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Pestizidbelastung im Wasser höher als gedacht
Aus Rendez-vous vom 03.12.2020.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
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Mobiles Messlabor Viel zu hohe Spitzenwerte bei Pestizidbelastung im Wasser

Eine neue Messmethode zeigt, dass Pestizid-Konzentrationen im Wasser ein Vielfaches höher sind als bisher gemessen.

Mit einer neuen Messmethode haben Wissenschaftler des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs Eawag nachgewiesen, dass die Spitzenkonzentrationen in einigen Fällen bis zu 170-mal höher sind, als in herkömmlichen Messungen nachgewiesen. Die Grenzwerte werden damit massiv überschritten.

Das hat Auswirkungen auf Mensch und Tier, sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg: «Direkt betroffen sind vor allem Lebewesen im Wasser.» Die Zahl und die Artenvielfalt der Kleinlebewesen in Bächen in intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten sei deutlich kleiner als in anderen Gebieten. «Das wird auch Auswirkungen haben etwa auf Fische, die sich von kleineren Wasserlebewesen ernähren.»

Für die Menschen seien die Folgen der Pestizidbelastungen nicht so direkt, weil Trinkwasser grösstenteils aus dem Grundwasser stammt. «Bis akut belastetes Wasser aus Bächen und Flüssen bis ins Grundwasser durchgesickert ist, haben sich die Schadstoffe stark verdünnt», erklärt von Burg.

Verfeinerte Messmethode der Eawag

Bisher hat man die Pestizidbelastung anhand von Wasserproben gemessen, die während durchschnittlich drei Tagen gesammelt und dann zusammengemischt wurden. Spitzenkonzentrationen werden so nicht oder nur selten erfasst.

Ein zweiachsiger Anhänger, in dem das mobile Wasserlabor untergebracht ist
Legende: Das fahrbare, vollautomatisierte Wasserlabor MS2field des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs Eawag macht hoch aufgelöste Messungen von Schadstoffen in Gewässern möglich. EAWAG , Link öffnet in einem neuen Fenster

Ein neues von der Eawag entwickeltes voll automatisiertes mobiles Messlabor in einem Anhänger namens MS2Field nimmt direkt am Gewässer alle zwanzig Minuten eine Wasserprobe, bereitet diese auf und analysiert den Cocktail. Die Daten sind online in Echtzeit abrufbar.

Bei einer Messung an einem Bach in einem landwirtschaftlichen Gebiet übertrafen viele Pestizide die Konzentrationsmittelwerte von gleichzeitig entnommenen Mischproben von 3.5 Tage bis um das 170-fache, wie im Fachmagazin «Aqua&Gas» publizierte Forschungsergebnisse zeigen.

Das Eawag ist überrascht, wie hoch diese Spitzenbelastungen ausgefallen sind dank der neuen exakten Messergebnisse. Der Zustand sei nicht akzeptabel. «Wir messen Überschreitungen von Werten, die nie auftreten dürften. Und das zeigt, dass es einen Handlungsbedarf gibt und dass Kleinlebewesen geschädigt werden können», sagt Christian Stamm vom Wasserforschungsinstitut Eawag.

Häufige Spitzenwerte besonders schädlich

Am Beispiel des Insektizids Thiacloprid zeigt sich, dass die kurzzeitigen Konzentrationsspitzen Auswirkungen haben: Das in der Gewässerschutzverordnung festgelegte Qualitätskriterium, das eine akute Schädigung von Wasserorganismen verhindern soll, wurde mehrmals und bis um ein 30-faches überschritten, schreibt die Eawag.

«Das Erfassen von Spitzenkonzentrationen ist für die ökotoxikologische Bewertung der Gewässerbelastung enorm wichtig», sagte der Umweltchemiker Stamm. Besonders schädlich für die Organismen seien nacheinander auftretende Spitzen, da sie sich dazwischen nicht mehr erholen.

Politische Massnahmen

In der Schweiz ist das Problem der Pestizidbelastung in Bächen und Flüssen ein ernsthaftes Problem und seit Langem bekannt. Der Nationalrat ist am Mittwoch oppositionslos auf einen vom Ständerat verabschiedeten Gesetzesentwurf eingetreten, der die Risiken für das Trinkwasser durch Pestizide verringern will.

Der Gesetzesentwurf ist zwar kein formeller indirekter Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative und zur Pestizidverbots-Initiative. Aber er soll den Volksbegehren Wind aus den Segeln nehmen.

Rendez-vous am Mittag, 03.12.2020, 12:30 Uhr;

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Falls man überhaupt stärkere Gesetze für besseres Wasser beschliesst, wir es Jahre dauern bis die Böden Giftfrei werden. Darum werden die Krebserkrankungen nicht abnehmen sondern zunehmen. Viel zu lange wurden die stärchsten Gifte für den Pflanzenschutz versprüht. Nun werden alle zur Kasse gebeten.
    1. Antwort von Manuel Roth  (MRoth)
      Stimmt, aber wenn wir jetzt nichts ändern wird es in Zukunft nicht alleine besser.
  • Kommentar von Fritz Hostettler  (hoss)
    die Direktzahlungen für die Landwirtschaft reduzieren und in die Wasserversorgungen investieren. Ansonsten verkommt das Wasserschloss Europas zu einer Kloake. Auch hinsichtlich der Klimaveränderung den wenn die Gletscher schmelzen wird früher oder später das Trinkwasser knapp und das ist die grösste negative Hypothek die wir unseren Nachkommen hinterlassen da sind Staatsschulden und Altersversorgung nur ein Nasenwasser.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Die Bevölkerung muss selber aktiv werden. Die Behörden, BA für Gewässerschutz und BA für Landwirtschaft sind nicht an einer Lösung des Problems interessiert. Nur wenn wir die Trinkwasserschutzinitiative und evtl. die Pestizidinitiative annehmen gibt es einen Schritt in die richtige Richtung. Andernfalls passiert wieder Jahrzehntelang nichts.
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Sehe ich auch so. Nur befürchte ich, dass der Initiative das gleiche Schicksal droht wie am letzten Abstimmungswochenende. Herr und Frau Schweizer trinken lieber vergiftetes Trinkwasser als dass sie 10 Rappen mehr für den Kopfsalat zahlen.