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Nomaden im All
Aus Wissenschaftsmagazin vom 09.05.2020.
abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
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Einsame Exoplaneten Planeten ohne Licht – aber nicht unbedingt ohne Leben

Im Kosmos gibt es Planeten, die ihre Sonne verlassen haben. Sie schweben frei durchs All. Neue Studien zeigen: Auch ohne Licht könnte dort Leben entstehen.

Mehr als 4000 sogenannter Exoplaneten haben Forscher mittlerweile nachgewiesen. Diese Planeten befinden sich ausserhalb unseres Sonnensystems und umkreisen in der Regel andere Sterne als die Sonne.

Doch weniger als ein Prozent der Exoplaneten gehen ihren eigenen Weg. Sie umkreisen überhaupt keinen Stern, sondern ziehen als «Singles» ziellos ihre Bahnen durch das Weltall.

Seltene Singles

«Es handelt sich hier um völlig freischwebende Himmelskörper», erklärt William Best von der University of Texas in Austin. «Deswegen nennen wir sie auch Nomaden-Planeten. Sie sind völlig allein im All unterwegs.»

Der US-Astronom hat sich mit dem Keck-Observatorium auf Hawaii solche «Nomaden des Weltalls» näher angesehen. In den vergangenen Jahren ist Forschern weltweit nur etwa ein Dutzend Mal der Nachweis eines solchen frei fliegenden Planeten gelungen.

Aber diese Treffer lassen sich hochrechnen. So schätzen Wissenschaftler, dass es allein in unserer Galaxie mehrere Milliarden «Nomaden» gibt.

Kosmische Karambolage

Sie sind wahrscheinlich als Teil einer «Herde» entstanden, so wie die übrigen Planeten auch. «Nach ihrer Entstehung sind womöglich einige Planeten miteinander kollidiert, so wie Kugeln beim Billard», glaubt Manasvi Lingam vom Florida Institute of Technology. «Dabei wurden sie aus dem Planetensystem herausgeschleudert, in dem sie ursprünglich entstanden sind.»

Diese verstossenen Planeten sind zwar völlig dunkle Welten, ohne das Licht und ohne die Wärme eines nahen Sterns. Aber: Auf ihnen könnte dennoch Leben möglich sein. Das hat der Astrobiologe Manasvi anhand von Computermodellen errechnet.

Wärme aus dem Innern

Eine Grundlage für die Entstehung von Leben ist flüssiges Wasser. Wenn Licht und Wärme fehlen, müsste eine andere Energiequelle dafür sorgen, dass die Temperaturen hoch genug bleiben, um flüssiges Wasser zu ermöglichen. «Und diese Alternative gibt es: Radioaktivität», glaubt Manasvi Lingam.

Radioaktive Isotope von Elementen wie Thorium oder Uran gibt es auch auf der Erde. Sie kommen im Erdmantel und in der Erdkruste vor. Zerfallen sie, wird Radioaktivität und Wärme freigesetzt. Die Erde bekommt so einen ständigen Wärmeschub aus ihrem Innern – wenngleich das weniger als einem Tausendstel der Wärme entspricht, die sie durch die Sonne erhält.

Auf anderen Planeten könnten tausendmal mehr solcher radioaktiven Elemente vorkommen. Das würde womöglich reichen, diese Planeten zu erwärmen und auf ihnen Wasser flüssig zu halten.

Radioaktivität zum Frühstück

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es bei diesem Szenario: Eine solche Welt wäre – aus menschlicher Sicht – radioaktiv verseucht.

Aber auch auf der Erde gibt es Mikroben, die radioaktive Strahlung aushalten, die tausendmal stärker ist als auf der Erdoberfläche. Sie halten sie nicht nur aus – sie nutzen sie sogar als Energielieferanten.

In einer Mine in Südafrika, einen Kilometer unter der Erdoberfläche, haben Forscher Bakterien entdeckt, deren Stoffwechsel nur mithilfe radioaktiver Strahlung möglich ist – ohne Licht, ohne Sonne.

Derartige Mikroben könnten auch auf den dunklen, aber stark radioaktiven Nomaden-Planeten existieren – und dem Leben im All ein Biotop ganz anderer Art ermöglichen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Wissenschaftsmagazin, 9.5.2020, 12.40 Uhr

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