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Die chinesische App Tiktok steht im internationalen Kreuzfeuer
Aus Echo der Zeit vom 16.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
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Soziale Medien Tiktok weht ein rauer Wind entgegen – nicht nur aus dem Westen

Indien hat Tiktok verboten, die USA diskutiert es. Was steckt hinter den Angriffen auf die beliebte Videoplattform?

Mit Tiktok erstellen Teenager einfach und schnell kurze Videos und präsentieren sie einem Millionenpublikum. Die App hat rund eine Milliarde Benutzer. Damit spielt Tiktok immer mehr in der Liga der etablierten sozialen Medien.

Erfolg aus China

Tiktok ist die erste App, die international ein Milliardenpublikum erreicht, hinter der nicht ein amerikanisches Unternehmen steckt, sondern ein Startup aus China: Bytedance. Es ist mit rund 100 Milliarden Dollar das wertvollste Startup der Welt.

An den Start ging das Unternehmen vor acht Jahren; es hat sich in kurzer Zeit zu einem Internet-Titanen gemausert. Sein GründerZhang Yiming gilt als Mark Zuckerberg von China.

Zensurvorwürfe mehren sich

Mit dem explosionsartigen Erfolg sieht sich Tiktok immer mehr Kritik ausgesetzt. Zum Beispiel am intransparenten Datenschutz: TikTok gibt an, Daten an Geschäftspartner, Service-Provider und innerhalb des Konzerns weiterzugeben. Was das genau bedeutet, bleibt offen.

Ein anderer Vorwurf: Zensur. Tiktok soll gezielt die Reichweite bestimmter Inhalte oder Nutzern einschränken. Zum Beispiel, wenn es um die Proteste in Hongkong geht oder bei Menschen mit Behinderungen.

Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe. China-Experten weisen aber darauf hin, dass keine chinesische Firma erfolgreich sein könne, ohne nicht mit der Regierung zusammenzuarbeiten, also politische Inhalte entfernt, wenn diese nicht in deren Interesse sind.

Das führt mitunter zu seltsamen Blüten: In den Fokus geriet auch der Tiktok-Kanal der britischen Kinder-Zeichentrickserie «Peppa Wutz». Das Comic-Schweinemädchen und seine tierischen Freunden wurden als «Symbol für Rebellion» eingestuft.

Verbote in Indien

Eine Art Rebellion gab es Ende Juni in Indien – gegen Tiktok. Die Regierung hat den Dienst und weitere chinesische Apps verboten. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Für Tiktok ist das ein schwerer Schlag, nutzen den Dienst in Indien doch mehr als 100 Millionen Personen. Jetzt droht Tiktok auch Ungemach aus den USA. Die App sei eine Gefahr für die nationale Sicherheit, weil die chinesische Regierung Zugriff auf die Daten habe – und gehöre verboten.

Die Infrastruktur der nächsten 100 Jahre müsse eine Kommunikations-Infrastruktur sein, die auf westlichen Idealen basiere, sagte vor wenigen Tagen Staatssekretär Mike Pompeo. Damit hievte er die Diskussion auf eine politische Ebene und machte Tiktok neben Huawei zu einem weiteren Spielball im Konflikt zwischen den USA und China.

Kampf um digitale Vorherrschaft

Bei der aktuellen Diskussion geht es um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz, wo China die Nummer eins werden möchte.
Mit Tiktok sind die Chinesen auf dem besten Weg, denn mit seinen Aber-Milliarden von Videos hat das Mutterhaus Bytedance ein mächtiges Werkzeug in der Hand, um beispielsweise die automatisierte Bilderkennung zu perfektionieren.

Dann gibt es noch eine andere Befürchtung: Die chinesische Regierung könnte via Tiktok politische Entscheide beeinflussen, in dem der ausgeklügelte Algorithmus den Benutzerinnen beliebige Videos zeigt, ohne dass sie wissen, wieso. So könnte die App gezielt einen bestimmten Kandidaten oder ein bestimmtes Thema in einer bestimmten Region fördern, ohne dass dies den Empfängern bewusst sei.

Die Angst vor einer solchen «heimlichen» Einflussnahme Chinas im Westen ist nicht unbegründet, mit einem Verbot der App lässt sich das Problem aber wohl kaum lösen.

Video
Erfolgreiche TikTok-App unter der Lupe
Aus 10vor10 vom 07.01.2020.
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Radio SRF 1 «Echo der Zeit» 16.7.2020 18:00

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    100 Miliarden Dollar soll etwas wert sein, was in etwa so unentbehrlich ist wie Fusspilz? Und dann hat's offenbar zu wenig Geld für Infrastrukturen, Gesundheitswesen u.s.w. Werden wir nur noch verarscht?
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  • Kommentar von Nicolas lutz  (Nicki)
    Bin ich der einzige hier, der Tiktok nicht benutzt weil ich es einfach doof finde? Meisst Sind das Junge Menschen die einfach keine Ahnung haben was mit ihren Videos geschehen kann, wenn diese im Netz landen.
    Will nicht alle in einen Topf werfen, es gibt sicher auch Leute die das wissen
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  • Kommentar von Lukas Schmid  (Traugott)
    Jetzt soll also Tiktok verboten werden weil die Chinesen die Daten auswerten und die Kunden "personalisierte" bekommen?
    Gibts doch alles schon bei Google,Facebook, Whatsup und Co!

    Und die US Geheimdienste lesen ja schon alle Daten Weltweit, und in Echtzeit mit, hat Snowden ja aufgedeckt.

    Hier geht es wohl eher um eine Wirtschaftliche Vormacht Stellung die die USA verteidigen wollen.
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    1. Antwort von Dominique Dörflinger  (SentioErgoSum)
      Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht so etwas zu sagen, jedoch ist mir wohl bei einer Wahl zwischen zwei Krankheitsbildern eine Vormachtstellung der USA immer noch lieber als eine der Chinesen. Gleichzeitig bleibt wohl nur die Hoffnung, dass unsere bedingte mediale Freiheit zu einem globalen Erwachen der Weitsicht, Vernunft, gegenseitiger Wertschätzung und gelebtem Eins-Sein mit Allem führt. Träumen darf man ja zum Glück immer noch.
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