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Insa Thiele-Eich über Frauen in der Raumfahrt
Aus Kultur-Aktualität vom 21.05.2021.
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Frauen in der Raumfahrt Orbit an Erde! Wo bleiben die Frauen?

Bisher waren kaum Frauen im Weltall. Die künftige Astronautin Insa Thiele-Eich erklärt, was das für die Wissenschaft bedeutet.

Forscherinnen sind in der Raumfahrt massiv unterrepräsentiert: Von den bisher rund 560 Menschen im All waren gerade mal 65 Frauen. Dabei könnten Frauen für die Wissenschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Denn auch hier gibt es den sogenannten Gender Data Gap.

Das bedeutet, dass Studien – zum Beispiel in der Medizin – am Durchschnittsmann durchgeführt werden. Die resultierenden Daten werden dann auch für Frauen angewendet – mit teils fatalen Folgen, wenn wir an die Dosierung von Medikamenten denken.

So fehlt es auch an Daten über Frauen, die im Weltall waren: «In Europa liegen gerade mal zwei Datensätze von Frauen vor», sagt Insa Thiele-Eich. Die Klimaforscherin und dreifache Mutter könnte die erste deutsche Frau im Weltall sein. Ihr Training absolviert sie bei der privaten Initiative «Die Astronautin».

Nur Männer-Augen nehmen im All Schaden

Dass sich der weibliche vom männlichen Körper massgeblich unterscheidet, erklärt Insa Thiele-Eich anhand eines Beispiels: Ein Drittel aller Astronauten verliert nach längerer Zeit in der Schwerelosigkeit signifikant an Sehkraft. In den meisten Fällen erholen sich die Augen später wieder, teils auf 100 Prozent.

«Bei Frauen hat man das Problem bisher nicht beobachten können», sagt Insa Thiele-Eich. Es wäre wichtig herauszufinden, woran das liegt, ergänzt die Wissenschafterin. «Wenn ich jemanden ein Jahr zur Raumstation ISS schicke, ist es nicht so tragisch, wenn diese Person irgendwann nicht mehr so gut sieht. Aber wenn ich jemanden zwei Jahre zum Mars schicke, ist das problematisch.»

Insa Thiele-Eichs Weg in den Weltraum

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Legende: IMAGO / Sven Simon

Insa Thiele-Eich (Jahrgang 1983) wurde aus 400 Bewerberinnen für «Die Astronautin» ausgesucht – eine private Initiative aus Bremen, die Frauen ins Weltall bringen möchte. Sie agiert unabhängig von der Europäischen Raumfahrtbehörde und bildet ihre angehenden Astronautinnen eigenständig aus. Die Klimaforscherin Thiele-Eich trainiert bereits seit einigen Jahren und könnte die erste deutsche Frau im Orbit sein. Sie ist die Tochter des Astronauten Gerhard Thiele.

Forschen in der Schwerelosigkeit

Sollte Insa Thiele-Eich ins All reisen, dann für einen rund zweiwöchigen Forschungsaufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS. Dort würden humanphysiologische Experimente durchgeführt, erklärt die angehende Astronautin. «Wir würden zum Beispiel Proben von diversen Körperflüssigkeiten nehmen.»

Die Kosten für Ausbildung und Flug werden auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Zu viel Geld für den Aufwand, sagen Kritiker. Eine deutsche Frau im All wäre aber ein starkes Signal für die Gleichberechtigung.

Legende: Die privat finanzierte Aktion «Die Astronautin» will Frauen ins All bringen. Dafür ausgewählt wurde neben Insa Thiele-Eich (links) die Pilotin Nicola Baumann. IMAGO / Sven Simon

Symbolkraft der Astronautinnen

«Astronauten und Astronautinnen haben diese Symbolkraft», sagt Insa Thiele-Eich. Viele junge Menschen lassen sich durch diesen Traumberuf für wissenschaftliche und technische Berufe begeistern.

Darum findet sie es schade, dass bisher elf deutsche Männer im All waren, aber noch keine deutsche Frau. In Europa besteht ganz allgemein grosser Nachholbedarf, was die Präsenz von Frauen in der Raumfahrt angeht.

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Aus dem Archiv: ESA sucht Astronaut:innen
Aus 10 vor 10 vom 16.02.2021.
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Als die Europäische Raumfahrtbehörde ESA 2008 Astronauten und Astronautinnen suchte, waren auf dem Bild für die Ausschreibung fast 30 Menschen abgebildet – darunter nur eine einzige Frau.

Kein Wunder, dass sich lediglich 16 Prozent Frauen beworben haben, sagt Insa Thiele-Eich. Die Astronautentochter ist selbst in den USA aufgewachsen, im Umfeld der NASA: «Da war es vollkommen normal, dass Frauen, Männer, Mütter, Väter Astronauten und Astronautinnen waren.»

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 21.5.2021, 08:06 Uhr.;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von christoph steiger  (christoph steiger)
    "Wo bleiben die Frauen?" Statistisch gesehen sind sie mehrheitlich damit beschäftigt, Geistes- und Sozialwissenschaften zu studieren, um danach herauszufinden, dass sie in den MINT-Fächern unterrepräsentiert sind. Aus dieser Ecke kommen nun mal Forscher. Aber ganz grundsätzlich: Der Entscheid was man studiert ist ein persönlicher. Das geht die Gesellschaft nichts an. Da muss sich niemand ein schlechtes Gewissen einreden lassen.
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Frauen sind überal wo es um Technik geht sehr stark untervertreten.
    Dies liegt aber nicht an den bösen Männern sondern am fehlenden Willen und Interessen der Frauen in diese Richtung beruflich einzusteigen.
    In der Industrie ist der Anteil Frauen (Büro und Labor ausgenommen) wohl nicht mal 20%, obwohl die Löhne sehr häufig weit über den KV Niveau liegen.
    Auch bei der Raumfahrt gibt es sehr wenig Frauen, weshalb dies so ist kann ich nicht sagen aber Männer und Frauen sind halt nicht gleich.
  • Kommentar von Jens Stadel  (jena)
    Die armen Frauen... immer sind die Männer die Bösen. Aber selber Schuld wenn sich nicht mehr bewerben. Momentan ist im Astronauten Corps der ESA eine Frau also 1/6. Entspricht ziemlich genau der Bewerbungsquote von 16%. Wie wärs wenn man statt immer die Männer für alles verantwortlich zu machen mal die Schuld bei sich selber sucht ?
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Wo haben sie was von schuld gelesen? Immer dieses jammern von der Männer Seite, nicht sexy!
    2. Antwort von Peter Belmi  (P.B.)
      @ Franziska Stäheli: man muss sich auch um diese (technischen) Stellen bemühen, die fallen weder Mann noch Frau in den Schoss. Und Absolventen von Geistes- und Sozialwissenschaften braucht es im heutigen Zeitpunkt nur wenig im Weltall.
    3. Antwort von Peter Belmi  (P.B.)
      @ Franziska Stäheli: man muss sich auch um diese (technischen) Stellen bemühen, die fallen weder Mann noch Frau in den Schoss. Und Absolventen von Geistes- und Sozialwissenschaften braucht es im heutigen Zeitpunkt nur wenig im Weltall.