Blackout Was Sie über Strom in der Schweiz wissen müssen

Wieviel Strom verbrauchen wir jährlich in der Schweiz? Und für was überhaupt? Bringt Stromsparen im Haushalt überhaupt etwas? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Strom in der Schweiz.

Strommasten im Nebel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit rund 10 Jahren bleibt der Stromverbrauch in der Schweiz mehr oder weniger gleich – dank effizienteren Endgeräten. Keystone

Wieviel Strom wird in der Schweiz jedes Jahr verbraucht?

2015 wurden in der Schweiz 58‘246 Gigawattstunden (GWh) Strom verbraucht. Eine Gigawattstunde ist ungefähr die Energiemenge, die ein grosses Atomkraftwerke wie Gösgen oder Leibstadt in einer Stunde produziert.

Die Schweiz verbraucht damit etwa 1 Prozent von dem, was der grösste Stromverbraucher China pro Jahr benötigt. Dennoch: Beim Stromverbrauch pro Kopf liegt die Schweiz in den Top 20.

Der Grund dafür ist, dass die Schweiz sehr früh angefangen hat zu elektrifizieren. Unsere Bahnen fahren alle elektrisch. Wir haben sehr viele Elektroherde und Elektroboiler. In Basel gibt es auch die Absurdität, dass die Blockheizkraftwerke der IWB über Mittag mit Gas Strom machen, sodass die Leute in den alten Häusern mit Gasanschluss elektrisch kochen können.

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Thementag Blackout

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Was geschieht, wenn in der Schweiz der Strom tagelang ausfällt? Hintergründe, Videos, ergänzende Informationen und Experten-Chats zum Thema:

www.srf.ch/blackout

Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch ist nicht per se schlecht, er hat lediglich gute und schlechte Gründe: Bevorzugt man eine Bahn, die nicht mit Strom fährt und dafür Abgase verursacht? Wie wird der Strom produziert? Aus Kohle oder Wasser?

Für was wird in der Schweiz so viel Strom verbraucht?

Der Stromverbrauch entfällt in der Schweiz etwa zu gleichen Teilen auf die folgenden Bereiche:

  • Haushalte (32 Prozent)
  • Industrie und verarbeitendes Gewerbe (31 Prozent)
  • Dienstleistungssektor (27 Prozent).

Eine kleinere Rolle spielen der Verkehr (8 Prozent) und der Landwirtschaftssektor (1.7 Prozent). Im Gegensatz zu immer mehr andern Ländern ist in der Schweiz der Stromverbrauch im Winter am höchsten. Länder mit Sommer-Peak haben viele Klimaanlagen, die bei uns nicht erlaubt sind.

Aber Achtung: Wir sprechen hier nicht vom Gesamtenergieverbrauch, sondern nur von der Elektrizität. Der Anteil der Elektrizität am gesamten Energieverbrauch der Schweiz belief sich im Jahr 2015 auf 25 Prozent. Weitere grosse Positionen im Gesamtenergieverbrauch sind Gas (13.5 Prozent), Treibstoffe (16 Prozent) und Erdölbrennstoffe (34.7 Prozent).

Nimmt unser Stromverbrauch wirklich stetig zu?

Ja und Nein. Seit rund 10 Jahren bleibt der Endverbrauch mehr oder weniger gleich: Er schwankt in einem Bereich zwischen rund 57‘000 und 59‘000 GWh. Setzt man den Stromverbrauch in Bezug zur Bevölkerungszahl, dann nimmt der Pro-Kopf-Verbrauch aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl seit dem Höchststand vor 10 Jahren sogar leicht ab.

Wieso bleibt der Gesamtstromverbrauch in etwa gleich – es sind ja immer mehr Leute, die immer mehr elektronische Geräte besitzen?

Elektrische Heizungen sind seit einigen Jahren verboten. Zudem wurden in den letzten Jahren sehr viele Elektroboiler durch sehr viel effizientere Wärmepumpenboiler ersetzt. Heisswasseraufbereitung braucht ungefähr einen Drittel des in einem Haushalt verbrauchten Stroms. Ebenfalls ins Gewicht fallen dürfte, dass nun zunehmend sehr viel effizientere Kühlschränke und Waschmaschinen im Einsatz sind.

Bringt es als Einzelperson überhaupt etwas, Strom zu sparen? Der grösste Verbraucher ist doch sowieso die Industrie…

Selbstverständlich bringt es das. Wenn sich Einzelpersonen alle gleich verhalten, ergibt sich ein Schwarm-Effekt, der Probleme verstärken oder abschwächen kann. Und damit haben auch Einzelpersonen ein grosses Gewicht im Stromsystem.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die japanische Regierung ihre Bürger dazu ermutigt, im Sommer nicht mehr in Anzug und Krawatte zur Arbeit zu kommen, damit in den Büros weniger gekühlt werden muss. Weil die einzelnen Mitarbeiter das befolgt haben, ging der Stromverbrauch deutlich zurück.

Wie wird der in der Schweiz produzierte Strom hergestellt?

Im Jahr 2015 stammte der in der Schweiz produzierte Strom aus folgenden Quellen:

  • Wasserkraftwerke: 59.9 Prozent
  • Kernkraftwerke: 33.5 Prozent
  • Konventionell-thermische Kraftwerke und andere: 6.6 Prozent (Dazu zählt Strom, der beispielsweise in Kehrichtverbrennungsanlagen, Fernheizkraftwerken oder durch Photovoltaikanlagen produziert wird.)

Wieviel Strom importiert und exportiert die Schweiz?

Im Jahr 2015 hat die Schweiz 42‘306 GWh importiert und 43‘341 GWh exportiert. Die exportierte Menge Strom überstieg also (wie meistens in den letzten Jahren) den importierten Strom.

Auffällig ist: Die Menge des importierten und exportierten Stroms ist sehr gross – auch wenn man zum Vergleich den jährlichen Landesverbrauch heranzieht. Der Landesverbrauch betrug 2015 62‘626 GWh.

Eigentlich ist es aber Unsinn von Import- und Export zu reden. Die Schweiz ist Teil des Europäischen Verbundnetzes, des weltweit grössten derartigen Netzes. Es hat seinen Ursprung in Laufenburg. Das kleine Aargauer Städtchen ist sozusagen seit 1958 das «Strom-Rütli» Europas. Das Verbundnetz verhilft allen Teilnehmern zu einer wesentlich stabileren Stromversorgung. So fliesst rund 11-mal mehr Strom durch die Schweiz als hier gebraucht wird. Damit helfen wir unsern Nachbarn ihre Netze stabil zu halten – und sie helfen uns ebenfalls dabei.

Weshalb wird so viel Strom importiert – wenn wir fast gleich viel Strom exportieren?! Könnte man es dann nicht auch gleich sein lassen?

Ein wichtiger Grund ist der Stromhandel (siehe letzte Frage) – und der Ort an dem der Strom ins Netz eingespiesen wird. So kann ein Kraftwerk oft Strom auch dann nicht liefern, obwohl ein Abnehmer da wäre und das Kraftwerk laufen könnte – dann nämlich, wenn die Leitung zwischen dem Kraftwerk und dem Abnehmer bereits überlastet ist. Dann muss ein anderes Kraftwerk, jenseits dieses Engpasses gefunden werden, das den entsprechenden Strom produziert. Dieses Verfahren nennt sich «Re-Dispatch», und das andere Kraftwerk ist dann oft im Ausland. Umgekehrt produzieren Schweizer Kraftwerke oft im Re-Dispatch-Verfahren Strom für Süddeuschland, weil in Bayern die nötigen Hochspannungsleitungen fehlen.

Was ist ein Blackout?

Unter einem Blackout versteht man einen mittel- bis langfristigen Stromausfall oder Totalausfall. Sehr lange Ausfallszeiten im Bereich von Tagen bis zu einigen Wochen sind meist mit grossräumigen Schäden an der Infrastruktur verbunden (z.B. zerstörte Leitungen als Folge extremer Wetterereignisse im Winter).

Wie oft kommen Blackouts in der Schweiz jedes Jahr vor?

Die Schweizer Stromversorgung ist eine der stabilsten der Welt. Im Durchschnitt hat man hier nur während 20 Minuten jährlich keinen Strom.

Wie teuer ist ein Blackout und wer muss die Kosten dafür tragen?

Das kommt sehr darauf an, wo er stattfindet, zu welcher Tageszeit und wie lange er dauert und zu welcher Tageszeit. Ein Blackout zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens wird so gut wie nichts kosten, einer zwischen Mittag und 3 Uhr Nachmittags sehr viel. Eine Faustregel sagt, dass ein landesweiter Blackout die Volkswirtschaft pro Minute eine Milliarde Franken kostet. Doch die Berechnungsgrundlage ist sehr umstritten. Die Kosten dafür trägt auf jeden Fall zum grössten Teil die Allgemeinheit.