Extremer Lebensraum Die Überlebenstricks der Tiefsee-Bewohner

Kaum Licht, wenig Nahrung und enormer Wasserdruck: Die Tiefsee ist äusserst lebensfeindlich. Trotzdem schaffen es einige Tierarten, hier unten Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen – dank einiger Anpassungen.

Riesige Glupschaugen

Heller Fisch mit riesigen Augen vor schwarzem Hintergrund Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dank grosser Teleskop-Augen findet der Hochgucker (Winteria telesocpa) seine Beute auch in der Dunkelheit. Imago

Unter der Tiefsee versteht man jenen Bereich der Ozeane, in den wenig bis gar kein Licht vordringt. Ab etwa 200 Metern unter der Wasseroberfläche ist es fast stockdunkel. Um das schwache Restlicht nutzen zu können, besitzen viele Tiefsee-Arten grosse, lichtempfindliche Augen.

Selber Licht produzieren

Dunkler Fisch mit grossem Maul und langen Zähnen, mit einem leuchtenden Ende an einem Fortsatz Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Symbiotische Bakterien bringen den Köder an der «Angelrute» dieses Teufelsanglers (Linophryne sp.) zum Leuchten. Imago

Manche Tiefsee-Bewohner produzieren mit speziellen Leuchtorganen selber Licht. Das Phänomen heisst «Biolumineszenz» und dient verschiedenen Zwecken. Anglerfische nutzen es zum Beispiel zum jagen: Mit einem leuchtenden Köder locken sie Beutetiere direkt vor ihr Maul.

Nahrung: «Meeresschnee» und Wal-Kadaver

Wirbelsäule und Rippen eines Wals, darauf gelbe Bakterienmatten, Krabben und andere Wirbellose Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Überreste eines Grauwals ernähren eine Gemeinschaft von Bakterien, Muscheln, Krabben und anderen Wirbellosen. Craig Smith, University of Hawaii

Kein Sonnenlicht bedeutet auch keine Photosynthese und somit keine Pflanzen. Was fressen dann die Bewohner der ewigen Dunkelheit? Ihre Nahrungsgrundlage sind Abfälle und Überreste aus den oberen Gewässerschichten. Als «Meeresschnee» rieseln ständig kleine Partikel aus totem Pflanzen- und Tiermaterial in die Tiefe. Hin und wieder sinkt auch ein grosser Brocken ab: Ein toter Wal am Meeresboden ernährt verschiedene Aasfresser über Monate.

Gallerte statt Knochen und Muskeln

Drei aufgedunsene, rosa-graue Fischkörper Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Blobfische sind nur an der Oberfläche so aufgedunsen. In der Tiefe behalten ihre Körper dank dem Wasserdruck die Form. Alaska Fisheries Science Center

Neben Lichtmangel ist auch der hohe Wasserdruck eine Herausforderung für die Lebewesen der Tiefsee. Bereits zehn Meter unter Wasser ist der Druck doppelt so hoch wie an der Oberfläche. Damit die Organismen in mehreren hundert Metern Tiefe nicht zerquetscht werden, bestehen ihre Körper aus einer Gel-artigen Masse und nur wenig Knochen und Muskeln. Holt man diese Tiere aus ihrer Hochdruck-Umgebung, zerfliessen sie förmlich.

Unzertrennliche Liebe

Oranger Fisch mit einem kleinen, länglichen Männchen am Bauch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Was wie ein Fortsatz am Bauch des weiblichen Tiefsee-Anglers baumelt, ist ein mit der Partnerin verwachsenes Männchen. Getty Images

Die Tiefsee umfasst über 70 Prozent des weltweiten Ozean-Volumens – ein riesiger Lebensraum. In der unendlichen Weite einen Partner zu finden, ist nicht einfach. Bei den Tiefsee-Anglerfischen setzte sich deshalb eine spezielle Fortpflanzungsstrategie durch: Hat ein Männchen einmal ein Weibchen gefunden, beisst es sich an ihm fest. Mit der Zeit verwachsen die Partner miteinander und sind dann, wortwörtlich, unzertrennlich.

Sendung: SRF 1, Einstein, 12.1.17, 21:00 Uhr

Sendung zu diesem Artikel

  • Video «Geheimnisse der Tiefsee» abspielen
    SRF 1 12.01.2017 21:00

    Einstein
    Geheimnisse der Tiefsee

    12.01.2017 21:00

    «Einstein» taucht zusammen mit Wissenschaftlern ab in die dunklen Keller der Ozeane. Der Weg führt vom australischen Great Barrier Reef mit seiner bunten Korallenwelt bis in die Tiefseeschluchten vor Indonesien und Papua-Neuguinea.