Zum Inhalt springen

Header

Junge Gamer in ihrem Element.
Legende: Call of Duty: Das Aushängeschild der Shooter-Szene und mittlerweile Gegenstand der Forschung. Reuters
Inhalt

Wissenschaftlich bewiesen: Action-Games machen schlau

Ein Genfer Forschungsteam erhält Wissenschaftspreis für ihre Studien zu First- und Third-Person-Shootern.

Im Gegensatz zu beispielweise Sozialsimulationen, Puzzlespielen oder Mentailtrainingsspielen, haben First- und Third-Person-Shooter gute Voraussetzungen, um unsere neuronale Plastizität zu verbessern. Ausgerechnet jene Spiele, die oft wegen ihrer Gewaltdarstellungen kritisiert werden.

Ein Genfer Forschungsteam hat nachgewiesen, dass Action-Video-Spieler eine bessere Aufmerksamkeitsspanne haben als Nichtgamer. Sie können sich aber auch besser auf visuelle Details fokussieren und haben eine erhöhte Kontrastempfindlichkeit. Das kann zum Beispiel beim Autofahren im Nebel hilfreich sein. Ausserdem können Action-Gamer dreidimensionale Objekte in Gedanken akkurater drehen, zwischen unterschiedlichen Aufgaben besser hin und herwechseln und auf Ereignisse reagieren, die sich plötzlich entwickelt haben. In stressigen Situationen können sie bis zu zehn Prozent schneller eine Entscheidungen treffen. Dadurch können sie nicht nur schneller sondern auch effizienter arbeiten.

Mehr Spielen bringt nicht mehr

Um von diesen postiven Effekten durch die Action-Videospiele zu profitieren, ist es nicht nötig besonders viel oder lange zu spielen. In den Studiendesigns von Daphne Bavelier mussten die Probanden über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten spielen, jeden zweiten Tag 30-60 Minuten.

Nicht alle Games sind gleich

Damit sich die Effekte entfalten, müssen die Videospiele eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen, die vor allem, aber nicht nur auf Action-Spiele zutreffen:

  • Die Spiele müssen beim Spieler einen Zeitdruck auslösen. Dabei kommt es darauf an, dass sich der Spieler unter Druck fühlt, was nicht zwingend damit zusammenhängt, dass das Spiel schnell ist.
  • Die Spiele verlangen vom Spieler, dass er ihre Aufmerksamkeit über die ganze visuelle Szene verteilen kann.
  • Die Spiele fordern das Hirn insofern heraus, als dass sie ständig verlangen, dass man seine Aufmerksamkeit neu bündelt und zwischen verschiedenen Aufgaben schnell hin und her wechselt. Beispielsweise beim Zielen.
StarCraft spieler an der Gamescom
Legende: Echtzeit Strategie: Auch Echtzeit Strategie-Spiele wie beispielsweise StarCraft haben ähnliche Effekte auf unsere Wahrnehmung, wie Action-Games. Reuters

Die Gewalt, die in Action-Videospielen an der Tagesordnung ist, ist kein ausschlaggebendes Kriterium, um von den positiven Effekten der Action-Videospiele zu profitieren. Die Studie lässt die Frage aber offen, ob Gewalt die drei oben genannten Kriterien verstärkt.

Wie reagieren Kinder auf Action-Videospiele?

Eine Studie, die Kinder regelmässig Shootergames spielen lässt, wäre unethisch, deshalb mache sie auch niemand, sagt Daphne Bavelier, von der Universität Genf. Hingegen hat die Neurowissenschaftlerin eine Studie durchgeführt, bei der Schüler und ihre Eltern gefragt wurden, was die Kinder spielen.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Eltern oft nicht Bescheid wissen, was ihre Kinder spielen und sich nur selten mit dem Thema beschäftigen.

Die Studie zeigt aber auch, dass Kinder, die angeben, First- oder Secondperson Shootergames zu spielen, über eine erhöhte Aufmerksamkeitssteurungfähigkeit verfügen. Das heisst, sie können ihre Aufmerksamekeit besser auf das fokussieren, was gerade wichtig ist. Immer unter der Voraussetzung, dass es eine herausfordernde Aufgabe für die Kinder ist.

Anerkennung für Pionierarbeit

Daphne Bavelier, die mit ihrem Team im Labor für kognitive Neurowissenschaften an der Universität in Genf forscht, erhält in diesen Tagen den Klaus J. Jacobs Research Prize 2019. Er ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert. Es ist eine Anerkennung für ihre Forschung zur Nutzung von Action-Videospielen für die Förderung der neuronalen Plastizität und des Lernens.

Mehr zum Thema im SRF Digital Podcast

SRF Digital
Legende:SRF Digital Podcast: Jeden Freitag neuSRF Digital

Wir fassen jeden Freitag für dich zusammen, was in der digitalen Welt passiert und sprechen mit Experten.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
    Ich bleibe dabei, wenn mein Sohn bei einem Kollegen gegamet hatte, war er nacher nervös, angriffslustig wenn nicht gar aggressiv und sehr egoistisch.
    Was nutzt dann das hirnlastige Training wenn's sozial hinterherhinkt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Million Schweizer Franken" da ist power.... Da will sich niemannd den Markt vermasseln mit kritischen Fragen....Ich bleibe dabei. Wird eine Körperregion auf Kosten anderer extrem benutzt, stimuliert und strapaziert, werden andere Regionen durch Unterforderung und Frustration geschwächt ....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Was geschieht, wenn da ständig das ganze archaische Hormoncocktail menschlichem Fly oder Fight die reale Körperlichkeit flutet und es dann für Herz, Kreislauf, Muskeln immer wieder heisst: War nichts Jungs, falscher Alarm? Ich stelle mir vor, dass da eine ganze Generation zwar smart wird, dass einge derern Organsystem schlicht und ergreifend schlapp machen werden. Weil sie beständig neurochemisch/hormonell getriggert werden aber nie auf der physischen Ebene zum Einsatz kommen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michael Siffert  (Pedro Ez)
      1. Es sind nicht nur Jungs die sich in der Onlinewelt ihre Zeit vertreiben! Könnte auch behaupten, dass beim Chatten falsche Anreize geschaffen werden.
      2. Viele Gamer sind sehr wohl auch körperlich aktiv. Gerade heute müssen/dürfen viele Kids mehreren Hobbies nachgehen, da ist es super wenn sie sich zwischendurch auf der Konsole austoben dürfen!
      Und nein, ich bin kein Gamer!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Easy, Herr Siffert, es geht mir darum, dass wir Mind und Body haben. Dass viele Kids und Eltern und auch Erwachsene ihren digitalen Konsum im Griff haben, wünsche ich mir sehr. Eine anspruchsvolle Task. Sind doch Games und Socialmedia so konzipiert, dass die Leute dranbleiben und gleiche Endorphine wie bei König Alkohol freigesetzt werden. Dass Kids Hobbies haben, Na ja. Ich hoffe die dürfen auch einfach hängen, etwas tun, weil sie es tun wollen. Musik, Tanz, Parcour, Sprayen any time....:-)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen