Aus Badehose wird Wasserhose

Warme Seen und kalte Luft in der Höhe, die perfekte Kombination für Wasserhosen. Am Freitag und am Wochenende könnte es theoretisch wieder so weit sein. Dieses seltene, spektakuläre Phänomen beobachtet man mit Glück auf einem See in Voralpennähe.

Der Himmel unter der Wolke ist dunkelgrau. Die Seeoberfläche weist verwirbelte Spuren auf. Die Säule der Wasserhose ist gebeut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wasserhose Richterswil/ZH Das Boot in unmittelbarer Nähe der Wasserhose vom 5. September 2015. Bruno Syfrig

Eine Wasserhose über einem Schweizer See ist ein seltenes und sehr kurzlebiges meteorologisches Phänomen. Doch am Freitag und am kommenden Wochenende sind einige grundsätzliche Bedingungen erfüllt.

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Tornado vs. Wasserhose

Wasserhose und Tornado gehören zu den Tromben. Der Tornado gehört zu den Grosstromben und übertrifft die Wasserhose in seiner Rotationsgeschwindigkeit deutlich, tritt meist über Land und im Zusammenhang mit einer rotierendenden Super-Gewitterzelle auf. Die Wasserhose erscheint nur über Wasser und kann zum Beispiel im Mittelmeer zerstörerisch sein.

Die Oberflächentemperaturen der Seen im Flachland und in Voralpennähe sind zurzeit hoch. Viele Seen sind zurzeit knapp über 20 Grad warm. Auf Ende der Woche gelangt ein atmosphärischer «Kaltlufttropfen» zu uns und bringt kühle Atlantikluft. Der grosse Temperaturunterschied zwischen der warmen Seeoberfläche und der kalten Luft in der Höhe ist eine von vielen Voraussetzungen für das Erscheinen einer Wasserhose. Eine weitere wichtige Grösse ist Änderung des Windes mit der Höhe. Die zeitweise starke vertikale Windscherung in den nächsten Tagen könnte die Entstehung einer Wasserhose verhindern.

Zwei Wasserhosen über dem Zürichsee

Am 5. September vor einem Jahr und am 6. August vor einem Monat tauchte über dem Zürichsee plötzlich ein filigraner Wolkenrüssel an der Unterseite einer Wolke auf. Diese schwach rotierende Wasserhose berührte die Seeoberfläche und sorgte für spektakuläre Fotos. Ein Mitglied des Segelclubs Herrliberg war am Vormittag des 5. Septembers 2015 mit dem Motorboot auf dem See unterwegs. Beim Erscheinen der Wasserhose näherte er sich der gespenstigen Wolkensäule vorsichtig und war erstaunt über den sehr schwachen Wind in unmittelbarer Nähe des Rüssels.