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Bio Suisse sagt Nein zur Trinkwasser-Initiative
Aus Rendez-vous vom 14.04.2021.
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Bio-Bauern gegen Öko-Anliegen Ausgerechnet! Bio Suisse sagt Nein zur Trinkwasser-Initiative

  • Bio Suisse, der Dachverband der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern, setzt sich für eine ökologische Landwirtschaft ein.
  • Da wäre es eigentlich naheliegend, dass der Verband die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» unterstützt.
  • Doch ausgerechnet die Delegierten von Bio Suisse sagen Nein zur Trinkwasser-Initiative.

Bio Suisse versammelt unter seinem Dach 7400 Bio-Landwirtschaftsbetriebe. Präsident Urs Brändli hielt an der Delegiertenversammlung zwar einleitend fest: «Die Anliegen, welche die Trinkwasser-Initiative aufnimmt, sind absolut berechtigt: Artensterben, Überdüngung, Rückstände von Pestiziden und Antibiotika-Resistenzen sind wissenschaftliche belegte Fakten.»

Das grosse Aber...

Doch auf dieses grundsätzliche Bekenntnis zum Ziel der Trinkwasser-Initiative folgt das grosse Aber. Die Initiative verlangt, dass der Bund nur noch Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen unterstützen dürfe, die keine Pestizide einsetzen. Das sei der falsche Weg, weshalb bereits der Vorstand von Bio Suisse den Delegierten die Nein-Parole beantragte.

Ohne Direktzahlungen würde eine «Bio-Grünland-Schweiz» entstehen, sagt Brändli: «Das ist ein schöner Gedanke. Falls sich das Konsumverhalten aber nicht entsprechend anpasst, werden die heutigen Bio-Betriebe, welche Milch und Fleisch produzieren, unter existenziellen Druck geraten.»

Ein Nein zur Trinkwasser-Initiative braucht jetzt etwas Mut!
Autor: Christian BosshardBio Suisse

Das ist ein zentrales Nein-Argument. Das andere: Mit der Pestizid-Initiative liege eine zweite Initiative vor, die mit dem allgemeinen Verbot von Pestiziden in der Landwirtschaft zwar sehr weit gehe, aber die Bio-Betriebe eben nicht vor existentielle Probleme stelle. Bio Suisse hat bereits im letzten Herbst die Ja-Parole zur Pestizid-Initiative beschlossen.

Doch der Nein-Antrag des Vorstandes zur Trinkwasser-Initiative wurde im Vorfeld der heutigen Delegiertenversammlung kritisch diskutiert. Weshalb die Delegierten zunächst klären mussten, ob sie überhaupt eine Parole fassen, oder nicht besser Stimmfreigabe beschliessen sollten. Die Befürchtung stand im Raum, dass ein Nein den Verband im nun beginnenden Abstimmungskampf spalten könnte.

Das fordert die Trinkwasser-Initiative

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Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» setzt beim Geld an. Sie verlangt, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

So sagte etwa der Delegierte Martin Ott: «Auf all den Podiumsdiskussionen, die es in den nächsten Monaten im Land geben wird, wird sonst die Meinung von Bio Suisse den Leuten um die Ohren gehauen. Wollen wir das wirklich?»

Worauf der Delegierte Christian Bosshard erwiderte: «Ein Nein zur Trinkwasser-Initiative braucht jetzt etwas Mut!» So entschieden die Delegierten zunächst, eine Parole zu fassen und beschlossen dann deutlich mit 73 zu 20 Stimmen die Nein-Parole.

Schlechte Nachricht für Initianten

Für die Trinkwasser-Initiative ist das ein herber Rückschlag: Wenn sogar die Bio-Bauern Nein sagen, dürften Zweifel bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zunehmen. Die Gefahr aus Sicht von Bio Suisse besteht darin, dass darunter auch die Unterstützung für die Pestizid-Initiative leidet.

Und die Herausforderung für Bio Suisse wird sein, diese differenzierte Haltung zu den beiden Landwirtschafts-Initiativen glaubwürdig zu vertreten.

Video
Aus dem Archiv: Aufstand der Biobauern gegen Bio-Suisse-Vorstand
Aus Kassensturz vom 06.04.2021.
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Rendez-vous vom 14.04.2021, 12:30 Uhr

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218 Kommentare

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  • Kommentar von Christine Guillemin  (chrigui)
    @Ursula Schmid
    Bio Suisse«Das Futter für die Nutztiere stammt hauptsächlich vom eigenen Betrieb. Damit wird der Nährstoffkreislauf geschlossen.»
    „Genau das will die Trinkwasserinitiative. Sie fordert einen Tierbestand, «der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann». «Ernährt werden kann» heisst nicht, dass der Tierbestand mit dem auf dem eigenen Betrieb hergestellten Futter ernährt werden muss. Der regionale Futteraustausch unter Betrieben bleibt gewährleistet“ F.Herren
    1. Antwort von Ulrich Thomet  (UTW)
      Weiss man schon, wie gross so eine Region ist, oder wird diese Grösse durch Vollzugspersonal individuell definiert? Region Muri? Region Mittelland? Region Deutschschweiz?
      Frau Herren interpretiert die eindeutige Aussage "auf dem Betrieb produziertes Futter" schon sehr gummig. "kann" hat hier die Eigenschaft einer Voraussetzung, nicht einer offenen Auslegung.
      Etwas konkreter wäre nicht schlecht.
  • Kommentar von Hans Wüthrich  (Hans007)
    Mit der Ablehnung der Trinkwasserinitiative verlieren die Biobauern (auch Bauernpräsident Ritter ist Biobauer) ihre ganze Glaubwürdigkeit. DieLiebe zu Bio ist offensichtlich sehr gering.
    1. Antwort von Ulrich Thomet  (UTW)
      Grundsätzlich ist der Entscheid biologisch zu bauern ein persönlicher Entscheid. Solche Entscheide entstehen aus Überzeugung und sind deshalb höchst glaubwürdig.
      Niemandem wird durch das Nein die Umstellung auf Bio verwehrt.
      Auch mit einem Nein werden Betriebe umstellen, wenn die Produkte nachgefragt werden.
      Unglaubwürdig sind Menschen die fordern aber selber nichts dazu tun.
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Diese seit Menschengedenken andauernde Ausbeutung u.Belastung unserer Lebensgrundlage u.die unserer Mitgeschöpfe, hat keine Zukunft. Wie weit es dank Profitgier, verantwortungslosem Konsum, aber vorab einem widernatürlichen Bevölkerungswachsum kommen kann, erleben wir nun auch hier zunehmend, nicht mehr nur im nahen u.fernen Ausland wie zB im eigentlich wasserreichen CHN,wo laut WWF 70% aller Seen u.Flüsse nichtmal mehr zum Bewässern benutzt werden können, gebietsweise tot od.ausgetrocknet sind.
    1. Antwort von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
      Jetzt mal ganz sachlich, wie schlimm steht es um die Umwelt?
      Die Flüsse sind sauber als noch in den 80ern oder gar in den 60ern. Dank Katalysatoren und anderer Innovationen ist auch die Luftqualität deutlich besser. Bis weit in die 70er wurde Abfall einfach im Wald verbrannt und Giftmüll einfach irgendwo verbuddelt. Geht es auch ein etwas weniger dramatisch?
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Leider nein: laut Wissenschaftsmagazin "nutzen wir unser Grundwasser zu schnell – schneller als es sich erneuern kann. Man schätzt, dass weltweit rund 1/3 aller Grundwasserreservoire bereits übernutzt sind. Fast 70% des Wasserverbrauchs geht aufs Konto der Landwirtschaft, vorab sie pumpt Grundwasser. Bitte überlegen Sie, wächst die Menschheit exponentiell über 1.2%/Jahr weiter, so wie in den letzten 20J, wird sie sich in ca 55J auf 16Mia verdoppelt haben. Und alle leben von der Landwirtschaft!