Workshop gegen Vorurteile Rassismus am eigenen Leib erfahren

In den 1960er-Jahren wollte US-Primarlehrerin Jane Elliott ihrer Klasse zeigen, wie sich Diskriminierung anfühlt. Heute kämpfen Erwachsene mit Elliotts Methode gegen Vorurteile.

Vier Kinder deuten auf ein anderes Kind, das die Hände vor sein Gesicht hält Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Blue Eyed»-Experiment: für Jane Elliotts Schülerinnen und Schüler eine eindrückliche, aber auch eine emotionale Erfahrung. Colourbox

  • Der Mord an Martin Luther King war Ausschlag für das wegweisende Experiment der Primarlehrerin Jane Elliott, um Rassismus verständlich zu machen.
  • Im Experiment werden Schüler in eine blauäugige und eine braunäugige Gruppe aufgeteilt – eine Gruppe wird danach bevorzugt behandelt.
  • Heute gibt es Toleranz-Seminare, die auf diesem Experiment basieren – die Sendung «Einstein» hat einen solchen Workshop besucht.

Wie soll man Kindern Rassismus erklären?

Es war der 4. April 1968, als ein Attentäter den afroamerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King erschoss. Zu dieser Zeit war Jane Elliott Primarlehrerin in einer US-Kleinstadt.

Als Elliott mit ihren achtjährigen Schülern über den Mord sprach, stiess sie an Grenzen: Wie sollen die weissen Kinder die Auswirkungen von Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen begreifen?

Tobias Müllers Reaktion auf den Workshop

0:43 min, aus Einstein vom 19.1.2017

Blauäugige gegen Braunäugige

So dachte sich die Lehrerin eine Übung aus, bei der die Kinder Benachteiligungen am eigenen Leib erfahren. Sie teilte die Klasse nach Augenfarbe in zwei Gruppen ein – Blauäugige und Braunäugige. Am ersten Tag des Experiments sagte Elliott den Kindern mit blauen Augen, sie seien besser, intelligenter und den Braunäugigen überlegen.

Den ganzen Tag lobte sie die Blauäugigen, räumte ihnen Vorrechte ein und hielt sie dazu an, nicht mit Braunäugigen zu spielen.

Die Braunäugigen hingegen kritisierte sie und machte sie lächerlich. Am zweiten Tag wurden die Rollen getauscht: Nun waren es die Blauäugigen, denen Elliott das Gefühl gab, minderwertig zu sein.

Liebe Kinder werden richtig gemein

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Beitrag zum Thema

Jeder Mensch hat Vorurteile. Doch es ist gar nicht so leicht, diese zu erfassen. Forscher haben es versucht – mit einer weltweiten Befragungen zum Thema Nachbarschaft.

Das erschreckende Resultat: Jane Elliott beobachtete, wie sich die netten Kinder in kurzer Zeit zu diskriminierenden Fieslingen wandelten. Die Lehrerin stellte auch fest, dass sich die Leistungen der Kinder veränderten: An dem Tag, an dem sie zur bevorzugten Gruppe gehörten, schnitten sie in Prüfungen besser ab.

Fortan wiederholte Elliott die Übung mit jeder Klasse. 1970 wurde das Experiment gefilmt und 15 Jahre später zum Dokumentarfilm «A Class Divided» verarbeitet. Darin berichten die nun erwachsenen Schülerinnen und Schüler, wie sie das Experiment damals erlebten – und wie diese Erfahrung ihr Leben beeinflusste.

Ältere Dame mit kurzen weissen Haaren und einer Brille Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jane Elliott, 83, kämpft seit fast 50 Jahren gegen Rassismus, Diskriminierung und Vorurteile. janeelliott.com

Für Kinder zu grausam?

Die Rückmeldungen der Ehemaligen waren meist positiv. Elliotts Experiment wurde aber auch kritisiert, denn es wirft ethische Fragen auf: Darf man Kinder Stress aussetzen – in der Hoffnung, sie von Vorurteilen zu befreien?

Primarlehrerin Elliott entwickelte die Übung deshalb zu einem Toleranz-Training für Erwachsene weiter. In «Blue Eyed»-Seminaren erleben sie, wie sich Benachteiligung anfühlt. Das ist auch für erwachsene Teilnehmer eine emotionale Achterbahnfahrt, wie folgende Ausschnitte aus der Sendung «Einstein» zeigen:

Blue-Eyes-Seminar für Erwachsene in 4 Teilen

Sendung: SRF 1, Einstein, 19.1.2017, 21 Uhr

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