Warum Präsident Erdogan an der Internet-Häme selbst schuld ist

Unser Netzthema des Tages: Eigentlich will der türkische Präsident Erdogan Satire über und Kritik an seiner Person verhindern, löschen und am liebsten abschaffen. Nur schafft er damit genau das Gegenteil. Das ganze Internet macht sich seit Wochen über ihn lustig. Schuld daran ist Barbra Streisand.

Ein Bild, das einen wütenden Erdogan zeigt, der sagt: Ich möchte, dass dieses Meme verhaftet wird. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erdogan erreicht durch seine Zensurversuche vor allem, dass sich noch mehr Menschen über ihn lustig machen. SRF

Worum geht's?

Die NDR-Satiresendung extra 3 macht sich über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan lustig, Jan Böhmermann setzt noch einen drauf, Erdogan wehrt sich – und das Internet ist voll von Satire, Häme, Spott über #Erdowahn. Auf Twitter kursieren so viele Hashtags, man kann seine Tweets gar nicht mit allen taggen. Sie lauten #ErdoganZeigUnsAn, #freeboehmi oder #erdogancartoon.

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Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

Und wenn sie nicht ordentlich Häme verteilen, wehren sich die User gegen die Zensurversuche Erdogans. Böhmermanns vom ZDF zensierte Schmähkritik ist dutzendfach auf Youtube zu finden. Immer wieder findet der Spott auch ihren Weg ins analoge Leben, wie zuletzt auf einer Schweizer S-Bahn.

Warum ist's interessant?

Erdogan versucht, Spott über ihn zu verhindern und schafft damit genau das Gegenteil: Immer mehr Menschen machen sich über ihn lustig. Dieses Phänomen ist im Internet so ausgeprägt, dass es einen Namen hat: den Streisand-Effekt. Ja genau, Barbra Streisand.

Die Hollywoodschauspielerin verklagte im Jahr 2003 einen Fotografen, weil der ein Foto von ihrem Strandhaus im Internet veröffentlicht hatte. Streisand fühlte sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und verlangte neben 50 Millionen Dollar Schadenersatz auch die Löschung des Fotos. Nur: Der Fotograf hatte insgesamt 12.000 Fotos von der kalifornischen Küste geschossen und veröffentlicht, um deren Erosion zu dokumentieren.

Und hier setzte der nach Streisand benannte Effekt ein: Erst durch ihre Klage wurde überhaupt bekannt, dass auf einem Foto Streisands Haus zu sehen war. Als Protest gegen die versuchte Zensur wurde das besagte Foto daraufhin viral verbreitet. Streisands Klage war auch nicht von Erfolg gekrönt, das Foto von ihrem Haus findet man mittlerweile auf Wikipedia.