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Sensationsfund: Meteorit im Vorgarten
Aus Wissenschaftsmagazin vom 18.04.2020.
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Meteorit im Vorgarten Was ein golfballgrosser Stein über unseren Planeten verrät

Ein Meteorit landet in einem Vorgarten und sorgt für Aufregung bei den Forschern. Denn der Gesteinsbrocken könnte zeigen, wie Wasser auf die Erde kam.

Sternschnuppen sind Steine aus den Tiefen des Alls, die auf die Erde fallen. Aber manchmal gibt es mehr zu sehen und zu finden als eine Leuchtspur am Himmel – dann nämlich, wenn auf dem Boden etwas ankommt von den Steinen aus dem All. Und ganz selten finden Wissenschaftler dabei mehr als sie hofften.

ein Stein mit einem Massband davor
Legende: Nicht grösser als ein Golfball: Dieser kleine Stein bringt den Forschern grosse Erkenntnisse. Erik Due-Hansen

So beginnt die Geschichte an einem Freitag den 13., ein Spätsommernachmittag im September 2019. Im norddeutschen Flensburg geht der Däne Erik Due-Hansen zum Rasenmähen in den Garten. Dort findet er einen merkwürdigen schwarzen Stein von der Grösse eines Golfballs.

Die Feuerkugel aus dem Weltraum

Hansen meldet den Fund dem Feuerkugelnetz des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Dessen Leiter, Dieter Heinlein, bekam den Meteoriten per Post ans bayerische Meteoritenlabor nach Augsburg geschickt.

«Als ich ihn ausgepackt habe, fiel mir auf, dass der Stein von einer hauchdünnen, schwarzen Schmelzkruste ummantelt war», erinnert sich Heinlein. Es habe sich um ein geschmolzenes Stückchen Weltraummaterie gehandelt.

«Dieses Material ist 4.5 Milliarden Jahre alt, hat sich seit seiner Entstehung nicht verändert und kann uns Hinweise darauf geben, wie das Sonnensystem entstanden ist», betont der Astrophysiker.

Sternschnuppe mit Migrationshintergrund

Diese Materie ist, was übrig geblieben ist, als alles andere fertig war: Sonne, Planeten und Monde. Seit der Bildung des Sonnensystems kreisen diese Gesteinsbrocken umher, kreuz und quer, ohne Ziel.

Dabei streifen sie manchmal die Bahn der Erde. Sie treten als Sternschnuppen in die Atmosphäre ein – so wie in diesem Fall der Meteorit namens «Flensburg».

Von Augsburg ging die Reise von «Flensburg» weiter ins westdeutsche Nordrhein-Westfalen. Der Planetologe Addi Bischoff von der Universität Münster war der nächste, der den Meteoriten in die Finger bekam. «‹Flensburg› enthält ausschliesslich Minerale, die irgendetwas mit Wasser zu tun haben», fand Bischoff.

ein Mann untersucht etwas unter dem Mikroskop
Legende: Welch ein Fund! Planetologe Addi Bischoff von der Universität Münster freut sich über «Flensburg». WWU / Peter Grewer

Das tonähnliche Material, aus dem dieser Stein zusammengesetzt ist – eine Art getrockneter Schlamm –, kann sich nur gebildet haben, wenn «Flensburg» einst mit flüssigem Wasser in Berührung gekommen ist. «Das ist das erste Mal, dass ein solcher Meteorit in Deutschland gefunden wurde», freut sich Bischoff.

Schweizer Sternenstaub

«Dieser Meteorit hat eindeutig in der Frühzeit seines Lebens Wasser gesehen», bestätigt auch Henner Busemann, der am Institut für Geochemie und Petrologie der ETH Zürich forscht. Auch er hat sich Staubproben von «Flensburg» näher angesehen.

«Wir glauben, dass der Grossteil dieses Wassers ursprünglich in Form von Eis vorhanden war.» Aber irgendwann werde solch ein Asteroid abgelenkt und näher an die Sonne geführt, glaubt der Physiker.

Dann erwärme er sich und es bilde sich flüssiges Wasser. «Und so dürfte letztlich wohl auch die Erde zu ihrem Wasser gekommen sein – durch Meteoriten wie ‹Flensburg›!»

Radio SRF 4 News, Wissenschaftsmagazin, 18.04.2020, 07:06 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Hartmann  (Wolfgang Hartmann)
    Die Frage bleibt, wie aus diesem Gestein Wasser herausgelöst werden kann. Es ist ja gebunden und wie kann es nutzbar gemacht werden? Und woher soll das Wasser kommen? Es bräuchte auch einen riesigen langen Beschuss der Erde. Der nicht nachgewiesen werden konnte. Die Frage ist wissenschaftlich nicht gelöst, da es auch grosse ungelöste Fragen bezüglich Herkunft der Asteroiden gibt. Der Kuipergürtel und die Oortsche Wolke lösen nicht die Probleme.
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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Ich empfehle den Denkansatz einmal 100% umzudrehen und davon auszugehen, dass im Anfang alles aus Wasser bestand. Es gibt wissenschaftliche Ansätze dazu. Im Wort des Schöpfers war dies vor 6000 Jahren schon bekannt; in den ersten 2 Sätzen klar beschrieben, ff.
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    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Und wo ist all das Wasser hin? Danke, aber ich meine wir bleiben lieber bei dem wissenschaftlichen Ansatz: suchen, testen und herausfinden. Im Gegensatz zu ihrem: Die Realität so zurecht biegen, bis sie irgendwelche Bibelverse bestätigt.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Allerdings bleibt bestehen, Hr. Pünt, dass die Annahme Meteoriten hätten das Wasser auf die Erde gebracht keineswegs ein wissenschaftlicher Ansatz ist. Man stelle sich die Menge und Grösse solcher Meteoren vor, die eine ursprünglich trockene Erde mit dem Wasser versorgen, das heute unsere Ozeane bildet! An Abenteuerlichkeit übertrifft diese Idee in der Tat die Berichte der Bibel, an Wissenschaftlichkeit allerdings kaum.
    3. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Herr Reuteler, über etwas so gewaltiges wie einen Planeten nachzudenken ist tatsächlich schwindelerregend. Die Theorie geht davon aus, dass sich Planeten in einer rotierenden Gas- und Staubwolke (Akkretionsscheibe) bilden. Dadurch wurden die meisten Gesteinsbrocken in unserem Sonnensystem 'aufgesaugt'. In den Asterodiengürteln haben allerdings viele Brocken überlebt und drehen dort draussen seither ihre Runden (und verirren sich ab und zu auf die Erde).
    4. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Das heisst, unsere Erde besteht aus demselben Material, wie die Asteroiden in unserem Sonnensystem. Wir sprechen hier also nicht von 2-3 Asteroiden, welche das Wasser auf die Erde gebracht haben, sondern von der eigentlichen Entstehung unseres Planeten. So kam auch all das Eisen, Gold, Platin und all der Kohlenstoff hierher.