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Erfindung des Donut-Lochs Wie der Heisshunger der Amerikaner die Donuts löcherte

Nicht nur Homer Simpson liebt Donuts heiss. Das Geheimnis? Viel Fett, viel Zucker – und ein Loch in der Mitte. Seine Ringform erhielt das Gebäck am 9. Juli 1872: dank der Erfindung des Donut-Lochstanzers.

Ein Paar farbige Doughnuts auf einer Holzplatte
Legende: Bunt und süss: Donuts gibt es heute in fast jeder erdenklichen Geschmacksrichtung. Colourbox

Die Holländer kamen schon im 17. Jahrhundert auf die Idee, einen Teigklumpen in heissem Schweinefett auszubacken. Oliekoek oder Oliebollen, also Ölkuchen oder Ölkugeln, war der eher unappetitliche Name dieser kleinen Kalorienbomben aus Hefeteig. Holländische Siedler brachten sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Kolonie New Amsterdam, ins heutige New York.

Mit Nüssen zum perfekten Biss

Offenbar war der Appetit der Bewohner der neuen Welt schon damals legendär – die Krapfen wurden dort immer grösser. Dadurch ergab sich ein Problem: Während das Äussere der Teigkugel beim Frittieren perfekt goldbraun ausgebacken wurde, befand sich in ihrem Kern noch immer ein zäher Klumpen kaum erwärmten Teigs.

Also wurden in der Mitte Nüsse platziert. Das Resultat: Der Teig rundherum liess sich perfekt frittieren. Der Name Doughnuts, also Teignüsse, war geboren.

Eine Frau steckt ihren Kopf durch einen überdimensionalen, künstlichen Donut
Legende: Das Loch in der Mitte des Doughnuts ist Pflicht. Ohne kann der Teig nicht richtig frittiert werden. The New York Public Library Digital Collection

Simples Gerät, grosse Wirkung

Durch die Nüsse wurde das ohnehin nicht gerade diättaugliche Gebäck noch reichhaltiger. Doch dann kam dem Matrosen Hanson Crockett Gregory 1842 auf einer Seereise die Idee, mit einem Pfefferstreuer aus Blech ein Loch in die Teigballen zu stanzen. Für den Hausgebrauch mochte damit eine Lösung gefunden sein, für die industrielle Fertigung taugte die Methode kaum.

Das änderte sich am 9. Juli 1872, als der Ingenieur und Tüftler John F. Blondel aus dem Bundesstaat Maine ein Patent für einen Doughnut-Lochstanzer anmeldete und damit den Weg für eine Milliardenindustrie ebnete.

Das simple Gerät bestand aus einem Rohr, durch dessen Mitte ein Kolben lief, der ein kreisrundes Loch in den Teigballen bohrte. Da das ausgestanzte Teigstück durch eine Sprungfeder hinter dem Kolben ausgestossen wurde, war das Instrument sofort für den nächsten Einsatz bereit.

Eine Skizze eines Instruments, dass zum Stanzen von Löchern in Doughnuts dient
Legende: Am 9. Juli 1872 reichte John F. Blodel sein Patent für den «Doughnut Cutter» ein. United States Patent and Trademark Office , Link öffnet in einem neuen Fenster

Kultobjekt und «Comfort Food»

Der Rest ist, zumindest was die USA betrifft, Geschichte. Donuts, meist ohne «u-g-h» geschrieben, entwickelten sich zum Kultobjekt und zum ultimativen «Comfort Food». Im Ersten Weltkrieg wurden sie von der Heilsarmee in den Schützengräben an US-Soldaten verteilt.

Im Zweiten Weltkrieg übernahmen Mitarbeiterinnen des Roten Kreuzes die Verteilung, «Doughnut Dollies» wurden sie genannt. Seit 1938 erinnert die Heilsarmee daran: Mit einer Sammelaktion am ersten Freitag im Juni, dem «National Doughnut Day».

Donuts mit Schokoladenglasur auf einem weissen Untergrund
Legende: Heute wie früher beliebt: Donuts mit Schokoladenglasur. The New York Public Library Digital Collection

Kampf der Donut-Giganten

Zwischen den Weltkriegen betrieb der russische Einwanderer Adolph Levitt vor seiner New Yorker Bäckerei hinter einer Glasscheibe eine Maschine, die fast 1000 Donuts pro Stunde produzierte. Die noch warmen Donuts fanden dank dieser einzigartigen Form der Kundenbindung reissenden Absatz. Levitt verkaufte das Patent und wurde ein reicher Mann.

Ab den 1950er-Jahren begannen die beiden Giganten «Dunkin' Donuts» und «Krispy Kreme» ihren Kampf um die globale Donut-Vorherrschaft – welcher Fraktion man angehört, ist in den USA bis heute eine viel diskutierte Glaubensfrage.

Vier Frauen halten Teller mit Doughnuts in den Händen
Legende: Charmant serviert: Schon 1940 gehörten Doughnuts zum festen Angebot vieler amerikanischer Lokale. The New York Public Library Digital Collection

Schon fast legendär ist das Klischee, dass US-Polizisten auf Streife hauptsächlich von Donuts und Kaffee leben. Ebenso legendär ist Homer Simpsons Heisshunger auf die ur-amerikanische Süssigkeit.