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Weltraumteleskop Cheops «Wenn jetzt noch etwas schiefgeht, wäre das eine Katastrophe»

Es ist eine grosse Sache für die Schweizer Weltraumforschung: Cheops ist das erste Projekt der Europäischen Weltraumorganisation unter Schweizer Leitung. Im Satellit eingebaut ist ein Teleskop der Universität Bern, welches Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems erforscht. Bevor der Satellit ins All geschossen wird, muss er die letzten Tests überstehen.

Willy Benz

Willy Benz

Chef der CHEOPS Mission

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Willy Benz ist Professor für Physik und Astrophysik an der Universität Bern. Er ist der wissenschaftliche Leiter der CHEOPS Mission. Diese erforscht Planeten ausserhalb des Sonnensystems.

SRF: Was wurde in dieser letzten Phase in Zürich getestet?

Willy Benz: In Zürich bei Ruag haben wir getestet, wie und ob der Satellit einen Start in der Rakete überstehen kann. Die Vibrationen, die beim Raketenstart erzeugt werden, sind enorm. Das kann ein komplexes Gebilde wie einen Satelliten zerstören. Aber die gute Nachricht ist: Alles ist gut gegangen.

Einen Raketenstart zu simulieren, ist bestimmt heftig. Wie läuft das ab?

Ja, das macht richtig Bauchweh! Man muss sich vorstellen, dass mein Team und ich während mehreren Jahren an dem Satelliten gearbeitet haben – mit weissen Handschuhen und einer Maske – sprich mit grösster Vorsicht. Plötzlich schraubt man dieses kostbare Projekt auf einen Tisch, der vibriert. Der ganze Satellit schüttelt unglaublich stark und es macht viel Lärm.

Legende: Video Das ist der Cheops-Satellit (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.08.2018.

Es sind noch nicht alle Tests vorbei. Was sind die nächsten Etappen, die der Cheops-Satellit noch zu absolvieren hat, bevor er ins All geschossen wird?

Der Satellit wird mit dem Lastwagen nach Holland in die technische Anlage der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) transportiert. Dort werden akustische Tests durchgeführt.

Ein Raketenstart erzeugt enorm viel Lärm. Das ist wie bei einem Rockkonzert, wo man die Vibrationen im Bauch spürt. Das Gleiche gilt für einen Satelliten auf einer Rakete. Bei der ESA testen sie nun, ob der Satellit auch den Lärm in der Rakete übersteht.

Cheops Weltraumteleskop

Infografik: Cheops Weltraumteleskop

Was könnte jetzt noch schiefgehen?

Bei diesen akustischen Tests können sich Schrauben lockern oder etwas im Innern des Satelliten kaputtgehen – das wäre eine echte Katastrophe. Wir müssten den ganzen Satelliten demontieren, um ihn reparieren zu können. Es käme zu einer enormen Verzögerung des Projekts.

Ich schlafe erst wieder gut, wenn der Satellit im All ist und exakte Daten liefert.

Natürlich hoffen wir, dass alles gut läuft. Aber in der Testphase kann noch einiges schiefgehen und natürlich beim richtigen Raketenstart selbst. Der Launch ist der schlimmste und stressvollste Moment im ganzen Projekt. Ich schlafe dann wieder gut, wenn der Satellit im All ist und die Daten liefert, die wir erwarten.

Legende: Video Was mit Cheops erforscht werden soll abspielen. Laufzeit 00:52 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.08.2018.

Sie wollen Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems erforschen. Was erhoffen Sie sich genau von diesen neuen Erkenntnissen?

Cheops entdeckt eigentlich keine neuen Planeten. Der Satellit soll die Grösse und die Masse bekannter Planeten ausmessen. Aus diesen Informationen wollen wir analysieren, woraus die Planeten bestehen.

Auf einem schweren Planet, der gleichzeitig klein ist, ist wahrscheinlich Stein vorhanden. Hingegen ein grosser und leichter Planet ist eher ein Gasplanet. Mit Cheops erhofft man sich die Zusammensetzung von diesen Planeten besser kennenzulernen.

Auf dem Satelliten werden auch zwei Titanplatten angebracht. Darauf sind über 2700 Kinderzeichnungen eingraviert. Diese Platten werden heute Nachmittag vom Bundesrat Johann Schneider-Ammann enthüllt. Was hat es mit diesen Kinderzeichnungen auf sich?

Die Idee war, unsere Begeisterung für Weltraumforschung weiterzugeben. Mit dem Zeichnungswettbewerb wollten wir die Vorstellungen der Kinder über Planeten und Satelliten sammeln. So baut man sich ein Fanclub auf: Nun werden rund 3000 Kinder Cheops während seiner Mission verfolgen.

Tausende Zeichnungen und ein Satellit: Wie geht das?

Die Fachhochschule in Burgdorf hat einen Prozess entwickelt, der es ermöglicht, die Zeichnungen zu miniaturisieren. Jetzt ist eine Zeichnung ein Millimeter gross und so kann man diese 3000 auf Plaketten eingravieren, auf dem Satelliten montieren und mit Cheops ins All schiessen. Während dreieinhalb Jahren kreisen nun auch die Zeichnungen um die Erde – eine fantastische Gelegenheit für die Kinder.

Das Gespräch führte Matthias Von Wartburg.

Sendung: HeuteMorgen, SRF 4 News, 27.8.2018, 06.00 Uhr

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