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Space Farming erklärt in 100 Sekunden
Aus 100 Sekunden Wissen vom 02.11.2020.
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Space Farming Warum Gärtnern auf dem Mars überlebenswichtig ist

Astronauten brauchen Essen, Wasser, Sauerstoff. Pflanzen werden daher wichtige Gefährten für eine Mars-Mission sein.

Es hört sich an wie Science-Fiction, ist aber ganz geerdete Wissenschaft. Wenn die NASA wirklich wie geplant, irgendwann ab 2030 ihren ersten bemannten Flug zum Mars schickt, werden die Astronautinnen und Astronauten nicht nur einen Grundstock an Nahrung mit sich führen.

Sie werden wahrscheinlich mit einer Art Gewächshaus unterwegs sein, um mitgebrachte Pflanzensamen und Keimlinge zum Wachsen zu bringen. Selbst gezüchtete Sojabohnen, Weizen, Salat oder anderes Gemüse sind der Schlüssel für das Gelingen ihrer Mission.

eine Visualisierung, wo ein Mann Gemüse erntet im Treibhaus auf dem Mars
Legende: In Gewächshäusern können Sojabohnen, Salat, Spinat oder Tomaten auch in einer Nährlösung wachsen. Pat Rawlings/NASA

Pflanzen sind wahre Alleskönner. Sie liefern neben wichtigen Nährstoffen auch alles Weitere, was wir Menschen zum Überleben brauchen: sauberes Wasser, Sauerstoff, selbst Baumaterialien lassen sich gewinnen.

Astronauten als Weltraum-Farmer

«Space Farming, also der Anbau von Pflanzen im All, ist entscheidend, wenn wir uns eines Tages auf Langzeitmissionen ins Weltall wagen – sprich, eine interplanetare Spezies werden wollen», sagt Grace Crain, Astrobiologin an der ETH Zürich.

Eine Frau steht in einem Labor neben einem Pflanzenbeet
Legende: Die Weltraum-Agronomin Grace Crain hofft, dass Erkenntnisse aus ihrer Forschung auch auf der Erde Anwendung finden. zvg

Sie forscht derzeit am europäischen Raumfahrtprojekt Melissa, Link öffnet in einem neuen Fenster, dessen Ziel es ist, ein regeneratives Lebenserhaltungssystem für Langzeitmissionen im All zu entwickeln.

Denn Astronauten auf Mars-Missionen haben ein Problem: Die Menge an Nahrung, Vitaminen, Wasser und Sauerstoff, die sie für ihren Aufenthalt bräuchten, können sie nicht mit sich bringen.

Und regelmässige Versorgungslieferungen sind nicht nur viel zu teuer, sondern aufgrund der Planetenkonstellation nur selten möglich. Die Astronauten müssen also selbst anbauen – vor Ort.

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Andere Gesetze als auf der Erde

Das ist leichter gesagt als getan. Denn im All gelten andere Gesetze als auf dem irdischen Acker.

Die Schwerkraft zum Beispiel ist viel geringer oder – wie auf der Internationalen Raumstation ISS – fast gar nicht vorhanden. Es gibt weniger Sonnenlicht für das Pflanzenwachstum und keine Atmosphäre, die vor schädlicher Strahlung schützt. Zudem finden sich auf dem Mars keine Böden, die für den Ackerbau geeignet wären.

«Jeder Astronaut wäre gestorben!»

«Der Mars enthält die für Menschen toxischen Salze der Perchloritsäure», erklärt Grace Crain und erwähnt den Blockbuster «The Martian» mit Matt Damon in der Hauptrolle.

ein Astronaut begutachtet eine Pflanze
Legende: In «The Martian» kämpft Matt Damon als einziger Mensch auf dem Mars ums Überleben und schafft es, Kartoffeln anzupflanzen. Giles Keyte / 20th Century Fox via AP

«Hier war der sonst ziemlich faktentreue Film einfach falsch. Kein Astronaut hätte es überlebt, wenn er für so lange Zeit Gemüse aus dem Marsboden gegessen hätte!».

Gewächshäuser im Mini-Format

Dass dereinst riesige Traktoren über den Marsboden pflügen, ist also unwahrscheinlich. «Eher werden wir Erdlinge erst mal Gewächshäuser aufstellen und darin kleine Kopien des Kreislaufs unserer Erde erzeugen», sagt Astrobiologin Grace Crain.

zwei Männer in einer Raumstation essen frischen Salat
Legende: Vor fünf Jahren testen Astronauten den ersten im All angebauten Salat auf der ISS. Nasa

Die Astronauten bringen wertvolle Güter mit: Fäkalien, die als Dünger wirken. Kohlendioxid, das die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Bakterien, die sich für die Gewinnung von Nährstoffen einsetzen lassen. Die damit gezüchteten Pflanzen wiederum würden daraus sauberes Wasser, Luft und Nahrung produzieren. Der perfekte Kreislauf.

Ein Stückchen Heimat

Die Gewächshäuser müssten gut geschützt gebaut werden, in Höhlensystemen zum Beispiel. Dort wären sie geschützt vor kosmischer Strahlung und Meteoriten-Einschlägen. Für die nötige Energie könnten Solarzellen oder ein kleines Atomkraftwerk sorgen.

Die Mars-Pioniere hätten so in jeglicher Hinsicht auf dem Millionen von Kilometern entfernten Planeten ein kleines Stückchen Heimat.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, 100 Sekunden Wissen, 2.11.2020, 06:54 Uhr

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