Letzte Woche gab es in den Bergen viel Neuschnee und in den westlichen Alpen galt vorübergehend die höchste Lawinenwarnstufe.
Nun kommt diese Woche der Frühling mit aussergewöhnlich hohen Temperaturen. Die Nullgradgrenze klettert auf rund 3000 Meter und auf 2000 Meter liegen die Höchstwerte am Mittwoch bei etwa 10 Grad.
Die Schneedecke durchläuft je nach Temperatur und Feuchtigkeit folgende Prozesse:
- Sublimation: Liegen die Temperaturen nur einige Grad über dem Gefrierpunkt und die Luft ist äusserst trocken, werden die Eiskristalle des Schnees nicht flüssig. Es gehen lediglich einige direkt in Dampf über. Der Schnee bleibt dabei pulvrig. Dieser Prozess ist langsam und setzt der Schneedecke kaum zu.
- Schmelzen: Ist die Luft zwar noch trocken aber sehr mild, finden zwei Umwandlungen gleichzeitig statt: Die Eiskristalle wandeln sich sowohl in Dampf (langsam) wie auch in flüssiges Wasser um (schnell).
- Tauen: Wenn die Luft warm und feucht ist, d.h. der Taupunkt ist über 0 Grad, wandeln sich die Eiskristalle ausschliesslich in flüssiges Wasser um. Dieser Prozess ist sehr effizient, die Schneedecke wird dabei rasch kleiner. Oft bezeichnen wir dies als «Tauwetter».
Oberhalb von etwa 2000 Metern bleibt die Schneedecke meist intakt oder leidet höchstens an sonnenexponierten Stellen, auch wenn sie immer mehr zusammensackt. Der Grund ist die trockene Luft, d.h. der Taupunkt liegt deutlich unter 0 Grad.
Im Detail erklärt von Luzian Schmassmann:
Unterhalb von 1500 bis 1700 Metern wirkt mit den frühlinghaften Temperaturen und feuchterer Luft der effektivere Tauprozess. In mittleren Lagen nimmt die Schneedecke deutlich schneller ab als in der Höhe, wo kein Tauen stattfindet.
Lawinengefahr bleibt erheblich
Gemäss dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF herrscht in vielen Teilen der Alpen weiterhin die dritthöchste Gefahrenstufe «erheblich»:
Es ist nicht auszuschliessen, dass sich in den nächsten Tagen noch die eine oder andere erstaunlich grosse Lawine lösen kann. Zudem dürfte die Aktivität von Gleitschneelawinen in den nächsten Tagen unterhalb von rund 2400 m weiter befeuert werden.