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Schon in der Bronzezeit tranken Babys Tiermilch aus dem Schoppen
Aus Wissenschaftsmagazin vom 28.09.2019.
abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
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Prähistorische Babyflaschen Schon vor 3000 Jahren gab's den Schoppen

Lange war nicht bekannt, wofür die schnabelartigen Tongefässe benutzt wurden. Nun ist klar: an ihnen nuckelten Babys.

Lange Zeit konnte man sie im Museum anschauen oder ahnungslos an ihnen vorbeilaufen: kleine, seltsame, manchmal verspielte Tongefässe, die eine schnabelartige Öffnung haben. Wofür sie gebraucht wurden, konnten Archäologinnen lange nicht sagen.

Nun aber ist klar: an den Fläschchen nuckelten Babys. Ein Forscherteam um die britische Forscherin Julie Dunne konnte nachweisen, Link öffnet in einem neuen Fenster, dass es sich bei den Gefässen um prähistorische Babyflaschen handelt.

Der prähistorische Schoppen für Babys: Tongefässe aus der Bronze- und Eisenzeit.
Legende: In den uralten Babyfläschchen konnte Milch von Kühen, Ziegen und Schafen nachgewiesen werden. Katharina Rebay-Salisbury

Gefunden und ausgestellt

Die rund 2500 bis 2800 Jahre alten Keramikfläschchen stammen aus der Bronze- und Eisenzeit. Sie sind bereits in vielen Erdteilen bekannt, vor Jahrzehnten schon wurden sie in Bayern gefunden und später in Museen ausgestellt.

«Es wurde vermutet, dass sie verwendet wurden, um kranke oder ältere Menschen zu füttern, aber niemand war sich ganz sicher», sagt Julie Dunne. Die Biomolekular-Archäologin schaute mit ihrem Forschungsteam genauer hin und untersuchte die Moleküle in den Gefässen. Ihr Fund: Milch von Wiederkäuern wie Kühen, Schafen und Ziegen. Aber auch Schweine- und Muttermilch konnte in einigen Gefässen nachgewiesen werden.

Tausend Jahre in der Keramik

Bevor es zu dieser Erkenntnis kam, musste Dunne aber erst Überzeugungsarbeit leisten. Die Gefässe wurden ihr erst zur Verfügung gestellt, als sie die MuseumskuratorInnen davon überzeugen konnte, dass sie eine schonende Methode zur Probenahme ausgearbeitet hatte.

«Wenn Essen in glasierten Keramikgefässen gekocht wird, nimmt das Gefäss-Gewebe die Fette auf, da bleiben sie über Tausende von Jahren», erklärt Dunne. «Die Fette konnten wir dann aus den Gefässen extrahieren.»

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Legende: Der prähistorische Schoppen für Babys: Tongefässe aus der Bronze- und Eisenzeit. Katharina Rebay-Salisbury

Lag eine Keramik mal auf ihrem Tisch, wurde ein kleines Loch gebohrt. «Wir haben das Keramik-Stück zu einem Pulver gemahlen, um die Extraktion durchzuführen», erklärt Dunne. Das Pulver konnte sie dann nach Fetten analysieren. Weil jede Milch typisch ist in ihren Fetten, konnte so festgestellt werden, was in den Gefässen drin war.

«Etwas weniger als ein Gramm brauchten wir, um das Material analysieren zu können. Es war so wenig und die Löcher so klein, die Arbeit war sehr nervenaufreibend!», so Dunne.

Durch Babyflaschen bohren

Wie Mütter und Kinder miteinander umgegangen sind und wie Babys gefüttert wurden, darüber wurde bisher kaum geforscht. Krieger und Herrscher standen lang im Fokus der Forschung. Mütter und ihre Kinder kaum.

«Einige wenige Studien haben zwar bewiesen, dass Babys im prähistorischen Europa zwischen sechs Monaten und zwei Jahren abgestillt wurden», erklärt Dunne. «Womit man sie dann gefüttert hat, wusste man bisher aber noch nicht.»

Julie Dunne will sich nach und nach durch die bereits gefundenen prähistorisch Babyflaschen bohren und dieser Frage auf den Grund gehen.

Was uns diese verspielten Gefässe bereits über die Gesellschaft sagen, in der diese Kinder lebten? «Diese Leute waren sehr kreativ und ziemlich verspielt», sagt Dunne. «Diese Fläschchen wurden wahrscheinlich nicht nur zur Fütterung entworfen, sondern auch, um die Babys zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Sie liebten und kümmerten sich eindeutig sehr um ihre Kinder.»

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