Für seinen skurrilen Humor ist Helge Schneider schon seit Jahrzehnten bekannt. 1994 erobert er während eines TV-Auftritts bei «Wetten, dass..?» mit seinem bizarren Stück «Katzenklo» ein Millionenpublikum. Es folgen mehrere Spielfilme in Eigenregie und zahllose Liveauftritte. Helge Schneider entwickelt sich schnell zur Kultfigur, die manchmal auch polarisiert – aber sein riesiges Talent kann ihm niemand absprechen.
Die Liebe zum Jazz
Die Improvisation ist zentral in Helge Schneiders Schaffen, was stark damit zusammenhängt, dass er sich – nebst als Komiker – vor allem als Jazzmusiker sieht.
Schon als Kind hörte er Louis Armstrong im Radio, später verliebte er sich in die Musik des Pianisten Thelonious Monk – ausgelöst durch ein Plattencover, das ihn tief beeindruckte: Monk mit Kalaschnikow und Handgranaten am Klavier. Helge Schneider verstand auf Anhieb die Ironie dahinter.
Scheitern gehört dazu
Improvisieren heisst auch, dass mal etwas in die Hose geht. Für Helge Schneider liegt gerade darin die Kraft von Jazz und Komik. Wie beim Clown, der stolpert und damit berührt, entsteht auch in der Musik Tiefe, wenn etwas nicht ganz funktioniert.
Das Unvollständige, das Spontane – das ist das eigentlich Lebendige und für ihn besonders wichtig. Denn er sei auch privat ein spontaner Mensch und könne das auf der Bühne schön ausleben.
Spontanität folgt auf Ernsthaftigkeit
Helge Schneider während eines Auftritts und Helge Schneider während der Vorbereitungen – das ist wie Tag und Nacht. Der Vollblutmusiker und Multiinstrumentalist baut vor dem Konzert alle seine Instrumente selbst auf, gibt Anweisungen, denkt mit, bringt sich ein.
Denn Ernsthaftigkeit und Präsenz sind für ihn die Basis dafür, dass er während eines Liveauftritts seiner Spontanität freien Lauf lassen kann.
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Bild 1 von 5. Legendär: Mit Sonnenbrille, Schnauzer und Katzenklo im Gepäck: So brachte der junge Helge Schneider 1994 bei «Wetten, dass..?» Millionen zum Lachen. (1.3.1994). Bildquelle: IMAGO / teutopress.
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Bild 2 von 5. Mit Trompete, Tuba und Tohuwabohu: In seinem Bühnenprogramm «Akopalüze Nau» inszenierte Helge Schneider 2008 die Apokalypse als musikalisches Kabarett – inklusive singender Flasche und philosophischem Nonsens. (13.10.2008). Bildquelle: IMAGO / STAR-MEDIA.
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Bild 3 von 5. Zwei Kauze, ein Konzert: Helge Schneider und Udo Lindenberg verbindet eine langjährige kreative Freundschaft. Hier bei einem gemeinsamen Konzert am in der Esprit Arena in Düsseldorf. (7.6.2014). Bildquelle: IMAGO / Future Image.
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Bild 4 von 5. Verschmitzt lächelnd und elegant am Klavier: Beim Stadtpark Open Air 2017 präsentiert Helge Schneider sein Programm «Lass knacken, Helge!» – eine Mischung aus Jazz, Improvisation und absurdem Humor. (18.8.2017). Bildquelle: IMAGO / Future Image.
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Bild 5 von 5. Stolz vor den Plakaten seiner eigenen Doku: Helge Schneider präsentierte kürzlich im Odeon-Kino Köln «The Klimperclown» – ein filmisches Selbstporträt, inszeniert als Mischung aus Dokumentation und Mockumentary. (16.08.2025) . Bildquelle: IMAGO / Panama Pictures.
Es sind nicht nur das Scheitern, die Gags und die offensichtlichen Pointen, worüber die Menschen bei Helge Schneider lachen. Die Essenz seines Humors liegt für ihn viel tiefer – und hier kommt wieder der Jazz ins Spiel: Bei ihm sei das Timing unheimlich wichtig und das, was seine Musik mit dem Humor und dem Quatsch verbindet. Und dieses Timing könne sich täglich ändern.
Zwischen Tiefe und Quatsch
Viele sehen Helge Schneider als Spassmacher. Die Frage, ob er sich auch manchmal in diese Rolle gedrängt fühlt, verneint er klar. Im Gegenteil: Er habe sein Publikum über die Jahre dazu erzogen, nichts zu erwarten.
Mal könne er tiefgründige Musik spielen, mal flachen Quatsch machen – für ihn passe das zusammen, denn so sei auch das Leben. Und was er auf der Bühne mache, sei das Leben – ausgeführt als Jazz Show.
An seinem 70. Geburtstag wird Helge Schneider einen Auftritt in Hamburg haben. Das passt für ihn – dann bringen alle eine Torte mit. Noch besser sei es aber, wenn er an seinem Geburtstag allein sei. Wenn er nicht auftrete, sei er meistens zu Hause und lade keine Leute ein. Wer komme, der komme eben. Und wer seinen Geburtstag vergesse, dem sei er auch nicht böse. Wir vergessen es nicht: alles Gute, Helge Schneider!