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Legende: Audio Wenn Steine sprechen könnten – Experten streiten übers älteste Leben abspielen. Laufzeit 28:21 Minuten.
Aus Wissenschaftsmagazin vom 24.08.2019.
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Erstes Leben auf der Erde Der Zündstoff, der in Steinen steckt

3.7 Milliarden oder doch «nur» 3.4 Milliarden Jahre: Wie alt sind die ersten Spuren, die wir vom Leben auf der Erde kennen? Diese Frage sorgt unter Forschern und Forscherinnen zuverlässig für Streit. Zuletzt sorgten Gesteinsmuster aus Grönland für hitzige Debatten.

Nun legt eine belgische Forscherin einen zwar knochentrockenen, dafür aber hilfreichen Kriterien-Katalog vor: Sie versucht darin, die heiss umstrittene Frage Stein für Stein systematisch zu klären. Dazu SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel im Gespräch.

Katrin Zöfel

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsjournalistin bei SRF. Sie ist Biologin und spürt gerne den Fragen nach, die der wissenschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft stellt.

SRF: Wie alt könnte das früheste Leben auf der Erde theoretisch sein?

Katrin Zöfel: Die Erde ist um die 4.5 Milliarden Jahre alt. Schon 200 Millionen Jahre später waren die Bedinungen auf der Erde so, dass Leben möglich war.

Gibt es Spuren von Leben, die so alt sind?

Nein, und die wird man wohl auch nie finden. Damit sie überdauern, müssen sie im Gestein konserviert werden. Und das älteste Gestein, das man bisher kennt, ist 4 Milliarden Jahre alt. Dass man noch älteres Gestein finden wird und da drin dann vielleicht Spuren von Leben, ist sehr unwahrscheinlich.

Woran erkennt man denn Spuren von Leben?

Da sind wir schon mitten drin in der Diskussion, die Geologen so hitzig führen. Es geht im Grunde um Muster im Gestein. Wenn man so ein Muster findet, muss man entscheiden: War das nun Leben oder wars keines?

Zunächst muss man wissen, wo das Gestein entstanden ist. In Vulkangestein braucht man eher nicht nach Leben zu suchen.

Eine belgische Forscherin hat jetzt ganz dröge und systematisch zusammengetragen, worauf man achten muss, damit man nicht naiv auf irgendwelche Gesteinsmuster reinfällt, die bloss zufällig entstanden sind – und eben nicht durch lebendige Organismen.

Und?

Zunächst muss man wissen, wo das Gestein entstanden ist. In einer Meeresbucht zum Beispiel wäre Leben grundsätzlich möglich gewesen. In Vulkangestein braucht man eher nicht nach Leben zu suchen.

Dann stellt sich die Frage, ob der Stein später durch Druck oder Hitze verändert wurde. Wenn es solche «überformten Gesteine» sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Muster vielleicht bloss nach Leben aussehen.

Klingt einleuchtend.

Trotzdem steckt da ordentlich Zündstoff drin. Jüngstes Beispiel sind Muster im Gestein aus Grönland. Spannend sind diese Muster, weil dieses Gestein 3.7 Milliarden Jahre alt ist und damit 200 Millionen Jahre älter als das, was bis dahin als älteste Lebenspur auf der Erde gegolten hat.

Nun fuhr die australische Forscherin, die bis dahin den Rekord gehalten hatte, nach Grönland, und nahm an genau der gleichen Stelle Gesteinsproben. Ihr Befund: Das war kein Leben, das waren Geologie und Geochemie.

Sagt ausgerechnet die Forscherin, die bis dahin den Rekord gehalten hatte?

Ja. Der Rekord stammt bisher aus Australien, dort gibt es die «lebenden Steine von Pilbara». Die stammen von Bakterien – das ist ziemlich eindeutig.

Auf dem Mars werden die Erkenntnisse der Erdlebensforscher dringend gebraucht.

Wer hat Recht?

Die Argumente sprechen für Australien als Rekordhalter. Denn die Australierin hat in Grönland typische Anzeichen von Verformungen gefunden, die eher dafür sprechen, dass hier die Geologie die Schöpferin war.

Wie geht das weiter?

Wahrscheinlich gibt es noch viele neue Studien, die sagen: Wir haben das älteste Leben gefunden. Was aber vor der Tür steht, ist die Mission der NASA und der ESA zum Mars. Da werden die Erkenntnisse der Erdlebensforscher dringend gebraucht.

Warum?

Es wird unter anderem festgelegt, wo man auf Mars nach Gesteinsproben suchen soll. Damit man einen geeigneten Ort auswählt, ist es gut zu wissen, wo solche Spuren am ehesten zu finden wären.

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Das Gespräch führte Daniel Theis.

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