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Wildbienen vs. Honigbienen Die starke Schwester reicht nicht aus

Um Pflanzen zu bestäuben, setzen Landwirtschaftsbetriebe vermehrt auf Wildbienen – eine Win-win-Situation. Das Problem des Bienensterbens ist damit aber nicht gelöst.

Legende: Video Wo Wildbienen helfen – und wo nicht abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Kultur vom 12.09.2018.

Sie ist flink, fleissig und vor allem robust: Die Mauerbiene ist eine Wildbienenart, die auf Bauernhöfen gut ankommt. Landwirte greifen gerne auf ihre Hilfe zurück, um ihre Pflanzen zu bestäuben. Sie sichern sich damit ihre Ernte und auch ihre Existenz.

Je nach Wetterlage beginnt diese Biene bereits Mitte März mit der Bestäubung. Sie scheut weder tiefe Temperaturen noch Wind und Wetter.

Laut Biologe Thomas Strobl bietet die Wildbiene einen weiteren grossen Vorteil: Sie kann sie sich sehr gut vor pestizidhaltigen Substanzen schützen.

Zwei Mauerbienen
Legende: Widerstehen Pestiziden: Mauerbienen sind weniger anfällig als Honigbienen. Wikipedia/ André Karwath

Wenn sie erkennt, dass etwas Schädliches gespritzt wird, flüchtet sie sofort. Studien zeigen zudem auf, dass sie eine höhere Toleranz gegenüber gewissen pestizidhaltigen Stoffen hat. All dies spricht für den Einsatz der Mauerbienen im Landwirtschaftsbetrieb.

Kein Ersatz für die Honigbiene

Ist der Einsatz von Mauerbienen also die Lösung für das rätselhafte weltweite Bienensterben der letzten Jahrzehnte? Nein, sagen Imker: Die Mauerbiene ist kein Ersatz für Honigbienen. Sie stellt als reine Bestäuberin keinen Honig her.

Honigbienen dagegen sind weniger robust und deshalb stärker vom Bienensterben betroffen. Obwohl die Gründe dafür noch nicht restlos geklärt sind, kritisieren Imker, dass nach wie vor giftige Substanzen im Umlauf seien, welche über den Boden in die Blüten und Pollen gelangen würden.

Steigende Lebensmittelpreise und Ernährungsprobleme

Mauerbienen weisen als Spezies zudem einen weiteren Überlebensvorteil aus: Sie bauen ihre Nester alleine und leben nicht im Superorganismus wie ihre honigproduzierenden Artgenossinnen. Ist eine Biene einem Pestizid ausgesetzt, stirbt nicht gleich ein ganzes Volk.

Die Innenansicht eines Bienenstocks.
Legende: Superanfälliger Superorganismus: Ist ein Bienenstock mit Pestiziden verunreinigt, stirbt ein ganzes Volk. Wikipedia/ Waugsberg

Mauerbienen können also Bauern beim Bestäuben helfen, ersetzen die Honigbienen aber nicht. Wird in Sachen Bienensterben keine Lösung gefunden, wird die Gesellschaft in Zukunft wohl mit grossen Problemen konfrontiert werden.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Wollen wir Honig u.Bestäubung, braucht es beide, Wildbienen+Honigbienen. Biologe Ch.Schüepp hat die Bestäubung aus der Nähe mit Videoaufnahmen von Kirschblüten im BE Mittelland dokumentiert (SRF Dok). Die Wildbienen erreichten bei der gleichen Anzahl an Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz als die Honigbiene. Was gemäss Ch.Schüepp dafürspricht, dass wildlebende Insekten effizienter sind. Kluge Bauern fördern also ihre Helfer mit einer Artenvielfalt an Wildblumen u.Niststrukturen.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Die Suche nach einer pestizidrestsitenten Bestäubungsrasse? Was für ein trauriges Bild unseres Fortschrittes und unserer Gesellschaft. 70% aller Insekten sind in den letzten 30 Jahren verschwunden und wir merken nicht, das wir etwas grundlegendes verändern müssen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    "Die Mauerbiene" Es gibt allein in der CH Dutzende Arten von Mauerbienen u.gesamthaft ca 600 Wildbienenarten. Erwähnenswert auch, dass ein Grossteil von ihnen gefährdet, sehr stark gefährdet od.schon ausgestorben ist. Viele Wildbienen sind Spezialisten, nisten nur in bestimmten Strukturen, sammeln Pollen für ihren Nachwuchs nur an bestimmten Blüten, fallen die weg, stirbt die Population aus. Deshalb sollten bei einheimischen Blumen u.Sträuchern die Wünsche der Spezialisten berücksichtigt werden.
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