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Zürcher «Hackathon» Programmier-Marathon: 16 Probleme lösen in 40 Stunden

HackZurich ist der grösste «Hackathon» in Europa. Was zieht die Leute nach Zürich? Und warum sind Firmen interessiert?

Legende: Audio Hackzurich - Problemlösung im Akord (SRF 4) abspielen. Laufzeit 03:21 Minuten.
03:21 min

Der Anlass heisst HackZurich, Link öffnet in einem neuen Fenster, der Wettbewerb fand am Wochenende zum fünften Mal statt. Von Freitagmittag bis Sonntagmorgen hatten die Teilnehmer Zeit, eine Aufgabe zu lösen. In diesen vierzig Stunden entstehen keine fertigen Produkte, sondern Prototypen, provisorische Lösungen – sogenannte «Hacks».

Die Probleme waren anspruchsvoll und ganz unterschiedlich: Die SBB etwa will Fahrgäste an der Haltestelle «Zürich Hardbrücke» dazu bringen, sich von den überfüllten Zonen auf dem Perron wegzubewegen.

Handverlesene Teilnehmer

Fünftausend Software-Spezialistinnen und Spezialisten aus sechzig Ländern hatten sich für einen Platz am Zürcher «Hackathon» beworben. Zugelassen wurden 580. Rund ein Viertel davon sind Frauen, erklärt Jonathan Isenring, einer der Gründer des HackZurich.

Zum Beispiel die Zwillingsschwestern Basma und Fatma aus Ägypten. Sie studieren im dritten Jahr Informatik: «Als ich das E-Mail mit der Zusage bekommen habe, habe ich mich gleich angemeldet», sagt Fatma. Es ist der erste «Hackathon» der beiden Schwestern. Sie freuen sich auf den Austausch mit Entwicklern aus anderen Ländern und möchten möglichst viel lernen.

Die beiden Schweizer Fubu und Marcel hingegen gehören zu den Veteranen. Schon zum fünften Mal machen der IT-Projektleiter und der Geschäftsführer am Zürcher Hackathon mit. «Einmal Entwickler – immer Entwickler», sagt Marcel lakonisch.

Firmen werben um Teams

Um die Teilnehmer für eine Aufgabe zu begeistern und auf die Herausforderung vorzubereiten, führen die Firmen am Freitagabend Workshops durch. Die SBB hat Pläne der Bahnanlagen und Statistiken vorbereitet. Aus den Messdaten verschiedener Sensoren, die auf den Treppen und den Perrons angebracht sind, lässt sich ablesen, wie sich die Leute im Bahnhof bewegen – oder eben nicht.

«Let the Hacking begin …»

Haben sich die Teams für eine Challenge entschieden, bleiben ihnen rund 35 Stunden bis zum Abgabetermin am Sonntagmorgen. Zum Schlafen reicht die Zeit oft nicht. Stattdessen sitzen die Teilnehmer in einer riesigen Halle an langen Tischen, arbeiten alleine konzentriert oder zu zweit an einem Computer und helfen sich gegenseitig.

Unter der Woche hart arbeiten oder studieren und am Wochenende nach Zürich reisen und dann bis zum Umfallen weiterarbeiten – da stellt sich die Frage, warum sich Berufsleute und Studierende das antun: Geht es ihnen um die Suche nach einem attraktiven Job?

Hackathon – bloss eine grosse Jobbörse?

Alle Teilnehmer, mit denen SRF Digital gesprochen hat, verneinen das. Sie betonen vielmehr, dass sie sich hier im Unterschied zu ihrem Beruf die Herausforderung selber aussuchen könnten und dass sie an interessante Daten gelangten, die sonst nicht öffentlich seien.

Auch den Unternehmen geht es nicht darum, möglichst schnell dringend gesuchte Fachkräfte zu rekrutieren: «Wir wollen nicht übers Wochenende einfach drei Stellen besetzen», sagt Christian Trachsel, der bei der SBB zuständig ist für Open-Data und technische Schnittstellen.

Das Unternehmen habe sich die regelmässige Teilnahme an Hackathons auf die Fahne geschrieben, weil es eine langfristige Strategie verfolge: «Wir wollen zeigen, dass Zug fahren auch viel mit Informatik zu tun hat, denn ohne Steuerungssoftware kommen Züge nicht mehr weit.»

Erster Preis für die Lösung der Challenge von SRF «Fake News»

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Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat am Hackathon ebenfalls eine Challenge ausgeschrieben: Wie kann man das Problem mit «Fake News» in den Griff bekommen? Dabei ging es nicht nur um Texte, sondern auch um Videos.

Mit Hilfe neuster Software kann man heute auch in Bewegtbildern Gesichter austauschen oder einer Politikerin Worte in den Mund legen, die sie gar nie gesagt hat.

Ein Team hat sich dieses Problems angenommen und eine Software entwickelt, die Manipulationen in Videos erkennt. Ein Algorithmus analysiert jedes Einzelbild und warnt, wenn er etwas Verdächtiges feststellt.

Mit dieser Anwendung hat sich das Team den ersten Preis des HackZurich 2018 geholt.

Win-win

Die Firmen sind natürlich auch an Ideen interessiert, pfannenfertige Lösungen erwarten sie aber nicht: «Das Gute an einem Hackathon ist, dass völlig unverbrauchte Leute ein Problem angehen, die nicht schon einen ‘Bahnschaden’ haben», sagt Christian Trachsel. Er denkt dabei an Entwickler, die nicht schon alle Sicherheitsvorschriften auswendig kennen und bei jeder Idee präventiv Bedenken anmelden.

Für die SBB scheint sich das Engagement am HackZurich gelohnt zu haben: Der zweite Preis ging an ein Team, das eine Software entwickelt hat, die Leute über Lautsprecher auf dem Perron direkt anspricht, wenn sie am falschen Ort stehen: «Du im roten T-Shirt, bitte bewege dich weiter!» Trachsler ist von der Idee angetan und möchte sie ausprobieren.

Das Dreier-Team freut sich: Für die Brüder Amir und Ehsan Sarabadani Tafreshi und Amirs Ehefrau Sara, alle drei ETH-Abgänger, ist es schon das zweite Mal, dass sie einen Preis vom HackZurich mit nach Hause nehmen dürfen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Dass die SBB Menschen per Software dazu bringen will, sich zu bewegen, ist nichts als eine neue Variante des elektrischen Viehhüters. Sehr inhuman. Der Kunde wird mit dem Model "Schwein" abgehandelt. Ja, in der Tat, die Software moderner Schlachtanlagen funktioniert ähnlich. Typisch SBB.
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    1. Antwort von Dani Lindenmann (Dani Lindenmann)
      Da Schweine recht intelligent sind, darf ich vielleicht Schafe als Vergleichssubjekt vorschlagen ? Wenn ich im täglichen Leben so meine Mitmenschen beobachte (Einkaufen, Autoverkehr, soziales Verhalten,...) denke ich mitunter, dass da viele einen "Hirtenhund" , in welcher Form auch immer, dringenst brauchen würden.
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    2. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Menschenmassen müssen koordiniert und kontrolliert werden. Ich wüsste nicht, was daran inhuman sein sollte. In der Masse trifft der Mensch oftmals nicht mehr selbstständige Entscheidungen und passt sich der übrigen "Herde" an, auch wenn dessen Entscheidungen schlecht sind. Dies führt zu Problemen, die man lösen muss. Massenpaniken zeigen dieses Problem eindrücklich.
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