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Keine Kohle, kein Erdgas, kein Erdöl – wie könnte das gehen?
Aus Wissenschaftsmagazin vom 12.02.2019.
abspielen. Laufzeit 08:47 Minuten.
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Klima-Demonstrationen Adieu, fossile Brennstoffe – aber wie?

Die Forderung ist da: Die Menschheit soll aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Keine Kohle mehr, kein Erdgas, kein Erdöl. Doch wie? Einen Masterplan gibt es nicht.

«Ab 2050 werden in der Schweiz keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht», so lautet der Kern der sogenannten Gletscher-Initiative. Einen schnelleren Verzicht auf fossile Energieträger fordern zurzeit die Schülerinnen und Schüler an den Klimademonstrationen: Ab 2030 soll Schluss sein.

Der erste Schritt

Umweltökonom Philippe Thalmann von der ETH Lausanne begrüsst die Forderung nach konkreten Ausstiegsdaten: «Es ist wichtig, dass wir schon heute sagen: Wir müssen sehr bald weg von fossiler Energie.» Ein Ausstiegsziel bis 2030 hätte viele kleine Entscheide zur Folge, die das Ziel stützen würden. Philippe Thalmann macht ein Beispiel: «Fällt Ihre Ölheizung aus, kommt es Sie heute am günstigsten, wenn Sie eine neue Ölheizung kaufen.

Wenn Sie aber wissen, dass Sie diese in elf Jahren nicht mehr benutzen dürfen, dann rechnen Sie ganz anders – und sehen, dass es sich heute schon lohnt auf Erneuerbare umzustellen.» Ein fixes Ausstiegsdatum wäre laut Experten deshalb ein wichtiger erster Schritt, egal ob 2030 oder 2050.

Einiges ist schon machbar

Gerade im Gebäudebereich lässt sich schon heute viel erreichen, mit technisch bereits ausgereiften Systemen. Solarthermie und Erdwärme bieten ein grosses Sparpotenzial, insbesondere kombiniert mit besserer Wärmedämmung. In unseren Breitengraden fallen Heizung und Warmwasser denn auch stark ins Gewicht, mehr als einen Drittel der Energie verbrauchen wir dafür in der Schweiz.

Kein klarer Weg zum Ziel

Doch noch ist längst nicht in allen Bereichen klar, was am effizientesten zum Erfolg führt. Der Grund: Es gibt keine Trumpfkarte, sprich, keinen einzelnen neuen Energieträger, der alle Probleme lösen würde.

Besonders im Transportsektor: Hier konkurrieren Strom, Wasserstoff, Methan, andere künstliche Treibstoffe und Biotreibstoffe miteinander. Die Zeichen stehen zurzeit zwar auf Autos mit Batterien und Stromanschluss. Doch Lastwagen für den Fernverkehr, Schiffe und Flugzeuge lassen sich kaum oder nur schlecht elektrifizieren.

Die Energie der Zukunft

Trotzdem wird Strom in Zukunft wohl unsere Hauptenergieform werden – und damit letztlich auch die fossilen Brennstoffe ablösen. Denn er lässt sich praktisch CO2-neutral produzieren, etwa aus Wasserkraft, Sonnen- und Windenergie. Und bei Bedarf könnte Strom umgewandelt werden in künstliche Treibstoffe, die auch in Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen funktionieren würden. Technische Lösungen für das Klimaproblem scheinen also möglich.

Jeder muss mitmachen

Doch sind wir heute noch sehr weit weg von diesem Fernziel. 80 Prozent der Energie weltweit wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Es wird einen stetigen Effort brauchen, da hinzukommen. Oder, wie es Umweltökonom Philipp Thalmann ausdrückt: «Es muss wie eine Art ‹Anbauschlacht› werden, jeder muss mitmachen, jeder muss helfen, dann bin ich sicher, dass viel mehr passieren kann.»

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183 Kommentare

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  • Kommentar von Lesek Hottowy  (Lhot)
    Speicher gibt es (Tesla hat in Australien Batteriekapazität für eine ganze Stadt installiert), der Wind bläst auch in der Nacht, Gezeiten sind zuverlässig aktiv und die Sonne scheint immer irgendwo auf der Welt.
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  • Kommentar von N. Schmid  (Schmid)
    Abgesehen davon, dass unsere Speicherkraftwerke den Strombedarf über mehrere Wochen alleine decken können: Dänemark hat einen höheren Windstrom- als die Schweiz jemals Atomstromanteil hatte. Dänemark hat zudem einen wesentlich geringeren Stromaustausch mit seinen Nachbarländern als die Stromdrehscheibe Schweiz. Und jetzt kommt der absolute Knaller: Dänemark hat im Gegensatz zur Schweiz kein einziges Speicherkraftwerk und keine Batterien und trotzdem eines der stabilsten Netze der Welt.
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    1. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      Haben sie sich schon mal über die klimatischen Unterschiede (Windverhältnisse, Meer vor der Haustür, Fläche) zwischen Dänemark und der Schweiz kundig gemacht?
    2. Antwort von N. Schmid  (Schmid)
      Herr Christmann. Abgesehen davon, dass Österreich ebenfalls ein Alpenland ist und der Windstrom in Österreich bereits 46% des Haushaltsstrombedarfs deckt: Ich zeige hier lediglich auf, dass das lächerliche Speicherargument ein Mythos ist, um den Zubau von erneuerbaren Energien zu verhindern.
  • Kommentar von Peter Brenner  (Brenner)
    Das Ziel, Nullemmissionen bis 2050 in der Schweiz zu erreichen, und das noch ohne Kernenergie, scheint mir gleichsam eine Baugrube mit Kaffeelöffeln statt mit einem Bagger ausheben zu wollen. Immer daran denken: Die Sonne scheint nicht immer und nachts schon gar nicht und der Wind weht, wann er will. Speicher, welche das Problem beheben könnten, gibt es nicht und sind in der erforderlichen Grössenordnung auch nicht in Sichtweite.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Nicht zu vergessen, bis 2050 hat die Schweiz auch 10 Millionen Einwohner.
      Da wollen auch alle Fahren, Heizen, Essen usw.