Die CIA tötet Osama bin Laden ein zweites Mal – auf Twitter

Die CIA feiert das fünfjährige «Jubiläum» der Tötung Osama bin Ladens. Dazu spielt sie auf Twitter den Einsatz der US-Spezialeinheit von 2011 nach – minutengenau, als ob er gerade eben geschehen wäre. Das Protokoll einer misslungenen PR-Aktion.

US-Präsident Barack Obama, Hillary Clinton, Joe Biden und Mitglieder des Sicherheitstabs verfolgen im Weissen Haus die Operation gegen Osama bin Laden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Barack Obama, Hillary Clinton und Joe Biden verfolgen im Weissen Haus die Operation gegen Osama bin Laden. Keystone

Vor fünf Jahren starb Osama bin Laden: Eine US-Spezialeinheit tötete den Chef des Terrornetzwerks Al Kaida bei einer Militäroperation in Abbottabad, Pakistan. Die US-Regierung feierte die Operation als grossen Erfolg.

Auch der amerikanische Auslandgeheimdienst CIA, der an der Vorbereitung des Einsatzes massgeblich beteiligt war, bezeichnet die Tötung Bin Ladens in einem aktuellen Rückblick auf die Ereignisse vom 2. Mai 2011 als «wichtigen Sieg».

CIA erntet heftige Kritik

In Erinnerung an die Operation twitterte die CIA gestern ein minutengenaues Protokoll des Einsatzes – als wäre er gerade geschehen. Eine Art Reenactment auf Twitter mit dem Hashtag #UBLRaid. («UBL» steht für die Schreibweise Usama bin Ladin, «Raid» für den Überraschungsangriff.)

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Neben ein paar hundert Retweets und «Gefällt mir»-Angaben erntet die CIA für ihre Twitter-Aktion vor allem harsche Kritik.

«Schlechter Geschmack»: Das ist einer der harmloseren Vorwürfe. Andere drücken sich deutlich weniger gewählt aus – und viele antworten mit Hohn und Spott.

Auch die Satiriker von der «Daily Show» meldeten sich zu Wort: Wenn die CIA live über die Invasion in der Schweinebucht twittere, solle man sie anrufen. Ansonsten bitte aufhören.

Dazu kommen zahlreiche Stimmen, welche den Tathergang, wie ihn die amerikanische Regierung darstellt, grundsätzlich infrage stellen. Sie wollen Beweise sehen.

Dank Twitter Geschichte erleben

Historische Ereignisse via Twitter wieder aufleben zu lassen, das ist keine Erfindung der CIA. So hat etwa 2012 der Mitteldeutsche Rundfunk MDR auf Twitter die Berliner Mauer noch einmal fallen lassen. Und im vergangenen Jahr twitterten Historiker unter dem Titel «Heute vor 70 Jahren» über die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs – in Echtzeit.

Diese Art der Vermittlung historischer Ereignisse kann durchaus sinnvoll sein. Alte Geschichte in neuen Medien für junge Nutzer: Mit Twitter kann ein Publikum erreicht werden, welches ein Buch über den Zweiten Weltkrieg womöglich nicht zur Hand nimmt. Und es lässt sich die «Zeitlichkeit und die Intensität der Ereignisse vermitteln», wie einer der an «Heute vor 70 Jahren» beteiligten Historiker gegenüber SRF erklärte.

Geschmacklose Werbung in eigener Sache

Was die CIA mit #UBLRaid auf Twitter tut, ist jedoch etwas anderes. Sie erinnert nicht bloss an ein wichtiges Ereignis, sie zelebriert die Tötung eines Menschen. Weder eine historische noch eine wissenschaftliche Distanz zum Ereignis sind vorhanden. Die CIA ist Partei und ihre Darstellung des Tathergangs lässt sich nicht überprüfen, weil entsprechende Belege nie vorgelegt wurden. Deshalb bleibt auch die Legitimität der Tötung Osama bin Ladens umstritten.

Neue Erkenntnisse liefert die Twitter-Aktion der CIA ebenfalls nicht. So bleibt sie nicht mehr als geschmacklose Werbung in eigener Sache.

Sendung: Radio SRF 4 News, SRF 4 News aktuell, 2.5.2016, 06.20 Uhr