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Gibt es ausserirdisches Leben auf der Venus?
Aus Nachrichten vom 16.09.2020.
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Mögliches Leben auf der Venus Wissenschaftsredaktorin: «Das sind keine kleinen Männchen»

Gibt es Leben auf der Venus? Ein internationales Team um die britische Astronomin Jane Greaves hat auf unserem Nachbarplaneten Gas gefunden, das mit lebenden Organismen in Verbindung gebracht wird. Aufregend, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Anita Vonmont. Aber Leben auf der Venus würde völlig anders aussehen als auf der Erde.

Anita Vonmont

Anita Vonmont

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Anita Vonmont ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF.

SRF: Wie wichtig ist diese Entdeckung?

Anita Vonmont: Anzeichen von Leben auf der Venus sind auf jeden Fall eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Venus ist nicht gerade als lebensfreundlicher Planet bekannt. Bis jetzt ziehen die Forschenden ja auch nur die Möglichkeit von Leben auf der Venus in Betracht.

Für mehr Gewissheit braucht es genauere Untersuchungen, sagte mir der Spezialist Peter Wurz von der Universität Bern. Doch was auch immer diese Untersuchungen zeigen werden, wird interessant sein.

Aufnahme des Planeten Venus mit vergrössert eingeblendeten Molekülen.
Legende: Ein Nachweis von Leben im All? Das Gas Monophosphan, gefunden in den Wolken der Venus. Keystone / EPA European Southern Observatory

Was genau haben die Wissenschaftler auf der Venus entdeckt?

Anita Vonmont: Einen Stoff mit dem Namen Monophosphan. Das ist ein Gas in den Wolken, welche die Venus umhüllen. Dieses Gas wird bei uns auf der Erde von Mikroben produziert, also von Kleinstlebewesen. Es kann auch ohne Leben entstehen – zum Beispiel durch einen Vulkanausbruch.

Doch auf der Venus kann Letzteres nicht der Fall sein. Das konnten die Forscher nachweisen. Daher nehmen sie an, dass es auf der Venus irgendeine Form von Leben geben könnte.

Wie könnte dieses Leben aussehen?

Die Venus ist äusserst lebensunfreundlich. Es wird dort bis zu 500 Grad heiss. Aber die Wolken, welche die Venus umgeben, haben auf 50 Kilometern Höhe einen ähnlichen Luftdruck wie wir bei uns auf dem Erdboden. Auch die Temperaturen sollen lebensfreundlich sein.

Es könnte also sein, dass es in den feinen Tröpfchen der Venuswolken winzige lebende Organismen gibt. Diese Tröpfchen bestehen allerdings nicht aus Wasser, sondern vor allem aus Schwefelsäure. Wir hätten es also mit einer völlig fremdartigen Form von Leben zu tun.

Es braucht einen offenen Blick – auch das zeigt die neue Entdeckung.

Nun steht die Venus bei der Suche nach ausserirdischem Leben im Fokus. Wie beurteilen Sie das?

Um es ganz genau zu wissen, bräuchte es eine neue Mission zur Venus. Eine solche ist zumindest in naher Zukunft nicht in Sicht. Doch diese neue heisse Spur für Leben auf der Venus lässt sich mit den bestehenden Daten vermutlich mal noch vertiefter auswerten.

Das ist interessant, gerade weil die Bedingungen für Leben, wie wir sie kennen, auf der Erde so ganz anders sind auf der Venus.

Was heisst diese Entdeckung für die Suche nach ausserirdischem Leben?

Sie motiviert die Forscherinnen und Forscher, die in diesem Bereich aktiv sind, weiterzumachen. Weil es zeigt, dass Leben vielleicht sogar auf einem Nachbarplaneten existiert.

Allerdings sind das keine kleinen Männchen, sondern winziges, unauffälliges Leben, auch ganz anderes Leben vielleicht. Es braucht einen offenen Blick – auch das zeigt die neue Entdeckung.

Das Gespräch führte Manuel Ramirez.

Sendung: Radio SRF 4 News, Nachrichten, 16.9.2020, 08:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Schauen wir einmal was die Forschung da weiter herausfinden lässt. Nur die Beobachtung eines Gases durch ein Teleskop ist noch lange kein Beweis für Leben, es ist nicht einmal ein Beweis dafür, dass es dieses Gas dort überhaupt gibt, das müsste eine Probe mit Laborauswertung erst noch verifizieren. Lassen wir die Wissenschafter ihre Arbeit machen und wenn es sich bestätigen wird, dann wurde eine weitere spannende Entdeckung gemacht, bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
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  • Kommentar von Martin Weiss  (MWe)
    Die Venera Missionen der Sowijetunion haben in den 60er Jahren teilweise Sonden in die Atmosphäre der Venus oder gar auf die Venus Oberfläche gebracht. Persönlich habe ich heute noch immer Zweifel daran, dass man eine Sonde komplett steril in den Orbit bekommt - vor 60 Jahren war das wahrscheinlich so gut wie unmöglich. Was wäre also, wenn diese lebenden Organismen mit den Venera Missionen von der Erde importiert wurden?
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    1. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Völlig ausgeschlossen ist dies natürlich nicht.
  • Kommentar von Dominik Kessler  (dominikk)
    Sagt Mal SRF geht's noch? Die Nasa hatte mit der Entdeckung rein gar nichts zu tun. Es war ein Team rund um die Astronomin Jane Greaves von der Universität Cardiff. Selbst die Teleskope, welche für die Entdeckung verwendet wurden (JCMT - Erstentdeckung, und ALMA - Verifizierung) gehören nicht der Nasa. Wie soll man Ihnen glauben schenken, wenn Sie nicht einmal die Basics und Namensnennung hinkriegen? Und so was nennt sich dann "Wissenschaftsredaktion". Sorry, aber da gibts Korrekturbedarf!
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Dominik Kessler Sie haben recht. In der Tat hat ein internationales Team um Jane Greaves die neue Entdeckung bekannt gegeben. Die Nasa war daran nicht beteiligt, sie hat sich aber prominent dazu geäussert. So ist beim Schreiben unter Zeitdruck ein Fehler passiert, für den wir uns hier entschuldigen.
    2. Antwort von Dominik Kessler  (dominikk)
      Verständlich. Vielleicht habe ich etwas harsch reagiert. Aber in der Wissenschaft ist halt die korrekte Namensnennung von grosser Bedeutung, daher auch der Hinweis.

      Ein Lob für's Korrigieren! Danke.
    3. Antwort von Martin Weiss  (MWe)
      Korrekturen finde ich gut wichtig und gut. Bei der Art und Weise wie Sie diese kommunizieren, Herr Kessler, gibt es durchaus potential.