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Epigenetik – Sind wir Gene oder Umwelt?
Aus Einstein vom 23.05.2019.
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Epigenetik-Forschung Wenn die Umwelt die Gene steuert

Erst die Nahrung macht eine Biene zur Königin. Dasselbe Phänomen steuert auch die Vererbung bei uns Menschen.

Sie lebt 36 Mal so lang wie eine Arbeiterin und hat bis zu 50'000 Nachfahren, während sämtliche Arbeiterinnen ihr kurzes Leben lang kinderlos bleiben: Die Bienenkönigin scheint kaum etwas mit ihren Arbeiterinnen gemein zu haben.

Dabei sind Königin und Arbeiterin in den ersten Tagen ihres Lebens noch absolut identisch. Nichts unterscheidet eine Königinnen- von einer Arbeiterinnenlarve.

Das gleiche Prinzip wie beim Menschen

Was dann allerdings geschieht, hat auch viel mit der menschlichen Vererbung zu tun: Die Bienenkönigin zeigt exemplarisch, wie Umwelteinflüsse die Gene steuern – bei Tieren, Pflanzen und uns Menschen. Das relativ neue Forschungsfeld, das sich damit befasst, ist die Epigenetik.

Im Fall der Bienen werden die Königinnenlarven im Gegensatz zu den Arbeiterinnenlarven ausschliesslich mit Gelée royale gefüttert – einem Futterbrei, den die Arbeiterinnen bereitstellen. Dieser löst einen epigenetischen Prozess aus.

Eine Bienenkönigin, umringt von Arbeiterinnen.
Legende: Eine Frage des Essens: Eine Bienenkönigin mit Chip, umringt von Arbeiterinnen. Keystone / Klaus Dietmar Gabbet

Bei den Arbeiterinnen werden gewisse Gen-Abschnitte über sogenannte epigenetische Marker ausgeschaltet. Bei der Königin bleiben diese dank der Fütterung mit dem Gelée royale aktiv. Sie entwickelt sich daher völlig anders.

Wenn Hungersnöte Übergewicht auslösen

Auch bei uns Menschen kann die Umwelt die Gene steuern. Wie gross der Effekt ist, ist in der Fachwelt noch umstritten. Erste Forschungsergebnisse geben aber etwa Hinweise darauf, dass Menschen, die Hungersnöte überstanden haben, die Folgen davon epigenetisch weitervererben.

So waren die Kinder und Kindeskinder von holländischen Müttern, die im zweiten Weltkrieg eine Hungersnot erlebt haben, oft krank und übergewichtig.

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Aus dem Archiv: Vererbtes Trauma
Aus Puls vom 15.02.2016.
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Dass sich das Aussehen von eineiigen Zwillinge im Verlaufe ihres Lebens oft immer stärker unterschiedet, erklären die Epigenetik-Forscher ebenfalls mit dem Einfluss der Umwelt auf die Gene.

Stress und Gifte prägen noch Generationen

Tierversuche zeigen, dass auch Stresserfahrungen in Form von Depressionen an nachfolgende Generationen weitervererbt werden können.

Kontakt mit Pestiziden hatte bei Mäusen epigenetisch vererbte Spermiendefekte zur Folge: Über mehrere Generationen – und auch wenn die Nachfahren keinen Kontakt mit Pestiziden hatten.

Noch viele offene Fragen

Welche Macht die Epigenetik hat, ist Gegenstand vieler Studien. Klar ist, dass ein grosser Teil der epigenetischen Marker, die Abschnitte von Genen ausschalten können, bei der Befruchtung gelöscht werden.

Doch es gibt immer mehr Hinweise, dass über den Genen eine Ebene sitzt, die diese steuert – und dass diese Steuerung stark abhängig ist von unserer Umwelt. Davon, was wir essen, was unsere Eltern gegessen haben, wie und in welcher Umgebung sie gelebt haben.

Das scheint für Bienenköniginnen ebenso zu gelten wie für uns Menschen.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Wenn man sich einmal mit der Zahl der Zellen auseinander setzt dann wird es einem schwindelig. Ein Ausgewachsener Mensch besteht aus 100 Billionen Zellen und pro Sekunde, jede Sekunde also, sterben 50 Millionen Zellen ab und werden wieder erneuert. Pro Tag werden 50 - 70 Milliarden Zellen ersetzt. Wenn jetzt Umwelteinflüsse wie Nahrung, Gedanken und Gefühle verschiedene Gene und Zellen beeinflussen dann ist das ein unglaubliche Menge. Die Entwicklung ist dann wirklich nicht in Stein gemeisselt.
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  • Kommentar von Walter Freiburghaus  (sophisticated)
    Ein absolut spannendes Thema, jedoch ist die Liste der steuernden Faktoren hier sehr unvollständig. Der grösste und wichtigste Einfluss-Faktor besteht darin, wie wir die Welt wahrnehmen, wahrnehmen können. Ob vorwiegend negativ-ängstlich oder positiv-optimistisch. Das nur als ein Beispiel. Kann Ihnen sehr die Bücher von Bruce Lipton empfehlen, zB. "Intelligente Zellen", usw.
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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Bei der Biene kann sich eine Entwicklung auch erst im adulten Stadium zur legefähigen "Königin" entwickeln. Das geschieht wenn ein Volk Tage bis Wochen keine legefähige Königin mehr hat und auch keine jüngste Brut um eine Neue nachzuziehen. Dann werden einige Arbeiterinnen mit Gele Royal gefüttert und deren verkümmerten Eierstöcke beginnen zu wachsen. Sog. Drohnenmütterchen können nur Drohnen legen, da sie nicht begatten wurden. Trotz Notprogramm wird das Volk früher oder später eingehen.
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