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Bequem von zu Hause aus bestellen. Wer während der Krise nicht kochen wollte, musste auf einen Lieferdienst zurückgreifen.
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Gastronomie in Corona-Zeiten Essen zu Hause: Lieferdienste im Aufwind

Eat.ch boomt dank Corona und könnte für Restaurants das werden, was Buchungs-Plattformen für Hotels sind: Fluch und Segen zugleich.

«Eat.ch» ist nach eigenen Angaben die führende Schweizer Plattform für die Lieferung von Essen. Für dieses Jahr erwarteten die Betreiber, dass der schweizerische Markt auf 1.4 Milliarden anwachsen werde. Mit ihm will auch Eat wachsen. Das ist nun schneller eingetreten, als erwartet: In drei Monaten hat der Lieferdienst seine Ziele erreicht, die er sich für die nächsten 18 Monate gesteckt hatte.

Doch längst nicht alle Restaurants wollen mitmachen. Viele können oder wollen sich die Abgaben nicht leisten.

Für viele zu teuer

Eat verlangt nach Angaben verschiedener Gastronomen zwischen 11 und 18 Prozent des Einkaufbetrags als Provision. Geschäftsführer Dominic Millioud bestätigt einen tiefen zweistelligen Betrag. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr für die Registrierung, nach Angaben verschiedener Unternehmer zwischen 300 und 600 Franken. Für die Miete eines kleinen Tabletcomputers mit Drucker verrechnet Eat eine Miete von 20 Franken pro Monat.

Nicht inbegriffen ist dabei die Lieferung der Ware. An einigen Orten übernehmen dies auf Wunsch Partner von Eat. Dann klettert die Provision auf bis zu 30%.

Lieber alles selber machen

Für viele Anbieter ist es attraktiver, ihr Angebot selber zu präsentieren in einem Shop auf der eigenen Homepage. So gemacht hat es die Berner Gasthausbrauerei «Barbière».

«Nach Bekanntgabe der Restriktionen haben wir innert wenigen Tagen unser Betriebskonzept über den Haufen geworfen und einen Onlineshop auf die Beine gestellt», erzählt Geschäftsführer Ändu Bart. Für die Lieferung des Essens hat er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingespannt. So konnte er die Kurzarbeit reduzieren. Die Erfahrungen aus der neuen Vertriebsform waren so gut, dass er den Lieferdienst beibehalten hat.

Auf die Schnelle einen Online-Shop mit Lieferdienst aus dem Boden gestampft.
Legende: Auf die Schnelle einen Online-Shop mit Lieferdienst aus dem Boden gestampft. zvg

Takeaway auf die Beine gestellt

In Langenthal steht das traditionsreiche Restaurant und Hotel «Bären». Als sich die Schliessung der Restaurants abzeichnete, entschied sich die stellvertretende Direktorin Sandra Guyaz zu einer Flucht nach vorn. Sie stellte als erste in der Stadt einen Takeaway auf die Beine mit hochwertigen Burgern, Salaten und anderen Gerichten, die sich für «über die Gasse» eignen. Das kam gut an, dennoch brach sie nach rund zwei Wochen die Übung ab. Aus wirtschaftlicher Sicht war es vernünftiger, den Betrieb ganz zu schliessen.

Von Null auf Take Away.
Legende: Von Null auf Takeaway. zvg

Dennoch ist Guyaz überzeugt, dass die Nachfrage nach Essen-Lieferungen zunehmen werde. Vor allem für Jüngere sei es normal, alles Mögliche Online zu bestellen – da gehöre hochwertiges Essen auch dazu.

Macht der Plattformen

Mit diesem Trend gewinnen die Vermittler zwischen hungrigen Kunden und Köchen an Bedeutung. Vor allem kleine Takeaways, die zu einem grossen Teil von Heimlieferungen leben, geraten immer mehr in eine Abhängigkeit, weil sie ohne Plattform in die Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Das erinnert an Buchungsplattformen für Hotelzimmer: Will ein Hotel im Geschäft bleiben, so muss es sich einem Vermittler anschliessen. Eine grosse Wahl bleibt nicht, denn der Markt wird von ganz wenigen Giganten beherrscht.

In Schweizer Städten kann man zwischen Lieferdiensten wählen. Neben Uber Eats kann man auch bei «Mosi.ch» oder «Smood.ch» bestellen.

Doch auch bei den Lieferdiensten findet eine Konzentration statt: Eat gehört der britischen Firma Just Eat, die vor Kurzem mit dem niederländischen Lieferdienst «Takeway» fusionierte. Geschätzter Wert des neuen Giganten: 7.6 Milliarden Dollar.

SRF 4 News 28.5.2020

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Ich könnte wenn ich will, in Spanien jeden Tag essen gehen oder mir bringen lassen. Das ist Langweilig 1 - 2 mal im Monat reicht. Mir ist es wichtig jeden Tag frisch zu kochen. Es ist für meine Gesundheit besser und gehört zur Tages ritual. Möchte es nicht missen. Doch Esskultur ist leider in der Schweiz wenig vorhanden. Misst um den Magen zu füllen. Das Soziale beschränkt sich nur noch beim kurzen zusammen essen, wenn man es da überhaupt schafft 5 Minuten das Natel in Ruhe zu lassen.
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  • Kommentar von Günter Rieker  (guedi)
    Take Away haben wir genutzt, als die Restaurants wegen Corona geschlossen waren. Aber sich im Restaurant verwöhnen zu lassen, steht für uns ein paar Stufen über dem besten Take Away Service.
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  • Kommentar von Christian Weber  (CWeb)
    Viele Kuriere haben neben Eat.ch auf ihrer Webseite ein eigenes Bestellformular. Ich bestelle wenn's geht dort. Gleiches gilt für Hotelbuchungen. Oder noch besser: Per Telefon. Die Gebühren, welche dies Plattformen für einen automatisierten Vorgang abgreifen, sind jenseits von gut und böse.
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