Zum Inhalt springen

Header

Video
Schweizer Mission zur Müllentsorgung
Aus nano vom 05.02.2021.
abspielen
Inhalt

Frühjahrsputz im Orbit Schweizer Satellit soll das Weltall aufräumen

Ein Schweizer Satellit soll ab 2025 den Himmel von Weltraumschrott befreien. Ob die Mission wirklich Zukunft hat, steht buchstäblich noch «in den Sternen». Denn es wäre das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass wir im Orbit aufräumen.

Ein kleiner Satellit nähert sich langsam und vorsichtig seinem Zielobjekt. Die langen Greifarme öffnen sich wie die Scheren einer Krabbe. In die Fänge gerät ein ausgedienter Raketenadapter, der seit 2013 hier oben, in rund 800 Kilometern Höhe, um die Erde kreist.

Stunden später stürzen beide, Satellit und Weltraumschrott, in die Erdatmosphäre und verglühen. Die Mission ClearSpace-1 ist damit erfolgreich abgeschlossen und der Menschheit ist es nach über 60 Jahren Raumfahrt gelungen – zum ersten Mal überhaupt –, ein Stück Weltraummüll zu entsorgen. Soweit zumindest der Plan: Denn die Mission soll erst im Jahr 2025 starten.

Die besten Ingenieure Europas

Aktuell arbeiten bereits rund 30 Mitarbeitende des Start-Ups ClearSpace.today daran, den Traum von einem aufgeräumten Orbit wahrzumachen. Das Unternehmen wurde 2018 von Ingenieur Luc Piguet als Spin-Off der ETH Lausanne (EPFL) gegründet. Piguet ist überzeugt: «Wir haben ein fantastisches Team: Die besten Ingenieure, die es in Europa gibt!»

Am Projekt beteiligt ist die Europäische Weltraumbehörde (ESA). Sie hat ClearSpace.today gerade erst einen Zuschlag von rund 90 Millionen Franken für ihr Projekt gesprochen. Noch einmal gut 30 Millionen sollen von privaten Investoren dazukommen.

Aufräumen im All ist nicht so einfach

Bis die Mission abgeschlossen und die Champagnerkorken knallen können, wird noch so manches Problem zu lösen sein. Luc Piguet weiss, es reicht nicht, einen Greifarm zu konstruieren, in den Orbit zu fliegen und damit den herumliegenden Müll einzusammeln.

Weltraumschrott saust mit fast 30.000 km/h durch Raum und Zeit: «Die erste Schwierigkeit ist, ein Rendezvous zu machen. Wir müssen das Objekt im Weltraum überhaupt erst einmal finden.»

Satellit
Legende: Das Gerät soll ab 2025 ausgediente Satelliten und grosse Trümmerteile einsammeln. Clearspace

Das zweite Problem: Weltraumschrott «kooperiert» nicht. Es gebe bei ausgedienten Satelliten oder zerborstenen Schrott-Teilen kein Leitsignal für das Andocken eines Bergungssatelliten, so Piguet.

Jede Annäherung bringe die Gefahr einer Kollision, die für noch mehr Weltraumschrott sorgen würde. Piguet geht darum davon aus, dass viele Tests und Simulationen nötig sein werden, bis die Steuerung und der Greifarm reif für den ersten Einsatz sind.

Video
Gefahr Weltraumschrott: Wie der Abfall im All alle bedroht
Aus Einstein vom 06.06.2019.
abspielen

Das Problem ist damit nicht gelöst

Rund 120 Millionen Franken soll die Mission «ClearSpace-1» kosten – viel Geld für ein einziges, rund 100 Kilo schweres Stück Müll. Und eigentlich ist es gar nicht das, was dringend entsorgt werden müsste: Das grösste Problem im Orbit sind nicht die grossen Schrotteile, sondern Millionen kleiner Trümmer, die nicht zu kontrollieren sind.

Insofern sollte man die ClearSpace-1-Mission als das sehen, was sie letzten Endes ist: ein Testlauf, der zeigt, wie das Entsorgen von Weltraummüll funktionieren kann. Doch das eigentliche Problem ist damit nicht gelöst. Für die grosse Aufräumarbeit der kleinsten Teilchen braucht es die Entwicklung von weiteren Technologien. Denn bleibt das All voller Müll, droht die Raumfahrt schon bald vollständig zum Erliegen zu kommen.

Video
nano
Aus nano vom 05.02.2021.
abspielen

SRF 1, nano, 5.2.2021, 10:55 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Nadine Hirschi  (N. H.)
    Aufräumen??? Und Tesla, bzw. Elon Musk haut tausende Satelliten rauf? Klar.....
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Harald Francke  (Harry&Dobby)
    Seit einiger Zeit frage ich mich: Was passiert denn nach dem Verglühen des Schrotts in unserer Atmosphäre? Welche Teilchen enstehen aus dem Verglühprozess? Können sich daraus nicht auch neue Probleme entwickeln? Wenn ich nach meinem Leben verglüht werde, dann bleibt zumindest Asche übrig. Gibt es irgendwo bereits Infos darüber? Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört oder gelesen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von andi capol  (-:) (:-)
    Der grösste Hacken an dieser Sache ist, dass der Aufräumsatellit schon beim Start sein Objekt ansteuern muss, da die Schrottteile kreuz und quer auf verschiedenen Höhen fliegen. Es ist nahezu nutzlos, mit einer Rakete aus Kostengründen mehrere Aufräumsatelliten zu transportieren ausser man konzentriert sich auf die geostationäre Umlaufbahn.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten