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Hör mal wer da frisst – wie Pflanzen auf die Kaugeräusche von Raupen reagieren.
Aus Wissenschaftsmagazin vom 14.12.2019.
abspielen. Laufzeit 05:18 Minuten.
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Schlaues Grünzeug Pflanzen erkennen Raupen an ihren Kaugeräuschen

Haben Pflanzen ein Bewusstsein? Zumindest erkennen sie ihre Feinde an deren Kaugeräuschen, beweist eine neue Studie.

Pflanzen können zwar nicht wie Tiere vor ihren Feinden weglaufen. Doch völlig wehrlos sind sie nicht: So locken sie die Feinde ihrer Schädlinge mit Duftstoffen an, produzieren giftige Stoffe in ihren Blättern oder beherbergen Ameisen, die Schädlinge vertreiben.

Jetzt haben Forscher von der University of Toledo in den USA beobachtet: Pflanzen erkennen Raupen, die an ihren Blättern knabbern, an den Geräuschen, die diese beim Fressen produzieren.

«Wir waren überrascht, dass Pflanzen Vibrationen wahrnehmen», sagt Heidi Appel, Autorin der Studie. «Und dass Pflanzen Fressgeräusche der Raupen von Windrauschen und Grillenzirpen unterscheiden können.»

Raupenkrach per Lautsprecher

In ihren Versuchen hatten die Forschenden winzige Lautsprecher auf den Blättern der Ackerschmalwand platziert, einer Pflanze, die Forscher gerne im Labor für ihre Versuche nutzen.

Dann spielten sie den Gewächsen 24 Stunden Töne vor, die Raupen beim Fressen an den Blättern produzieren. Darauf reagierten die Pflanzen, indem sie Senföl-Glycoside in ihren Blättern produzieren, die auf Insekten giftig wirken.

Als die Forscher die Pflanzen hingegen mit Geräuschen von Wind oder zirpenden Grillen beschallten, reagierten die Gewächse nicht.

Pfauenspinnerraupe
Legende: Wenn Raupen mampfen, lauschen die Pflanzen: Forschende beweisen, dass Pflanzen Kaugeräusche erkennen. imago images / blickwinkel

Schützendes Nikotin

Bislang ist unklar, wie die Pflanzen die Geräusche der Raupen wahrnehmen und vor allem von Tönen unterscheiden können, die für sie nicht gefährlich sind. Doch es steht fest, dass die Ackerschmalwand nicht die einzige Pflanze ist, die das kann.

Auch Tabakpflanzen produzieren mehr Nikotin in ihren Blättern, sobald sie die Fressgeräusche ihrer Schädlinge wahrnehmen. Nikotin ist ebenfalls eine Verbindung, die Insekten abschreckt.

Unterschätze Pflanzen

Beide Beispiele zeigen: Pflanzen belauschen ihre Umgebung, um ihre Abwehr zu aktivieren. Eine erstaunliche Leistung, findet Heidi Appel.

«Wir unterschätzen Pflanzen wirklich», sagt sie. «Sie haben zwar keine Ohren, Augen oder Nasen wie wir Menschen, doch sie haben andere Wege gefunden, ihre Umgebung wahrzunehmen.»

Vorausschauende Kiefern

Auch wenn sie kein Gehirn haben, so können sie doch vorausschauend handeln. So hat ein Team von Wissenschaftlern aus Berlin kürzlich entdeckt, dass Kiefern die Sexuallockstoffe ihrer Feinde wahrnehmen. Das sind Duftstoffe, mit denen die Weibchen Männchen für die Paarung anlocken.

Im Labor hatten die Forscher die Bäume mit diesen Lockstoffen bedampft und gesehen, dass die Kiefern vermehrt Substanzen in ihren Nadeln produzieren, die Insekteneier abtöten.

Bäume erkennen Sexualpheromon

«Die Bäume erkennen also, dass das Sexualpheromon in der Luft ist und bald Eier abgelegt werden», so Norbert Bittner von der Freien Universität Berlin. «Sie bereiten sich darauf vor, indem sie dort, wo die Insekten ihre Eier ablegen, giftige Stoffe produzieren.»

Die Bäume sparen durch diese ausgeklügelte Strategie Energie. Denn Giftstoffe zu produzieren ist aufwändig und lohnt sich nur dann, wenn die Kiefer wirklich von Schädlingen angegriffen wird. Auch dieses Beispiel zeigt: Pflanzen kennen viele Wege, ihre Umwelt zu erkennen und zu beeinflussen.

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