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Junge Gamer in ihrem Element.
Legende: Call of Duty: Das Aushängeschild der Shooter-Szene und mittlerweile Gegenstand der Forschung. Reuters
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Wissenschaftlich bewiesen: Action-Games machen schlau

Genfer Forscherinnen und Forscher erhalten einen Wissenschaftspreis für ihre Studien zu Shooter-Games.

Im Gegensatz etwa zu Planungs-Simulationen, Puzzlespielen oder Games wie «Gehirnjogging» haben sogenannte First- und Third-Person-Shooter gute Voraussetzungen, unsere neuronale Plastizität, Link öffnet in einem neuen Fenster zu verbessern. Ausgerechnet jene Schiess-Spiele also, die aufgrund von Gewaltdarstellungen oft kritisiert werden.

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Videospiele machen schlau
03:58 min, aus Aufstehen, aber anders vom 28.11.2019.
abspielen. Laufzeit 03:58 Minuten.

Ein Genfer Forschungsteam hat nachgewiesen, dass Spielerinnen und Spieler solcher Games eine bessere Aufmerksamkeitsspanne haben als Nicht-Gamer. Sie können aber auch besser auf visuelle Details fokussieren und haben eine erhöhte Kontrastempfindlichkeit. Das kann zum Beispiel beim Autofahren im Nebel helfen.

Mehr Spielen bringt nicht mehr

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Um von den positiven Effekten zu profitieren, die Action-Games ermöglichen, ist es nicht nötig, besonders viel oder lange zu spielen. In den Studiendesigns von Daphne Bavelier mussten die Probanden über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten spielen, jeden zweiten Tag 30-60 Minuten.

Ausserdem können Action-Gamer besser dreidimensionale Objekte in Gedanken drehen, zwischen unterschiedlichen Aufgaben hin und her wechseln und auf Ereignisse reagieren, die sich plötzlich entwickeln. In stressigen Situationen können sie ausserdem bis zu zehn Prozent schneller eine Entscheidung treffen und damit nicht nur schneller, sondern auch effizienter arbeiten.

Nicht alle Games sind gleich

Damit diese Effekte zum Tragen kommen, müssen Videospiele allerdings eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen. Diese treffen vor allem – aber nicht ausschliesslich – auf Action-Spiele zu:

  • Die Spiele müssen bei den Spielerinnen und Spielern einen Zeitdruck auslösen. Dabei kommt es darauf an, dass sich die Spielenden unter Druck fühlen – was aber nicht zwingend bedeutet, dass ein Spiel auch schnell sein muss.
  • Die Spiele verlangen von den Spielenden, dass sie ihre Aufmerksamkeit über den ganzen Bildschirm verteilen.
  • Die Spiele fordern das Hirn heraus, indem sie ständig von einem verlangen, die Aufmerksamkeit neu zu bündeln und zwischen verschiedenen Aufgaben schnell hin und her zu wechseln, beispielsweise beim Zielen.
StarCraft spieler an der Gamescom
Legende: Echtzeit Strategie: Auch Echtzeit Strategie-Spiele wie beispielsweise «StarCraft» haben ähnliche Effekte auf unsere Wahrnehmung wie Action-Games. Reuters

Gewalt-Darstellungen gehören bei vielen solcher Shooter-Games zur Tagesordnung. Sie sind jedoch kein ausschlaggebendes Kriterium, um von den oben genannten positiven Effekten zu profitieren. Die Studie lässt die Frage offen, ob Gewalt diese positiven Effekte noch verstärken kann.

Wie reagieren Kinder auf Shooter-Games?

Eine Versuchsanordnung, die Kinder regelmässig Shooter-Games spielen liesse, wäre unethisch, sagt Daphne Bavelier von der Universität Genf. Deshalb gebe es auch keine solchen Studien. Um trotzdem an Daten zu gelangen, hat die Neurowissenschaftlerin eine Studie durchgeführt, bei der Schüler und Schülerinnen sowie deren Eltern gefragt wurden, was die Kinder spielen.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Eltern über den Spielekonsum ihrer Kinder oft nicht Bescheid wissen und sich nur selten mit dem Thema beschäftigen.

Die Studie zeigt aber auch, dass Kinder, die First- oder Second-Person-Shooter-Games spielen, über eine erhöhte Fähigkeit verfügen, ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Das heisst, sie können sich besser auf das fokussieren, was im Moment gerade wichtig ist – immer unter der Voraussetzung, dass es sich um eine für die Kinder herausfordernde Aufgabe handelt.

Anerkennung für Pionierarbeit

Daphne Bavelier, die mit ihrem Team im Labor für kognitive Neurowissenschaften an der Universität in Genf forscht, erhält in diesen Tagen den Klaus J. Jacobs Research Prize 2019. Er ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert. Es ist eine Anerkennung für ihre Forschung zur Frage, wie das Spielen von Shooter-Games die neuronalen Plastizität und das Lernen fördern kann.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
    Ich bleibe dabei, wenn mein Sohn bei einem Kollegen gegamet hatte, war er nacher nervös, angriffslustig wenn nicht gar aggressiv und sehr egoistisch.
    Was nutzt dann das hirnlastige Training wenn's sozial hinterherhinkt?
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Million Schweizer Franken" da ist power.... Da will sich niemannd den Markt vermasseln mit kritischen Fragen....Ich bleibe dabei. Wird eine Körperregion auf Kosten anderer extrem benutzt, stimuliert und strapaziert, werden andere Regionen durch Unterforderung und Frustration geschwächt ....
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Was geschieht, wenn da ständig das ganze archaische Hormoncocktail menschlichem Fly oder Fight die reale Körperlichkeit flutet und es dann für Herz, Kreislauf, Muskeln immer wieder heisst: War nichts Jungs, falscher Alarm? Ich stelle mir vor, dass da eine ganze Generation zwar smart wird, dass einge derern Organsystem schlicht und ergreifend schlapp machen werden. Weil sie beständig neurochemisch/hormonell getriggert werden aber nie auf der physischen Ebene zum Einsatz kommen können.
    1. Antwort von Michael Siffert  (Pedro Ez)
      1. Es sind nicht nur Jungs die sich in der Onlinewelt ihre Zeit vertreiben! Könnte auch behaupten, dass beim Chatten falsche Anreize geschaffen werden.
      2. Viele Gamer sind sehr wohl auch körperlich aktiv. Gerade heute müssen/dürfen viele Kids mehreren Hobbies nachgehen, da ist es super wenn sie sich zwischendurch auf der Konsole austoben dürfen!
      Und nein, ich bin kein Gamer!
    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Easy, Herr Siffert, es geht mir darum, dass wir Mind und Body haben. Dass viele Kids und Eltern und auch Erwachsene ihren digitalen Konsum im Griff haben, wünsche ich mir sehr. Eine anspruchsvolle Task. Sind doch Games und Socialmedia so konzipiert, dass die Leute dranbleiben und gleiche Endorphine wie bei König Alkohol freigesetzt werden. Dass Kids Hobbies haben, Na ja. Ich hoffe die dürfen auch einfach hängen, etwas tun, weil sie es tun wollen. Musik, Tanz, Parcour, Sprayen any time....:-)