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Erste europäische Mission Wieso der Merkur so schlecht erforscht ist

Heute fliegt eine europäische Mission BepiColombo zum Merkur, dem kleinen Unbekannten unseres Sonnensystems.

Legende: Audio Start BepiColombo zum Planeten Merkur abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
02:08 min, aus HeuteMorgen vom 20.10.2018.

Merkur ist flott unterwegs – genauso wie der geflügelte Götterbote, nach dem er seit der Antike benannt ist. 88 Tage kurz ist das Merkur-Jahr. Nur so lange braucht der kleine Planet, um die Sonne zu umrunden.

Dafür sind seine Tage lang: Fast 60 Erden-Tage braucht Merkur, um sich um seine eigene Achse zu drehen.

Derweil flitzt er mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich rund 170'000 Kilometern pro Stunde um die Sonne.

Seine Bahn ist elliptisch und wegen seiner Nähe zur Sonne durch deren Gravitationskraft beeinflusst instabil: Jede Runde zieht er leicht verschoben ein bisschen anders und zeichnet dabei über die Zeit eine blumige Rosettenbahn in den Raum.

Europäische Mission fliegt zum Merkur

Die BepiColombo-Sonde
Legende:Die Erde ist nur ihr Heimatplanet: BepiColombo hat eine lange Reise vor sich.Reuters

Die europäische Mission BepiColombo soll der Erforschung des Merkurs neuen Schub verleihen. Heute ist sie gestartet.

In sieben Jahren wird sie die ersten Nachrichten vom Merkur zur Erde schicken. So lange dauert die Reise dorthin.

Das schwierige an der Reise ist nicht die Distanz zum Merkur, sondern die Anziehungskraft der Sonne. Um nicht geradewegs in die Sonne zu rasen, muss die Sonde sich dem sonnennächsten Planeten daher auf Umwegen annähern und zahlreiche entschleunigende Kurven fliegen.

BepiColombos Ritt zum Merkur ist somit nichts anderes als ein sieben Jahre währendes Bremsmanöver.

Neben der Sonne fast nicht zu sehen

Es ist jedoch nicht seine Geschwindigkeit, die den Merkur der menschlichen Neugier entzieht. Es ist die nahe Sonne. Die überstrahlt ihren nächsten Nachbarn nämlich schnöd und blendet ihn schlicht aus.

So dass er jeweils nur kurz vor oder nach Sonnenuntergang tief am Horizont zu sehen ist. Auch für Teleskope ist er nur schwer zu erhaschen.

In Zeiten fliegender, von Menschenhand gemachter Objekte sollte das doch kein Problem mehr sein, könnte man meinen. Hinfliegen und nachschauen ist aber nicht so einfach.

Denn die Nähe zur Sonne macht den Planeten heiss und technisches Gerät schlapp. Bis zu 450 Grad Celsius wird's auf Merkurs sonnenzugewandter Seite. Während auf dessen Rückseite frische 150 Grad minus herrschen.

Bisher waren erst zwei Sonden da

Daher haben sich bis heute erst zwei Sonden an Merkur versucht und sich ihm in gebührendem Sicherheitsabstand genähert:

  • Die Nasa-Sonde Mariner 10 rauschte Mitte der 70er Jahre dreimal an Merkur vorbei. Sie fotografierte im Vorbeiflug die halbe Oberfläche und schickte Bilder eines stark verkraterten Planeten von dunkler mondähnlicher Gestalt zur Erde.
  • Die Nasa-Sonde Messenger umkreiste Merkur 30 Jahre später und übermittelte Bilder der restlichen Oberfläche und tiefere Einblicke ins Innere Merkurs.

Gering an Grösse, reich an Geheimnissen

Doch was man von Merkur heute weiss, ist immer noch wenig – und das meiste des Wenigen ist schwer erklärbar: Merkur hat einen erstaunlich grossen Kern, eine unerwartete Dichte, ein überraschend starkes Magnetfeld, ein flüssiges Inneres aus Magma, das nach Theorie eigentlich längst erkaltet sein sollte.

Der Merkur im Vergleich zur Erde.
Legende: Kleiner Wilder: Der Merkur im Vergleich zur Erde. IMAGO/ Science Photo Library

Die Oberfläche ist von andauernden Meteoriten-Bombardements aus der Frühzeit durchlöchert. Die Atmosphäre ist dünn und deren chemische Zusammensetzung nahezu unerforscht. Merkur mag gering an Grösse sein, an Geheimnissen aber ist er äusserst reich.

Erklärungen zum Werdegang unseres Sonnensystems

Er ist eine felsige Welt der Extreme und für die Planetenforscher ein vielsprechendes Archiv voller ungehobener Schätze. In den Datenbergen über ihn wollen sie kosmische Archäologie betreiben und von Merkurs Charakter auf Ursprung und Entwicklung des Sonnensystems schliessen. Denn seine Eigenarten können weit über sein eigenes Schicksal hinausweisen.

Er ist das fehlende Puzzleteil in der Erklärung des über 4 Milliarden Jahre dauernden Werdegangs unseres Sonnensystems sowie der anderen drei mit ihm verwandten Gesteinsplaneten: Venus, Erde und Mars.

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