moment auf den anderen auf die Sitten des 21. Jahrhunderts umstellen können während der Kaffeepause. Keine Entschuldigung - einfach Theaterrealität.
    5. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @R. Noki: Ich habe von der sog. "Künstlerszene" gesprochen (unter denen ja die Missbräuche vorkamen.)
      Und natürlich ist die klassischerweise (mehrheitlich) links gerichtet.
      Was soll dieses "Versteckerlis"...

      Wie gesagt: Falls dort keine Kontrollmechanismen (in Bezug auf Macht-Missbrauch) vorhanden sind, sollte man schleunigst welche einführen. Finden Sie nicht auch?

      Wie der Vorredner schrieb: Dafür wird da zuviel Geld hineingesteckt.
  • Kommentar von Petra Bachmann  (Petra Bachmann)
    Ich habe in den Achtzigerjahren längere Zeit als Posaunistin im Opernhaus gearbeitet. Damals wurde nicht nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, dass die Sängerinnen des Opernhauschores diverse Betten durch“laufen“ mussten, wenn sie den Job behalten wollten. Ich selbst war nach diversen Annäherungsversuchen dann eines Tages plötzlich ungenügend und entlassen....
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  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Theater lebt von Körperlichkeit. Oper ist sinnlich, und oft geht es um die Darstellung von Themen wie Macht, Leidenschaft und Erotik. Carmen, Rigoletto, Figaro... Die Schwelle zu Körperkontakt ist niedrig, nicht nur von oben nach unten, sondern auch umgekehrt, und es gibt kaum Kontrollmechanismen. Man wirft sich schnell mal Vorgesetzten an den Hals, bei einer Premiere, aus der Energie einer geprobten Szene, oder um etwas zu erreichen.
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    1. Antwort von Marina Zingg  (openyourmind)
      Was wollen Sie mit ihrem Beitrag sagen ?
      Körperlichkeit und Körperkontakt, energetisch aufgeladene Szenen mach Premieren, rechtfertigen Übergriffe, Körperkontakt eindeutige Angebote ?