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Menschengemachtes Problem Wer ist verantwortlich für das schädliche Ammoniak in der Luft?

Dank eines Wettersatelliten haben Wissenschaftler herausbekommen, wo die grössten Quellen für den Luftschadstoff Ammoniak liegen.

Legende: Audio Ammoniak-Emissionen in der Schweiz sind hoch abspielen. Laufzeit 06:00 Minuten.
06:00 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 08.12.2018.

Zu viel Ammoniak in der Luft ist ein Problem – eines, das in der Schweiz nur allzu gut bekannt ist.

Ammoniak ist ein Gas, aus dem sich relativ leicht gesundheitsschädlicher Feinstaub bilden kann. Und: Ammoniak wird teilweise zu Lachgas umgewandelt, ein Treibhausgas, das rund 300 mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid.

Ammoniak, das schädliche Gas

Ammoniak ist ein Gas, das natürlicherweise von Vulkanen oder auch bei bestimmten Abbauprozessen im Boden freigesetzt wird.

Weitaus grössere Mengen stammen aber aus menschgemachten Quellen: aus der Herstellung von Kunstdünger, aus dem Bergbau oder Geothermie-Anlagen – und dem Dung von Kühen, Schweinen und Hühnern, die wir Menschen als Nutztiere halten.

Zu viel Ammoniak in der Luft hat verschiedene schädliche Wirkungen.

Ausserdem bedroht Ammoniak auch zahlreiche Ökosysteme. Wenn das stickstoffhaltige Gas aus der Luft in den Boden gelangt, wirkt es dort wie eine Überdüngung.

Selten gewordene Pflanzenarten in streng geschützten Gebieten, wie zum Beispiel Mooren, sind dadurch akut bedroht.

Die schädlichen Mengen des Ammoniak-Gases in unserer Atmosphäre sind überwiegend menschengemacht – wären also bis zu einem gewissen Grad vermeidbar.

Dazu ist es wichtig, die Quellen möglichst genau zu kennen. Und das ist Forschenden aus Belgien und Frankreich nun gelungen – dank eines Wettersatelliten.

Infrarot-Strahlen als Hinweise

Nur gerade 100 Minuten braucht der Wettersatellit Metop-A, um einmal um die Erde zu flitzen. Er misst unter anderem das Infrarot-Licht, das von unserem Planeten hinaus ins Weltall strahlt.

Diese Infrarot-Messdaten werden normalerweise für Wettervorhersagen gebraucht. Aber nicht nur. Wissenschaftlern ist es nun gelungen, aus diesen Daten die Konzentrationen des Luftschadstoffes Ammoniak hoch aufgelöst zu errechnen.

Daraus erstellten sie eine Weltkarte, die so detailliert wie nie zuvor zeigt, wo die grössten Mengen an Ammoniak in die Luft gelangen.

Über 250 Hotspots

In aufwändiger Handarbeit kombinierten sie die errechneten Ammoniak-Konzentrationen mit Satelliten-Fotos und konnten so rund 250 Ammoniak-Hotspots identifizieren – zum Teil bis hin zu einzelnen Ställen oder Fabriken.

Eine Weltkarte mit Punkten.
Legende: Das Ammoniak-Vorkommen in der Welt: rot bedeutet natürliche Quellen, die schwarzen Punkte sind sogenannte Hotspots: landwirtschaftliche und industrielle Quellen. ULB.ac.be , Link öffnet in einem neuen Fenster

Rund ein Drittel der Hotspots waren grosse Tierbetriebe wie Rindergehege, Schweineställe oder Hühnermastbetriebe.

Die anderen Hotspots waren Industriebetriebe wie Düngemittelhersteller, Minen oder Geothermie-Anlagen.

Grosse Datenmenge ausgewertet

Die Forscher-Gruppe konnte auch aufzeigen, wie sich diese Hotspot-Karte, Link öffnet in einem neuen Fenster über die Zeit veränderte, denn sie werteten Daten aus fast zehn Jahren aus.

So zeigten die Daten beispielsweise, wie in China wegen der rege wachsenden Wirtschaft verschiedene neue Fabriken entstanden, die Ammoniak ausstossen.

Methode als wichtige Ergänzung

In der Schweiz stammt fast alles Ammoniak in der Luft aus der Landwirtschaft: aus vielen einzelnen Ställen, Gehegen und Güllelagern.

Mit Messungen auf der Erdoberfläche ist es sehr schwierig, genau zu erfassen, wie viel Schadstoff insgesamt aus diesen Quellen ausgestossen wird.

Die Messdaten aus dem Weltall sind dafür eine wertvolle Ergänzung – und ein wichtiges Druckmittel.

Denn in den letzten 15 Jahren haben die allzu grossen Ammoniakmengen, die in der Schweiz ausgestossen werden, nur unwesentlich abgenommen.

33 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    In der Schweiz stammt fast alles Ammoniak in der Luft aus der Landwirtschaft: aus vielen einzelnen Ställen, Gehegen und Güllelagern. Was lernen wir mit diesem Wissen bzw. Tatsachen. Was tut die Landwirtschaft oder die Politik dagegen etwas zu verbessern. Der Mensch lernt es einfach nicht, obwohl es schon 5 nach 12 ist. Wir gefährden das ganze Ökosystem durch unser Handeln und sind nicht bereit unserem schönen Planeten Hand zu bieten, geschweige denn an die kommenden Generationen zu denken.
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    1. Antwort von Ulrich Thomet (UTW)
      Ammoniakverlusten sind Nährstoffverluste. Jeder Betrieb ist interssiert diese Verluste zu minimieren. Offenbar klappt das in der CH besser als in der Poebene. Wie ich bereits beschrieben habe, gibt es einen Zielkonflikt zwischen tiergerechter Haltung in Laufställen und den daraus entstehenden Ammoniakemissionen. Neubauten werden nach neuen Erkenntnissen gebaut. Bestehende offene Güllebehälter werden überdeckt. Die emissionsarme Gülleausbringung wird gefördert. Man tut etwas.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Da auf der Karte in der CH alles grün bleibt, zeigt sich die positive Wirkung der seit Jahrzehnten in der CH gültigen Luftreinhalteverordnung. Was weiter eine sehr gute Wirkung hätte, wäre die zunehmende Nutzung von Biogas in der Energieversorgung. Das würde bedeuten dass mehr Ammoniak verbrannt wird statt roh in die Atmosphäre entlassen zu werden.
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  • Kommentar von Reto Meier (auchwassagen)
    Einerseits könnten Sie Recht haben mit Ihrer Aussage, Achim Frill, andererseits verstehe ich sie voll..unverträglich und "umweltschädlich" sind für mich vorallem auch diese permanenten Negativschlagzeilen. Entweder ist man total abgestumpft, oder sonst bleibt einem nur noch, sich davon abzuwenden. Es würde einer Plattform wie dieser gut tun, vermehrt über nützliches, hilfreiches zu berichten. Der Mensch möchte von Grund auf sinnvoll, ohne Schaden anzurichten, leben können..
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Wann wird endlich gehandelt gegen die fehlgeleitete, industrialisierte "Chemie-Landwirtschaft" der Schweiz, von den teuren Zuständigen von: BLW, BLV, Schweizer Bauernverband, Parlament, Bundesrat....??
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    1. Antwort von Ulrich Thomet (UTW)
      Ammoniak entsteht auch in Biogülle. Sogar die Rüstabfälle von veganen Produkten produzieren während der Kompostierung Ammoniak.
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    2. Antwort von Denise Casagrande (begulide)
      Ulrich Thomet: Bei der verantwortungsbewusst, nachhaltig öko-logisch wirtschaftenden Demeter-Landwirtschaft, gibt es keine Massentierhaltung, keine tierquählerischen Enthornungen von Kälbern, dafür sämtliche Futtermittel aus Eigenproduktion - viel Stroh als Einstreu für die Tiere und viel weniger "Gülle", dafür mehr Sinn machenden, umweltverträglichen Mist! Das macht Sinn und ist von jeher im Einklang mit Natur und Tier! Alles andere ist verantwortungslos!
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    3. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Fr. Casagrande, schauen Sie die Karte an. Diese widerlegt Ihre Behauptung. Die schlimmsten Gebiete liegen nicht da wo wie in der CH viele Kühe auf hoher Leistung gehalten werden.
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