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Digitales Rotes Kreuz IKRK testet Schutzzeichen gegen Cyberangriffe

Angriffe auf humanitäre Einrichtungen häufen sich – auch im Netz. Ein digitales Emblem soll gegen Hacker schützen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat am Donnerstag in Genf ein Projekt für ein digitales humanitäres Emblem vorgestellt. Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit geht das Vorhaben nun in die Testphase.

Zwei Fahrzeuge mit roten Kreuzen auf einer unebenen Strasse, umgeben von Menschen.
Legende: Ein Emblem, das den humanitären Charakter anzeigt: Ein Fahrzeug des IKRK begleitet die Suche nach Vermissten im Gazastreifen (8. Dezember 2025). Keystone/AP Photo/Jehad Alshrafi

Hintergrund sind die zunehmenden Angriffe auf humanitäre Organisationen und kritische Infrastrukturen. Einerseits in der realen Welt: Erst vergangene Woche wurden im Südsudan fünf Helfer getötet. Doch auch im Cyberspace nimmt die Zahl der Angriffe weltweit zu. Das IKRK selbst war 2022 Ziel eines Angriffs auf seine Server.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die Organisation seit mehreren Jahren an einem digitalen Schutzzeichen. Es soll funktionieren wie ein rotes Kreuz, das auf ein Spital gemalt wird und dieses als geschützte Einrichtung kennzeichnet. Das digitale Emblem soll im Netz signalisieren, dass eine Infrastruktur unter dem Schutz des humanitären Völkerrechts steht.

«Es wird nicht verhindern, dass jemand einen Angriff unternimmt. Aber es signalisiert, dass diese Systeme durch humanitäres Völkerrecht geschützt sind», sagt Mauro Vignati, Leiter für digitale Fragen beim IKRK, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Möglicherweise herrsche bei manchen Angreifern auch Unwissenheit darüber, welche Einrichtungen sie ins Visier nähmen.

Prototyp aus Zürich

Das Emblem ist für das IKRK, die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, weitere humanitäre Organisationen sowie die Sanitätsdienste von Armeen vorgesehen.

Ein erster Prototyp mit dem Namen «Authentisches digitales Emblem» wurde unter anderem an der ETH Zürich entwickelt. Bevor das System eingesetzt werden kann, muss es noch getestet, standardisiert und validiert werden.

Wer soll bestätigen, dass eine Einrichtung tatsächlich humanitären Charakter hat? Und wie können die entsprechenden Authentifizierungen organisiert werden? Diese und andere Fragen sollen in der angelaufenen Testphase geklärt werden.

Kriegsgesetze im digitalen Zeitalter

Das Projekt wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Wie lassen sich die Regeln des humanitären Völkerrechts im Cyberspace durchsetzen, wenn sie selbst in bewaffneten Konflikten oft missachtet werden? Die Genfer Konventionen wurden lange vor dem digitalen Zeitalter geschaffen und stehen heute vor neuen Herausforderungen.

Genfer Konvention im Cyberspace: das sagt der IKRK-Chef

«Wir wissen seit jeher, dass im Menschen die Fähigkeit existiert, anderen Menschen die schlimmsten Gräuel zuzufügen. Wir brauchen also Gegenmittel, Firewalls und Massnahmen, die es erlauben, die Akteure einzuschränken und zu zwingen», sagt IKRK-Generaldirektor Pierre Krähenbühl.

Für den Schweizer UNO-Botschafter in Genf, Thomas Gürber, ist das digitale Emblem die logische Weiterentwicklung bestehender Schutzmechanismen. «Ein digitales Emblem ist einfach der nächste Schritt», sagte er. Die Schweiz hatte sich bereits 2024 verpflichtet, gemeinsam mit dem IKRK die Möglichkeiten eines solchen Instruments zu prüfen.

RTS, La Matinale, 10.07.2026, 6:20 Uhr; noes

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