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Zum 70er einer Kultfigur Helge Schneider vermählt Jazz und Humor

Viele kennen ihn für seinen Klamauk: den deutschen Unterhaltungskünstler Helge Schneider. Doch hinter der Figur schlummert ein ernsthafter Mensch mit einer grossen Leidenschaft für den Jazz. Jetzt wird Helge Schneider 70.

Für seinen skurrilen Humor ist Helge Schneider schon seit Jahrzehnten bekannt. 1994 erobert er während eines TV-Auftritts bei «Wetten, dass..?» mit seinem bizarren Stück «Katzenklo» ein Millionenpublikum. Es folgen mehrere Spielfilme in Eigenregie und zahllose Liveauftritte. Helge Schneider entwickelt sich schnell zur Kultfigur, die manchmal auch polarisiert – aber sein riesiges Talent kann ihm niemand absprechen.

Die Liebe zum Jazz

Die Improvisation ist zentral in Helge Schneiders Schaffen, was stark damit zusammenhängt, dass er sich – nebst als Komiker – vor allem als Jazzmusiker sieht.

Schon als Kind hörte er Louis Armstrong im Radio, später verliebte er sich in die Musik des Pianisten Thelonious Monk – ausgelöst durch ein Plattencover, das ihn tief beeindruckte: Monk mit Kalaschnikow und Handgranaten am Klavier. Helge Schneider verstand auf Anhieb die Ironie dahinter.

Scheitern gehört dazu

Improvisieren heisst auch, dass mal etwas in die Hose geht. Für Helge Schneider liegt gerade darin die Kraft von Jazz und Komik. Wie beim Clown, der stolpert und damit berührt, entsteht auch in der Musik Tiefe, wenn etwas nicht ganz funktioniert.

Lächelnder älterer Mann mit Brille im Anzug, unscharfer Hintergrund.
Legende: Mit 70 noch immer ein Meister der Improvisation: Helge Schneider kombiniert in seinem Schaffen Klamauk mit Ernsthaftigkeit. KEYSTONE/DPA/Rolf Vennenbernd

Das Unvollständige, das Spontane – das ist das eigentlich Lebendige und für ihn besonders wichtig. Denn er sei auch privat ein spontaner Mensch und könne das auf der Bühne schön ausleben.

Spontanität folgt auf Ernsthaftigkeit

Helge Schneider während eines Auftritts und Helge Schneider während der Vorbereitungen – das ist wie Tag und Nacht. Der Vollblutmusiker und Multiinstrumentalist baut vor dem Konzert alle seine Instrumente selbst auf, gibt Anweisungen, denkt mit, bringt sich ein.

Denn Ernsthaftigkeit und Präsenz sind für ihn die Basis dafür, dass er während eines Liveauftritts seiner Spontanität freien Lauf lassen kann.

Es sind nicht nur das Scheitern, die Gags und die offensichtlichen Pointen, worüber die Menschen bei Helge Schneider lachen. Die Essenz seines Humors liegt für ihn viel tiefer – und hier kommt wieder der Jazz ins Spiel: Bei ihm sei das Timing unheimlich wichtig und das, was seine Musik mit dem Humor und dem Quatsch verbindet. Und dieses Timing könne sich täglich ändern.

Zwischen Tiefe und Quatsch

Viele sehen Helge Schneider als Spassmacher. Die Frage, ob er sich auch manchmal in diese Rolle gedrängt fühlt, verneint er klar. Im Gegenteil: Er habe sein Publikum über die Jahre dazu erzogen, nichts zu erwarten.

Mal könne er tiefgründige Musik spielen, mal flachen Quatsch machen – für ihn passe das zusammen, denn so sei auch das Leben. Und was er auf der Bühne mache, sei das Leben – ausgeführt als Jazz Show. 

An seinem 70. Geburtstag wird Helge Schneider einen Auftritt in Hamburg haben. Das passt für ihn – dann bringen alle eine Torte mit. Noch besser sei es aber, wenn er an seinem Geburtstag allein sei. Wenn er nicht auftrete, sei er meistens zu Hause und lade keine Leute ein. Wer komme, der komme eben. Und wer seinen Geburtstag vergesse, dem sei er auch nicht böse. Wir vergessen es nicht: alles Gute, Helge Schneider!

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 28.8.2025, 17:10 Uhr

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