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Auswirkungen der Zuwanderung in die Schweiz
Aus Rendez-vous vom 07.09.2020.
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10-Millionen-Schweiz «Begrenzungsinitiative»: der Blick hinter die Zahlen

Die Schweiz wächst, der Boden wird knapper. Solche Fakten plagen Gegner wie Befürworter der Personenfreizügigkeit.

Eine Zahl, die im Abstimmungskampf um die «Begrenzungsinitiative» immer wieder auftaucht: 1 Million. So viele Personen sind laut SVP in den 13 Jahren eingewandert, seit die volle Personenfreizügigkeit mit der EU gilt.

Die Folgen spüre man täglich, sagt Esther Friedli, SVP-Nationalrätin und Kampagnenleiterin: «auf den Strassen im Stau und im öffentlichen Verkehr. Aber auch dort, wo noch kürzlich eine Wiese war und jetzt Wohnblöcke stehen.»

Zwei Drittel aus EU, ein Drittel aus Drittstaaten

Fakt ist: Seit 2007 sind netto rund 959’000 Menschen in die Schweiz eingewandert. In der gleichen Periode wanderten 70’000 Schweizerinnen und Schweizer aus. Zwei Drittel der Zuwanderer – 650'000 – kamen aus EU-Staaten. Ein Drittel stammte aus Drittstaaten und hatte nichts direkt mit Personenfreizügigkeit zu tun.

FDP-Nationalrat Kurt Fluri kennt die Wachstumsprobleme. Der Stadtpräsident von Solothurn und Präsident des Städteverbandes sagt: «Es gibt Herausforderungen, aber die sind bisher bewältigbar.» Eine vor fünf Jahren gemachte Studie zeige, dass die Vorteile der Zuwanderung aus dem EU-Raum mehr Vor- als Nachteile brächten. So sei die Schweiz etwa auf gute Fachkräfte aus der EU angewiesen.

Es gibt Herausforderungen, aber die sind bisher bewältigbar.
Autor: Kurt FluriNationalrat FDP, Präsident des Städteverbandes

Knappes Land

Eine andere Zahl: 450'000 Wohnungen. So viele brauchten laut SVP eine Million Zuwanderer. Auch dass innerhalb von 13 Jahren Siedlungsfläche im Umfang von 57’000 Fussballfeldern überbaut wurde, bestätigt das Bundesamt für Statistik. Alles wegen der Zuwanderung, so die SVP.

Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung für Landschaftsschutz, widerspricht: «Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Anzahl Menschen und Bodenverbrauch. Aber wir leisten uns pro Kopf immer noch zu viel Ressourcen. Das ist vor allem anzusetzen, und nicht an der Anzahl Personen an sich.»

Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl Menschen und dem Bodenverbrauch. Aber wir leisten uns pro Kopf immer noch zu viel Land und Ressourcen.
Autor: Raimund RodewaldGeschäftsführer der Stiftung für Landschaftsschutz

Mehr Leute – mehr Mobilität

Anderer Meinung ist Andreas Thommen, Gemeindepräsident und Geschäftsführer von Ecopop, einer konservativen Vereinigung von ökologischen Wachstumskritikern: Die Wohnfläche pro Kopf stagniere seit zehn Jahren auf hohem Niveau, trotzdem werde immer mehr verbaut: «Mehr Leute bedeuten mehr Mobilität. Das braucht mehr Strassen, Spitäler, Schulen und Restaurants. Da wird dann also doch viel grünes Land zubetoniert.»

Mehr Leute bedeuten mehr Mobilität. Das braucht mehr Strassen, neue Spitäler, Schulen und Restaurants. Da wird dann also doch viel grünes Land zubetoniert.
Autor: Andreas ThommenGeschäftsführer von Ecopop

Die 10-Millionen-Prognose

Die letzte prominente Prognose: die 10-Millionen-Schweiz. Diese komme bald, wenn man die Zuwanderung nicht selber steuere, sagt SVP-Nationalrätin Friedli: «Niemand will eine zubetonierte Schweiz, sondern eine lebenswerte – mit Feldern, Wiesen und Erholungsräumen zwischen Genf und Rorschach. »

Niemand will eine zubetonierte Schweiz, sondern eine lebenswerte - mit Feldern, Wiesen und Erholungsräumen zwischen Genf und Rorschach.
Autor: Esther FriedliNationalrätin SVP, Kampagnenleiterin

Die Zehn-Millionen-Schweiz ist kein Fakt, aber eine amtliche Prognose: Laut dem Bundesamt für Statistik dauert es je nach Entwicklung noch mindestens 30 Jahre, aber vielleicht auch nur noch zwölf Jahre, bis die Marke geknackt wird.

Verdichtung als Rezept

Laut den Statistikern macht die Zuwanderung drei Viertel des Bevölkerungswachstums aus. Fluri hält nicht allzu viel von solchen Prognosen, hänge doch das Bevölkerungswachstum stark vom Wirtschaftswachstum ab.

Die Schweiz sei gerüstet für zehn Millionen – ohne weitere Zerstörung von Kulturland, sagt Fluri. «Es braucht eben auch die Verdichtung der Ortschaften nach innen und nicht nur der Städte. Es gibt sehr viele Brachen und vernachlässigte Wohnungen, die unternutzt sind.» Da lasse sich noch sehr viel Potenzial realisieren. Das neue Raumplanungsgesetz leiste gute Dienste.

Rendez-vous, 07.09.2020, 12:30 Uhr

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244 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Bieri  (inachis)
    2019 hatten wir eine Nettozwanderung aus dem EU/EFTA Raum von 32'000. Das ist gerade ein 1 EU/EFTA Bürger auf 200 Schweizer. Und diese eine Person soll an all dem Schuld sein, dass laut BGI-Befürworter die Schweiz heute die Hölle auf Erden sein soll. Das ist doch Ausländer-Basching pur und hat nichts mit Objektivität zu tun.
    Ein solcher Blick verstellt auch die Sicht, die katastrophalen Folgen einer Kündigung der Bilateralen I objektiv einzuschätzen.
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  • Kommentar von christoph steiger  (christoph steiger)
    Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl Menschen und dem Bodenverbrauch. Haha. Steile these herr rodewald :-) Haben sie dafür einen naturwissenschftlichen beweis? Es besteht andersrum eine kausale korrelation zwischen der grösse einer population und der ressourcenbelastung. Wir stossen mit unserem wachstum global wie lokal längst an grenzen. Das haben die wissenschafter des club of rome schon in den 70er formuliert. Hört auf die wissenschaft, auch ihr grünen.
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  • Kommentar von Christine Gross  (Tina)
    Hat mir jemand die genaue Definition von Drecksarbeit? Bereits anlässlich der EWR-Abstimmung 1992 hat Adolf Ogi für die PFZ geworben, mit dem Argument, dass die Schweizer nicht mehr bereit seien, Drecksarbeit zu verrichten, weshalb ausländische AN ins Land geholt werden müssten. Auch jetzt argumentieren die Gegner der BGI mit diesem Argument für ein Nein. Ich war aus Umweltgründen immer gegen die PFZ, obschon ich nach meiner Definition viel Drecksarbeit verrichte: putzen, misten, Feldarbeit usw.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Keine Arbeit ist Drecksarbeit. Es gibt Arbeiten, die sich mit Dreck befassen, ja. Aber diese Arbeiten sind auch wertvolle Arbeiten. Ob im Privaten verrichtet oder im industriellen Rahmen. Dass wir hierzu Scharen von PFZ-lern bräuchten, bezweifle ich seit Jahren. Denn es gibt genügend Menschen in der Schweiz, die vom 1. Arbeitsmarkt fernbleiben müssen - ob wegen fehlenden Qualifikationen, Sprachkenntnissen oder sonstigen Kapazitäten zu anderen Jobs. Wir sollten dieses Potenzial ausschöpfen.
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