Kaum ein anderes Musikgenre ist in den vergangenen zehn Jahren derart schnell gewachsen wie Afrobeats. Das Genre, das seine Ursprünge in Nigeria und Ghana hat, gilt als ein globales Phänomen.
Exemplarisches Ereignis für diesen Aufstieg im westlichen Musikmarkt: 2024 erweiterten die Grammys ihren Katalog an Preisen mit der Kategorie «Best African Music Performance». Umgangssprachlich werden die Grammys auch als «Music’s Biggest Night» bezeichnet, ein entsprechend grosses Spotlight in der Musikbranche.
Streaming als Tor zur Welt
Während die Kategorie «Best African Music Performance» zwar theoretisch Popmusik ganz Afrikas umfasst, sticht Westafrika und damit Afrobeats hervor: Über zwei Drittel aller Nominierten in dieser Kategorie stammen aus Nigeria und verorten sich stilistisch im Genre.
Die Verbreitung und Etablierung dieser Musik geht auch auf das Musikstreaming zurück. Denn Streaming kann ein Tor zur Welt sein. Und, für wenige, zu einer internationalen Karriere: In Westafrika sehen Musikerinnen und Musiker dieses Potenzial positiv. Das zeigt eine Studie des Oxford Internet Institute (OII).
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Bild 1 von 7. Der Nigerianer Burna Boy war neben Pop-Superstar Shakira Teil der Eröffnungszeremonie der Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko-Stadt. Bildquelle: Imago/ZUMA Press Wire.
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Bild 2 von 7. Tags darauf hat Afrobeat-Überflieger und nigerianischer Landsmann Rema beim USA-Spiel gegen Paraguay in Los Angeles performt. Bildquelle: Imago/NurPhoto.
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Bild 3 von 7. Seit Einführung der Kategorie «Best African Music Performance» im Jahr 2024 hat die südafrikanische Sängerin Tyla sie schon zweimal gewonnen. Ihren Stil beschreibt sie allerdings nicht als Afrobeat, sondern als «Amapiano» – ein südafrikanisches Genre, das elektronische House-Elemente mit jazzigen Klavierklängen und tiefen Bässen kombiniert. Bildquelle: Imago/ZUMA Press Wire.
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Bild 4 von 7. Wizkid zählt zu den Veteranen des Genre und wir immer wieder als Inspirationsquelle genannt. Bildquelle: Imago/Bestimage.
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Bild 5 von 7. Ayra Starr hat rund 25 Millionen monatliche Hörerinnen und Hörer auf Spotify. Bildquelle: Imago/Gonzales Photo.
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Bild 6 von 7. Der aus Lagos stammende Fela Kuti (1938–1997) gilt als Begründer des Afrobeats … . Bildquelle: Imago/BRIGANI-ART.
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Bild 7 von 7. … ebenso wie der nigerianische Schlagzeuger und Songschreiber Tony Allen (1940–2020): Er arbeitete zusammen mit Fela Kuti in dessen Band Africa – Allen als musikalischer Direktor und Schlagzeuger und Kuti als Bandleader und Sänger. Bildquelle: KEYSTONE/EPA/ENNIO LEANZA.
Das OII befragte Musikerinnen und Musiker aus fünf verschiedenen Ländern zu ihrer Haltung gegenüber dem Musikstreaming. Während in der westlichen Welt Musikerinnen und Musiker Streaming laut Studie zunehmend kritisch sehen, geben 83 Prozent der befragten nigerianischen Musiker und Musikerinnen an, ihre Karriere habe durch Streaming profitiert. Das ist doppelt so viel wie der globale Durchschnitt.
Die Studie konzentriert sich auf Nigeria. Aber auch Ghana steht in enger Verbindung zum Musikgenre Afrobeats. Und auch dort hinterlassen das Aufkommen von Streaming-Plattformen und der Aufstieg des Genres Spuren.
Der grosse Traum
Diese Entwicklungen beobachtet auch der Schweizer Beda Ehrensperger. Er ist im Jahr 2019 nach Ghana ausgewandert. In der Hauptstadt Accra arbeitet er als Musiker und Kulturvermittler.
«Viele Musikerinnen und Musiker in Ghana streben nach Erfolg und träumen von einer grossen, internationalen Karriere», erzählt er. In der ghanaischen Musikszene seien besonders Solo-Sängerinnen und -Sänger verbreitet, die sich selbst mit Afrobeats oder Hip-Hop vermarkten.
Doch wie überall auf der Welt: Im Musikbusiness stehen Hoffnung und Ernüchterung nahe beieinander. Wenn es um die internationale Karriere geht, bleibt der grosse Erfolg oft aus. Und damit auch der grosse Verdienst.
Hype und Hoffnungen
Daher verfolgen in westlichen Ländern viele Musikerinnen und Musiker ihre Musikkarriere nebenberuflich. Sie arbeiten Teilzeit oder in der Freizeit an ihrer Musik, während ein anderer Job, oft auch einer, der mit Musik gar nichts zu tun hat, die nötigen Einnahmen generiert.
Aus wirtschaftlichen Gründen sei das in Ghana aber anders. «Viele verfolgen ihre Musikkarriere hauptberuflich», sagt Ehrensperger. Denn in Ghana seien die Möglichkeiten begrenzter, nebenberuflich zu arbeiten. «Es kann gut sein, dass eine Musikerin oder ein Musiker mal an einem Tag ohne Znacht ins Bett muss», sagt Ehrensperger.
Westafrikanische Musikerinnen und Musiker sind stolz darauf, dass ihre Musik durch die Popularität von Afrobeats mehr globale Sichtbarkeit bekommt. Für viele schürt dieser Hype aber auch grosse Hoffnungen. Hoffnungen, wie es sie weltweit gibt, die aber in Westafrika auf deutlich härtere wirtschaftliche Realitäten prallen.