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Besuch in einer Lernloft «Betreutes Pröbeln»: So können sich alle an KI herantasten

Die Lernloft will Grundkompetenzen niederschwellig vermitteln. Ein Besuch in Pratteln, wo sich Teilnehmende an ChatGPT herangetraut haben – und nach zwei Stunden beeindruckt und von Ängsten befreit nach Hause gegangen sind.

Montagabend im Laufbahnzentrum Pratteln. Die Stimmung: Aufgeräumt. Alle duzen sich. Das gehört zur Kultur der Lernloft.
Kursleiterin Désirée gibt einen kurzen theoretischen Überblick, dann müssen alle selber ran an ihre Geräte.

Ein Tisch, Leute drumherum sitzend, vorne eine Leinwand mit Projektion, die Kursleiterin am Referieren.
Legende: Kursleiterin Désirée hat sich zum Ziel gesetzt, den neun Teilnehmenden ChatGPT schmackhaft zu machen. Reto Widmer/SRF

Die erste Herausforderung: Anmelden bei ChatGPT. Was einfach tönt, kann eine Hürde sein. Zum Beispiel für Silvia. Sie ist irritiert wegen eines Codes, den sie eingeben solle und weiss nicht, ob und wie sie ihn eingeben soll.

Förderung der Grundkompetenzen

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Hinter der Lernloft steht eine Unternehmerin aus dem Kanton Thurgau, die sich dafür einsetzt, dass Menschen ihre Grundkompetenzen beherrschen und dadurch im Alltag besser bestehen können. Die Förderung dieser Grundkompetenzen ist Teil des Weiterbildungsgesetzes des Bundes – darum beteiligen sich auch Kantone und der Bund an der Lernloft.

Die Initiantin plant, dass sich künftig auch die Wirtschaft stärker engagiert, da Unternehmen ein Interesse daran haben, dass möglichst viele Personen mit ihren digitalen Produkten umgehen können. So soll sich auch die Finanzierung auf mehrere Schultern verteilen.
Das Angebot gibt es derzeit in Graubünden, im Thurgau und im Kanton Basel-Landschaft – Gespräche mit weiteren Kantonen laufen bereits, damit es vielleicht bald noch mehr Lernlofts gibt.

Für das Wohlbefinden ist an jeder Lernloft ein Gastgeber zuständig, thematisch führt eine Expertin durch den Abend.

Grundkompetenzen lernen durch «betreutes Ausprobieren»

Befürchtungen, etwas falsch zu machen, hätten viele Personen, die in die Lernloft kommen, sagt Kursleiterin Désirée. Deshalb probieren sie vieles zu Hause lieber gar nicht erst aus. Hier aber trauten sie sich. Es sei ein «betreutes Ausprobieren», das die Lernloft biete. Wichtig, in einer Zeit, in der die technologische Entwicklung rasant sei und ein Teil der Gesellschaft gefährdet sei, den Anschluss zu verlieren.

Die Lernloft will Gegensteuer geben, in dem sie eine Umgebung schafft, an denen Personen Grundkompetenzen in angenehmer Atmosphäre, in kleinen Gruppen und in moderatem Tempo erlernen können. Bei Silvia hat das bereits funktioniert: Sie ist bereit für ihren ersten Prompt.

Eine ältere Dame mit ihrem Smartphone.
Legende: Der erste Kontakt mit ChatGPT ist etwas verwirrend. Schnell aber merkt Silvia: «Ich bin ja schon drin!» Reto Widmer/SRF

Der erste Prompt

Prompt? Ratlose Blicke. Désirée erklärt. So sagt man, wenn man mit der KI redet. Beat schreibt sich die Definition in ein Notizbuch – und sucht dann nach einem Rezept.

Ein älterer Herr, der sich vor seinem Tablet Notizen macht in ein Notizbuch aus Papier.
Legende: Trotz Tablet und ChatGPT: Für Notizen zieht Beat das gute alte Notizbuch vor. Reto Widmer/SRF

Auch Tanja tippt auf ihrem Handy herum: «Erzähle mir drei überraschende Fakten über Basel». Und schon liefert ihr ChatGPT eine Antwort. In Basel gebe es 200 Brunnen, deshalb nenne man die Stadt manchmal auch eine der brunnenreichsten Städte Europas. «Das habe ich nicht gewusst - schön!» sagt Tanja, lacht und wendet sich gleich wieder ihrem Chatverlauf zu: «Das ist unermüdlich, das ist wieder so etwas, wo man Stunden verbraten könnte».

Désirée ist beeindruckt. Es sei toll und schön zu sehen, wie sich alle an die KI rantasteten.

Die Angst ist, etwas falsch zu machen

Immer mehr Ideen tauchen auf, was man die KI noch alles fragen könnte. Beatrice will zu Hause ein Foto machen eines Zimmers und sich dann den Raum farblich umgestalten lassen. Sie sucht in der ChatGPT-App den Kamera-Knopf. Ob sie einfach drücken dürfe – oder dadurch etwas kaputt mache? Es ist nicht das letzte Mal an diesem Abend, dass sie wieder aufpoppt: Die Angst, etwas falsch zu machen.

Und Silvia ist derart angetan von dem, was sie an diesem Abend gelernt hat, dass sie befürchtet, nicht mehr von der KI wegzukommen. Die habe das Potential, süchtig zu machen, weil sie immer mehr wissen wolle.

Drei Personen an ihren Handys, eine vor dem Notebook.
Legende: Beatrice, Beatrice und Erol sind schnell fasziniert von den Möglichkeiten, die KI ihnen bietet und haben sofort viele Ideen, wie sie ChatGPT in Zukunft nutzen wollen. Reto Widmer/SRF

Lernen ohne Lerndruck

Das Konzept des «betreuten Ausprobieren» kommt an. In Pratteln und auch an den anderen Standorten der Lernloft sind fast alle Abende ausgebucht. Nicht nur jene zur KI. Das liegt auch daran, dass die Lernloft keine klassischen Kurse anbietet mit klarem Lernziel oder gar Abschlussprüfungen.

Jede vielleicht unangenehme Erinnerung an die Schulzeit soll verhindert werden. Deshalb sind alle am Schluss des KI-Abends in Pratteln auch nach zwei Stunden intensiver Beschäftigung mit ChatGPT so entspannt wie am Anfang und der Tenor in der Feedbackrunde lautet einstimmig: Alle konnten Ängste abbauen, wollen dranbleiben und KI häufiger nutzen, sie ausprobieren und sich von ihr überraschen lassen, dabei aber kritisch und achtsam bleiben.

Radio SRF Musikwelle 26.3.2026, 11.20 Uhr

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