«Wenn ich selber weinen muss, funktioniert die Musik»

Niki Reiser komponiert seit Jahrzehnten für Filme von Dani Levy oder Caroline Link. Für seine Gänsehaut-Musik hat er bereits zahlreiche Preise erhalten. Im Gespräch erzählt der Musiker über seinen Antrieb, das Leben mit Musik einzufärben.

Das Gesicht eines Menschen mit geschlossenen Augen, leichtem Lächeln und Kopfhörern. Die Aufnahme ist im Gegenlicht gemacht, sodass rosafarbene Strahlen auf dem Gesicht erscheinen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Musik berührt uns im Innersten. Getty Images

Filmkomponist Niki Reiser beherrscht die Klaviatur der Emotionen. Mit Regisseur Dani Levy pflegt er die «Basler Connection» und Freundschaft. Für Levy hat Niki Reiser sämtliche Filmmusik geschrieben, so etwa bei «Alles auf Zucker» oder «Mein Führer».

Auch die deutsche Erfolgsregisseurin Caroline Link schwört seit Langem auf seine Klänge. Mit dem Soundtrack für «Jenseits der Stille», Reisers ersten Arbeit für Link, gewann er 1997 einen seiner bisher fünf Deutschen Filmpreise. «Mein Anliegen ist es, gute Musik zu schreiben, die mich berührt. Dann hat sie eine Chance, auch im Film zu berühren. Das heisst aber auch: Wenn ich die Stimmung nicht finde, dann verzweifle ich», sagt Reiser.

Wie kommt man zum «Chill»?

Niki Reiser ist mit Beatles und Klassik aufgewachsen. Er studierte an der renommierten Berkley School Of Music in Boston Jazz und Klassik mit Schwerpunkt Filmmusik, in Workshops lernte er die Filmmusikgrössen Ennio Morricone und Jerry Goldsmith kennen.

Niki Reisers Lieblingsszene in «Nirgendwo in Afrika» (D 2001)

0:45 min, vom 22.12.2014

Reiser sieht seine Aufgabe darin, zu spüren, welche Emotionen ein Regisseur zusätzlich in seinem Film haben möchte. «Die Musik ist nur noch dafür da, die angelegte Knospe zum Aufblühen zu bringen», sagt er. Und doch: Beim Film sorgt häufig die Musik und nicht das Bild für den sogenannten Chill, den Gänsehaut-Effekt. Ob er diese Wirkung erzielt, testet Niki Reiser jeweils an sich selbst: «Wenn ich beim Mischen selber weinen muss, dann bin ich sicher, dass die Musik bei den Zuschauern auch funktionieren wird.»

Dem Leben einen Ton geben

Unzählige Studien wurden schon gemacht zur Wirkung von Musik auf das menschliche Gehirn. Nur drei bis fünf Prozent der Menschheit sollen laut Forschern gegen diesen Stimulus immun sein. Niki Reiser: «Das sind universelle Emotionen und Gefühle. Es geht für einen Musiker darum, Saiten anzuschlagen, die in allen Menschen drin sind.»

Das gilt für Klassik, Jazz, Metal oder Filmmusik gleichermassen. Niki Reiser meint: «Der Grund, Musik zu machen, ist das Leben zu färben, ihm einen Ton zu geben. Überall sind Lebensgefühle drin, die durch Musik verstärkt werden.»

Das Standardrezept dafür kenne er nicht, sagt Niki Reiser. Jedes Mal versucht er aus der naiven Perspektive des kleinen Jungen an einen neuen Auftrag heranzugehen. Trotz seiner 30 Jahre Erfahrung gibt es eben keine Emotion geschenkt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Universaler Chill-Effekt – Musik berührt uns im Innersten

    Aus Kulturplatz vom 17.12.2014

    Musik ist eine universelle Sprache der Gefühle. Nicht umsonst spricht man vom «Gänsehaut-Effekt», den wir beim Hören von Musik erfahren. Sie kann uns überwältigen und tief wie keine andere Kunst berühren – über alle Kulturen hinweg. Nur wenige Menschen zeigen sich immun gegen die Reize der Musik, die auch unser Filmerlebnis prägt. «Kulturplatz» trifft den Basler Filmkomponisten Niki Reiser. Einen, der weiss, wie ein Soundtrack klingen muss, damit ein Film sein Publikum erreicht.

    Richard Herold