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Der Vogelfederndiebstahl und die Folgen
Aus Kultur-Aktualität vom 08.01.2019.
abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
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Wahrer Museumskrimi Ein Scherbenhaufen aus Vogelfedern

Zwei Männer stehlen in Museen Tausende von wertvollen Vogelfedern. 2012 fliegen sie auf – und für die Museen beginnen die Probleme erst.

Reihenweise Bundesordner voller Vogelfedern, sauber verpackt in Plastikmäppchen: Der gestohlene Schatz lagert in einem Schrank im fünften Untergeschoss des Naturhistorischen Museums Basel.

Brachiale Diebe – aber mit Fachwissen

Schön sind sie, diese Federn. Wundervoll gemustert die einen, andere so lang wie ein ausgestreckter Arm. Matthias Borer, der Leiter Biowissenschaften, kann es kaum fassen.

«Die beiden Federdiebe hatten ein grosses Fachwissen», sagt er. Aber da sei auch das Destruktive an ihrer Tat. Die Diebe seien sehr brachial vorgegangen, erklärt Borer. «Es wurde wirklich gerupft.»

Acht Museen, ein Motiv

Unter dem Vorwand, sie wollten ein Buch über Vogelfedern schreiben, hatten sich die Diebe Zugang zu den Archiven verschafft. In mindestens acht Museen – neben Basel zum Beispiel auch in Bern, Neuenburg, Berlin und Wien.

Der Antrieb der Federdiebe: pure Sammelwut. Ihr Ziel: Federn von möglichst allen Greifvogelarten der Welt zu sammeln. Auch von extrem seltenen, exotischen Tieren.

Das Loch im Flügel

Im Archiv zeigt Matthias Borer eine Harpyie – einen gewaltigen Vogel aus Mittelamerika. Seit mehr als 140 Jahren ist dieses Präparat im Besitz des Naturhistorischen Museums Basel.

Ein ausgestopfter Raubvogel.
Legende: Gut zu erkennen: das Loch am rechten Flügel der Harpyie. Die Diebe gingen brachial vor. Matthias Borer / Naturhistorisches Museum Basel

Am rechten Vorderflügel der Harpyie klafft ein Loch. Auch dieses Präparat aus dem Jahr 1876 wurde von den beiden Vogeldieben gerupft. «Das kann man nicht mehr reparieren», sagt Borer.

Die wenigsten der gerupften Vögel wird man je wiederherstellen können.

Welche Feder gehört wohin?

Aber erst einmal müssen die Federn zurück in die Museen, in denen sie gestohlen wurden. Es geht um die Vollständigkeit wissenschaftlicher Sammlungen.

«Die Schwierigkeit ist, dass ein Grossteil der Arten in verschiedenen Sammlungen gerupft wurde», sagt Borer. «Art A zum Beispiel wurde in Basel gerupft – aber eben auch in Stuttgart und Wien.»

Das Problem: Die Diebe haben nicht notiert, aus welcher Sammlung welche Federn stammen – und haben sie dann auch nicht separat aufbewahrt.

Bitte melden!

Seit einigen Wochen nun liegt das Diebesgut im Naturhistorischen Museum Basel. Polizei und Staatsanwaltschaft haben die vielen beschlagnahmten Federn vorsortiert. Mitarbeiter des Museums haben insgesamt 2500 Fotografien davon gemacht und Listen erstellt.

Jetzt überprüfen alle betroffenen Museen ihre Sammlungen und melden, von welchen Raubvogel-Arten bei ihnen Federn gestohlen worden sind. Und dann werden die Federn zurückgegeben – sofern man sie zuweisen kann.

«Das können wir nicht aufwenden»

Könnten vielleicht DNA-Analysen helfen, dieses gigantische Puzzle zu lösen? Theoretisch schon, sagt Matthias Borer, praktisch aber nicht. Man müsste Proben von zehntausenden Vögeln und zehntausenden Federn nehmen.

Aber das würde kosten. Eine halbe Million Franken oder mehr, schätzt Matthias Borer. «Das können wir nicht aufwenden.»

Irreparable Schäden

Schon jetzt ist klar: Es wird nicht möglich sein, alle Federn zuzuweisen. Eine Menge wird übrig bleiben. Der Plan ist, dann gemeinsam mit den anderen Museen auszuhandeln, wer was bekommt.

So oder so: Der Aufwand ist riesig. Und ebenso riesig ist der Schaden, der bleiben wird. Ein Schaden – angerichtet aus Habgier und Sammelwut.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 8.1.2019, 17.20 Uhr

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