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Themenwoche «Fakt oder Fake?» Von Kältepeitschen bis zu brütender Hitze

Langfristprognosen zeigen unter anderem Temperaturtrends. Oft werden daraus Meldungen über bevorstehende Ereignisse konstruiert, die auch uns Meteorologinnen und Meteorologen zum Staunen bringen.

Temperatur-Trends: kälter oder wärmer als üblich?

Detaillierte Prognosen mit einem konkreten Ablauf von Temperatur, Bewölkung, Niederschlag und Wind sind je nach Wetterlage für drei bis acht Tage in die Zukunft möglich. Für die Zeit danach gibt es Trendberechnungen - sie zeigen beispielsweise, ob die Temperatur eher über oder unter dem langjährigen Mittel liegt.

Europakarte mit wöchentlichen Temperaturabweichungen.
Legende: Trend erste Februarwoche in Europa: in der Schweiz 1 bis 3 Grad milder als üblich? European Centre for Medium-Range Weather Forecasts www.ecmwf.int

Was sagen uns solche Wetterkarten? Die Berechnung oben zeigt in der Schweiz für die erste Februarwoche eine Mitteltemperatur, die 1 bis 3 Grad über dem langjährigen Mittel liegt.

Kühle Wetterphase oder «Frostfaust»?

Eine nüchterne Analyse solcher Trendberechnungen ergibt in den meisten Fällen eine Prognosen ohne Superlative. Wetterberichte mit reisserische Titeln und Schlagzeilen werden dagegen insbesondere in Online-Medien gerne und häufig angeklickt. Und so kommt es regelmässig vor, dass ein und dieselbe Wetterlage je nach Quelle komplett unterschiedlich beschrieben wird.

Schwache Kaltfront bringt zeitweise Schneefall
Autor: Wetterdienst

Wirkung: Das würde mich nicht besonders beunruhigen.

Frostfaust schlägt zu, danach rollt eine Schneewalze über uns hinweg
Autor: Boulevard-Medien

Wirkung: Ich würde einen Schutzraum aufsuchen.

Verschneite Holzhütten im Winter.
Legende: Januar 2021 im Obergoms: Hier wäre der Begriff «Schneewalze» passend gewesen. Regula Tanner

Unser Tipp, falls Sie irgendwo im Netz über eine Wetter-Story mit reisserischem Titel stolpern:

  1. Falls Sie den Text lesen, tun Sie das unbedingt bis zum Ende. Häufig wird der Inhalt nach dem Sensations-Titel noch etwas relativiert. Man erfährt zum Beispiel, dass es den Meter Neuschnee doch nicht im Flachland, sondern nur in den Alpen gibt.
  2. Hat das Thema Ihr Interesse geweckt? Lesen Sie bei den Wetterdiensten nach, wie Meteorologinnen und Meteorologen die Lage einschätzen.

Deutschland ≠ Schweiz

Oft haben Sensations-Storys zum Wetter ihren Ursprung in Deutschland. Früher oder später schaffen es diese Schlagzeilen dann auch bis zu uns: Wird der nächste Sommer ein extremer Hitzesommer? Oder rauscht im Winter sibirische Kaltluft mit voller Wucht auf uns zu?

Europakarte mit wöchentlichen Temperaturabweichungen.
Legende: Trend zweite Februarwoche in Europa: unterdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands, aber nicht in der Schweiz. European Centre for Medium-Range Weather Forecasts www.ecmwf.int

Auch bei solchen Geschichten ist Vorsicht geboten: Nur weil die Frostluft Berlin erreicht, heisst das nicht, dass die Eiseskälte auch 750 Kilometer weiter nach Südwesten bis zu uns vorankommt. Und so bringt die «Kältepeitsche» in der Schweiz womöglich nur einen ganz normalen Temperaurrückgang von milden 8 Grad gegen den Gefrierpunkt.

Wie wird der Sommer?

Saisonprognosen zu ganzen Jahreszeiten haben ebenfalls Hochkonjunktur. Unsere Prognose: Schon in den kommenden Wochen prasseln wie jedes Jahr Meldungen über uns herein, wie brütend heiss und knochentrocken der kommende Sommer werden soll. Natürlich steigt in Zeiten des Klimawandels die Wahrscheinlichkeit für solche Extremereignisse. Aber ob der kommende Sommer oder erst der Sommer in drei oder sieben Jahren der nächste Hitzesommer wird, steht noch in den Sternen. Eines ist klar: Wenn man jährlich den nächsten Hitzesommer ankündigt, landet man früher oder später einen Treffer.

Wettervorhersagekarte für die Monate Mai, Juni und Juli, Temperaturanomalien in Europa.
Legende: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 % liegt die Temperatur in den Monaten Mai, Juni und Juli im oberen Drittel der Klimareihe. European Centre for Medium-Range Weather Forecasts www.ecmwf.int

Aktuelle Berechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) zeigen für den Frühsommer (Mai bis Juli), dass die Mitteltemperatur mit 60 bis 70 % Wahrscheinlichkeit im oberen Drittel der klimatologischen Verteilung der vergangenen Jahre liegt.

Die Mitteltemperatur

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Tages-Mitteltemperatur: Temperatur gemittelt über 24 Stunden. In trockener Luft mit klaren Nächten ergeben sich oft tiefere Mitteltemperaturen als in feuchter und wolkenreicher Luft. Dies zeigt ein Beispiel aus dem Sommer:

  1. trockene Luft: klare Nacht mit Tiefsttemperatur um 10 Grad, heisser Nachmittag mit Sonne pur und 30 Grad
  2. feuchte Gewitterluft mit Tiefstwert um 18 Grad, am Nachmittag 24 Grad

Obwohl die meisten Leute bei einer warmen Wetterphase spontan an Fall 1 denken, ist Fall 2 der wärmere.

Fazit: Der kommende Sommer wird wahrscheinlich - wie die vergangenen Sommer - überdurchschnittlich warm. Auf einen Rekord-Sommer deutet zumindest jetzt aber noch nichts hin.

Fakt oder Fake? – Die Themenwoche bei SRF

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Ab dem 26. Januar 2026 beleuchtet SRF das Thema Fake News eine Woche aus verschiedenen Blickwinkeln – mit Reportagen, Recherchen und Faktenchecks zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Alle Inhalte finden Sie hier auf der Übersicht zur Themenwoche «Fakt oder Fake?».

Meteostory SRF3, 27.1.26, 9:40 Uhr

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